Es ist das erste Mal gewesen, dass ein Filmbuch las, bevor ich den Film gesehen habe.
Ich denke, Filmbücher können entweder eine ausführliche Nacherzählung liefern und dabei alles das bieten, was ein Film nicht kann, nämlich tiefe Einblicke in Vergangenheit und die Gedankenwelt der Charaktere. Oder sie können eine knappe Zusammenfassung des Films liefern, in Verbund mit zahlreichen Fotos, und somit als Appetithäppchen für jene, die auf den Film neugierig sind dienen, und als Erinnerungsstütze für solche, die ihn sahen und noch einmal schwelgen wollen.
Dieses Buch gehört zur zweiten Kategorie.
Das war für mich durchaus ein wenig irritierend, da ich es eigentlich gewöhnt bin, mich in eine Geschichte zu versenken statt sie in knapper Zusammenfassung vor mir zu haben. Nachdem ich mich aber erst einmal darauf eingestellt hatte und damit klar kam, dass die Perspektive zwischen Remy und seinem Bruder, der als Erzähler fungiert, ein wenig unsauber springt, war es durchaus schön - die Lücken sind leicht mit Hilfe der Bilder und der Vorstellungskraft zu füllen.
Die Story an sich, nun ja, Disney eben ... ein fieser, fieser Schurke, ein wenig Liebe, alles wird gut ... aber da ist auch noch ein wenig mehr. Mit Remy ist diesmal weder ein Hund noch eine Katze der Held (die doch wirklich alle lieben), auch keine Mäuse (die ja irgendwo noch knuddelig sind), sondern ein Ratte (und die mag ja wohl kaum jemand!). Remy gilt innerhalb seines Clans als Sonderling, denn er ist besessen vom Kochen. Mit dieser Besessenheit zerstört er versehentlich das Zuhause seiner Sippe und wird von ihr getrennt. Der Zufall bringt ihn mit Linguini zusammen, einem jungen Mann, der gerne kochen würde, es aber wirklich überhaupt nicht kann. Remys Bruder ist ein verfressener Faulpelz, die Liebste des jungen Mannes eine Zicke. Auch das Ende ist nicht happy um jeden Preis, sondern wirkt nachvollziehbar. Alles in allem hat man sich also eine Menge Mühe gegeben, Klischees nicht zu überstrapazieren. Die Bilder zeigen, das der Zusammenschluss zwischen Disney und Pixar fruchtbar zu sein scheint.
Fazit: Ein Appetithäppchen, das mich dazu anregt, nach langer Zeit mal wieder meinen Kindern einen Disney im Kino zeigen zu wollen statt zu sagen: Hmpf, warten wir mal, bis es als DVD rauskommt. Ob ich anschließend schwelgen möchte, wird sich dann zeigen ...