Wer diese Überschrift ziemlich merkwürdig findet, dem wird mit Ernst Kahls neuem Büchlein „Rate-Mahl. Ein Brevier für Rätsel- und Gaumenfreunde" auch nichts Geistvolleres serviert. In den 48 postkartenformatigen Seiten geht es um die bildhafte Umsetzung gängiger Redewendungen und Ausdrücke aus dem Kulinarischen, wie „Spiegelei" (Ein Ei betrachtet sich im Spiegel) oder „beleidigte Leberwurst" (betreffende Wurst steht schmollend in der Ecke, während die restliche Wursttheke eine irre Party feiert). Richtig, das soll laut vollmundiger Ankündigung vom Kein&Aber-Verlag „mit viel Sinn für Zweideutigkeiten und Liebe zum Detail in Szene gesetzt" sein. Ist es leider nur in den seltensten Fällen. Aber zuerst die gute Nachricht: Der 53jährige Hamburger Kahl malt gewohnt großartig, mit viel Witz vor allem bei den - leider nur wenigen - Cartoons, welche die Kapitel trennen. Die schlechte: Das Buch ist in seiner thematischen Zusammenstellung eindeutig an den Haaren herbeigezogen, wenn man bei einem Autor diesen Namens davon sprechen darf, und ist vielfach erschreckend einfallslos und uninspiriert. Entfaltet sich bei Bildern wie „Meerrettich" - kopfüber im Meer segelnde Rettiche, die wie Segel wirken - noch der ganze Witz des überhöht Banalen, wirken Bilder wie „Schweinemedaillons" (Ein Schwein, dass sich ein Medaillon anheftet) oder „Himbeergeist" (weiße Gestalt mit Himbeerkopf, die eine Treppe hinunterschwebt) als lahm konstruiert und lieblos. Man spürt, dass Kahl sich krampfhaft noch einige Bilder zum „Rate-Mahl" aus der Palette gewrungen hat. Für diesen Preis kann man etwas mehr erwarten als ein Postkarten-großes Büchlein, das zum Teil altes Bildmaterial verwendet (aus „Kahls Künste") und den genialen „Tafelspitzen" hinterher hinkt. Vor allem aber erwarte ich von einem Autor, der das großartige Drehbuch zu Bucks „Wir können auch anders" geschrieben hat, mehr als diese so offensichtlich kommerzielle Zweitverwertung in einem sehr fragwürdigen Rahmen. So betreibt Ernst Kahlschlag an seinem eigenen Denkmal.