Wer kennt sie nicht, die Bilder des traurigen Indio in der andinen Hochebene, des hoffnungslosen Slumbewohners der Städte, des Straßenmusikers im farbenfrohen Poncho oder auch des blutrünstigen Terroristen vom "Leuchtenden Pfad"?
Stereotype karikieren jede ethnische und soziale Gruppe Perus und werden über Reiseprospekte, Fernsehbilder, Presseberichte und die Bestseller Mario Vargas Llosas auch in unsere Köpfe transportiert. Wie eng verknüpft solche Stereotype mit dem Rassismus sind, zeigt die vorliegende Studie.
Mittels eines in der Ethnologie neuen und experimentellen Ansatzes werden hier schlaglichtartig verschiedene gesellschaftliche Ebenen und historische Phasen beleuchtet. Das Buch ist eine wissenschaftlich fundierte Studie - dennoch kann die Autorin ihr persönliches Engagement nicht verhehlen. Zudem entgeht sie der Gefahr, den Stoff theoretisch und "staubtrocken" abzuhandeln. Jedes Kapitel bietet eine neue und überraschende Perspektive, wie zum Beispiel die Untersuchung des Straßenslangs der Hauptstadt Lima, der Misswahlen, der Boulevardpresse oder der Literatur Vargas LLosas. Das reichhaltige Dokumentationsmaterial und die vielen Zitate (zumeist in der Originalsprache, deren Grundaussage wird aber zumeist noch einmal erklärt) erlauben allen, die sich ernsthaft für das Land interessieren, einen tiefen Einblick dessen soziale Strukturen.
Dabei wird deutlich, dass neben der mehrheitlich weißen Oberschicht des Landes auch die andin geprägte Mehrheit den Rassismus tief verinnerlicht hat. Er führt nicht nur zu sozialen und politischen Konflikten, sondern entfaltet seine zerstörerische Wirkung auch in der Psyche des Einzelnen. Eine historische Spurensuche zeigt darüber hinaus die Entwicklung eines Gesellschaftssystems, das über Jahrhunderte hinweg eine erstaunliche Flexibilität in der Rechtfertigung der Unterdrückung breiter Bevölkerungsschichten bewiesen hat. Dabei wird dem Leser mehr und mehr bewußt: Peru ist kein Sonderfall. So oder ähnlich funktioniert die Unterdrückung der "Anderen" überall auf der Welt.