1965 hatten die Hammer Studios das ehrgeizige Vorhaben, die Geschichte von Rasputin auf die Leinwand zu bringen. Aber Hammer und russische Geschichte? Passt das? Rasputin war kein Vampir in einem Wald, er lebte in St. Petersburg, in einer russischen Großstadt!
Ganz sicher ist "Rasputin" Hammers ungewöhnlichster Film, allein aufgrund des Themas, das ja nicht wirklich Horror ist (auch wenn Rasputin etwas dämonisch war). Christopher Lee als wahnsinniger Mönch ist erstklassig, und wir erleben "Dracula" in einer seiner besten Rollen überhaupt. Da der Film fast zeitgleich mit "Blut für Dracula" entstand, sind noch weitere Darsteller dieses Filmes hier auch am Werk: U. a. Barbara Shelley, Suzan Farmer und Francis Matthews.
Historische Genauigkeit dürfen wir aber nicht erwarten, die Handlung dieses Films hat mit der Realität nicht viel zu tun. Desweiteren fühlt man als Zuschauer einfach nicht, das der Film in Russland spielt. Die Großstadt St. Petersburg sieht aus wie die kleinen Vampirdörfer in den anderen Hammer Filmen, und der Zarenhof könnte Draculas Schloß sein. Der Hauptgrund für die fehlende Atmosphäre ist natürlich diese Ausstattung. Doch was konnte Hammer schon tun? Das Geld für teures Historienkino hatten sie natürlich nicht, und dies ist der Grund, warum ich finde, das das Studio mit "Rasputin" ein wenig zu weit ging, über die Verhältnisse hinausschoß.
Vergisst man aber mal, das wir es hier mit DEM Rasputin zu tun haben, dann geht der Film in Ordnung. Die Geschichte eines wahnsinnigen Mönches irgendwo in den Wäldern. Den allein Handwerklich ist wie immer bei Hammer alles in Ordnung, und Regisseur Don Sharp ("Der Kuß des Vampirs") macht einen guten Job. Was entäuscht ist lediglich das Finale, in dem Rasputin einfach aus dem Fenster geschmissen wird. Dieses kurze Finale hat jedoch einen Grund, den man erfährt, wenn man sich das sehr interessante Interview mit einem witzigen Francis Matthews anschaut.
Aus welchen Gründen auch immer kam der Film nie in deutsche Kinos, so das auf dieser DVD eine neue Synchro zu hören ist. Und wie immer bei neuen Synchronisationen fällt die etwas statisch und blutarm aus. Deshalb besser in englisch schauen!
Kein Horrorfilm, kein Historienfilm, sondern irgendwas dazwischen. Eigentlich ganz interessant. Also auch dieser Hammer Film wird den Fan begeistern, viel anders als bei Dracula oder Frankenstein geht es auch bei Rasputin nicht zu.