Riverside gehören zu den drei, vielleicht vier Bands auf diesem Planeten, von denen ich mir jederzeit unbesehen ein neues Album kaufen würde. Und ich bin auch diesmal nicht enttäuscht worden! Man hört dem Album von der ersten Sekunde an wie sich die Band weiterentwickelt hat. Der Stil ist unbeirrbar der gleiche geblieben, doch es wurden neue Elemente hinzugefügt die sich nahtlos ins Gesamtbild einfügen und die Musik von Riverside bereichern, dabei aber kein Stück verfälschen. Rhythmus und Melodie sind unverkennbar, zunehmend mit größerer Variation.
Mariusz Duda singt einmal mehr mit einer fast zerbrechlichen aber doch selbstsicheren Stimme, im Track "Rainbow Box" durch einen Effekt leicht verzerrt, was sehr cool klingt. Insgesamt traut er sich beim Gesang immer mehr zu, beim Bass slappt er gelegentlich, was man früher noch nicht zu hören bekam und jetzt sehr gut reinpasst. Piotr Grudziski klimpert leichtfüßig wie immer abwechselnd hauchdünne und dann wieder brachiale Gitarren dazu. Piotr Kozieradzki spielt sein Schlagzeug mit einer unglaublichen Präzision (trotzdem nicht so langweilig klingend wie ein Drumcomputer) scheinbar ohne größere Anstrengung auch in den verzwicktesten Passagen, dynamisch, treibend, abwechslungsreich und fast schon ein bißchen funky. Zuguterletzt zaubert Michal Lapaj mit seinen Keyboards und Effekten einen Klangteppich so breit wie der Ozean unter das Gesamtwerk, niemals sich in den Vordergrund drängend sondern immer perfekt passend zum Druck und der Dynamik seiner Kollegen.
Das Album ist ein würdiger Abschluss der Trilogie, spannend bis zum Ende und man spürt "The Curtain Falls", wie die Anspannung nachlässt in den letzten paar Sekunden von "Ultimate Trip", ohne zu wissen dass es tatsächlich das letzte Lied auf der CD ist. Insgesamt sind alle Lieder etwas homogener zueinander passend, es passiert nicht mehr dass man wie noch in den ersten zwei CDs auf ein ruhiges Lied folgend plötzlich mordsmäßig was an den Kopf geballert bekommt. Die Tempi- und Dynamikwechsel sind viel geschmeidiger geworden, strotzen aber nur so vor Überraschungsmomenten und ziehen von vorne bis hinten eine atemberaubende Spannungskurve durch das gesamte Werk.
Die CD hat alles was man braucht, von fetzig (Beyond the Eyelids) und treibend mit halsbrecherischer Rhythmusakrobatik über träumerisch (Schizophrenic Prayer) und mit Einladung zum Davonschweben bis hin zu ganz langsamen und sentimentalen Momenten (Through the other side). Abwechslung garantiert, alles passt zueinander und die Abfolge ist perfekt.
Obwohl man hier Progressive Rock zu hören bekommt, bewegen sich Riverside in einem ganz eigenen Universum. Es gibt unzählige Stellen an denen sich andere Musiker aufgrund der Kapriolen die Hände brechen würden, trotzdem klingt alles harmonisch und verliert nie seine Richtung. Genügend andere Progbands glauben, der Gipfel der Kunst wäre es die Takte mancher Lieder derart zu verhackstücken dass man schon beim Mitzählen Probleme hat den Vier-Viertel zu erkennen. Zum Glück passiert uns das hier nicht, mal abgesehen vom Wechsel der Geschwindigkeiten bewegt sich hier immer alles vorwärts und verhaspelt sich nicht in Experimenten.
Auf keinen Fall darf man diese CD nebenbei hören. Nicht weil man dann vor Anstrengung Kopfschmerzen bekommt, das kennt man von genug anderer Musik, sondern weil man sonst garnicht aufnehmen kann was hier alles geboten wird und einem die vielen kleinen und wichtigen Details entgehen.