"Es gibt ungezählte Artikel und Fachbücher über das Syndrom des Neglects - [...], während bislang kein einziges Buch dieses komplexe Störungsbild in verständlicher Form Angehörigen und Betroffenen nahe bringt. Dies soll mit dem vorliegenden Ratgeber nachgeholt werden." (Zitat aus dem Vorwort, 1. Absatz). Genau diesem Anspruch wird der "Ratgeber Neglect" gerecht.
Auf knapp 100 Seiten wird das komplexe Krankheitsbild des Neglects anschaulich und gut verständlich erläutert. Im ersten Teil des Buches wird ein Überblick über die dem Neglect zugrundeliegende Schädigungen gegeben. Übersichtlich und einfach werden komplexe neurologische Vorgänge beschrieben. Im zweiten Teil des Buches werden die typischen verschiedenen Modalitäten des Neglectes wiedergegeben. Was hierbei zunächst theoretisch klingt, wird anhand beispielhafter Umschreibungen für den Laien greifbar. Der dritte Teil umfasst die vielfältigen, möglichen Begleitstörungen des Neglects. Leicht verstehbar werden Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Störungen beschrieben. Besonders lobenswert ist, dass hierbei ausführlich auf psychosoziale Beeinträchtigungen wie auch auf Phasen der Krankheitsverarbeitung eingegangen wird - ein Punkt der in vielen Fachbüchern zu vermissen ist. Betroffene selbst wie auch Angeörige werden sich auf diesen Seiten in dem Gelesenen oft wiederfinden und sich verstanden fühlen.
In den nächsten beiden Teile geben die Autoren einen umfassenden Einblick in das Anwendungsfeld der Neuropsychologie - ein Berufsgebiet, unter dem sich Betroffen und Angehörige zumeist wenig vorstellen können. Anschaulich werden Untersuchungs- und Behandlunsgverfahren vorgestellt und deren Relevanz für den Alltag erläutert. Weiterhin wird eine Brücke geschlagen zwischen dem interdisziplinären Behandlungsteam einer Reha und dem, wie Angehörige unterstützend auf ihren Betroffenen einwirken können.
Den Abschluss des Buches bilden Fallbeispiele und Antworten auf häufig gestellte Fragen.
Als sehr praxisrelevant sehe ich die vielen wertvollen Literaturhinweise und Anhaltspunkte für Anlaufstellen für Patienten und Angehörige, die zum einen im Fliesstext häufig genannt werden und zum anderen im Anhang umfassend aufgelistet sind.
Eine besondere Stärke des Ratgebers ist die Vielfalt der Informationen, die Betroffene und Angehörige entnehmen können. Anhand der sehr guten Übersichtlichkeit kann jeder Leser individuell entscheiden, wie intensiv er sich in die Materie einlesen möchte: ob nun zu theoretischen Hintergründen, zu Untersuchungsverfahren, Therapieansätzen, über praktische Tipps oder schlichtweg über realistische Fallbeispiele.
"Es gibt keine einfache Lösung, um Vernachlässigungserscheinungen [...] vollstädnig zu heilen. [...] Es gibt jedoch eine Vielzahl von Möglichkeiten, die negativen Auswirkungen der Neglectsymptome zu verringern. Und es gibt Strategien, die erlernt werden können, um die tägliche Lebensqualität für Patienten und Angehörige zu verbessern. Viele wichtige Tipps sind in diesem Ratgeber beschrieben."(Zitat aus dem Kapitel 13 `Ein positiver Ausblick`, 1. Absatz).
Jawohl, da kann ich nur vollständig zustimmen!