Die Autorin ist auf dem Gebiet wahrscheinlich DIE Kapazität schlechthin. Ihr Buch hält sich an die Fakten und zeigt doch überall die persönliche Faszination als auch die Distanz zu einer Persönlichkeit, die so umstritten ist wie kaum ein anderer Herrscher. Er war ein Mensch, weder der Heilige noch der Idiot, zu dem ihn mache Autoren machen wollen. Mir hat das Buch sehr gefallen, auch beim Verständnis der kürzlich besuchten Tempel. Und wir müssen uns damit abfinden, dass es einigermaßen schwierig ist, die Persönlichkeit von Menschen zu erkunden, die bereits seit 3000 Jahren verstorben sind. Die Artefakte sind spärlich und hatten bereits zur Zeit ihrer Erstellung auch und vielleicht zuerst politische und religiöse Zwecke zu erfüllen, zu denen nicht zwingend histrorische Korrektheit in unserem Sinne gehörte. Dort hineinzuinterpretieren, was eigentlich nicht enthalten ist, gehört in den Bereich der Romane und nicht hierher.
Das einzige, was ich dem Buch wirklich verübele, ist die lausige Bindung. Die Seiten lösen sich bei einmaligem pfleglichen Durchlesen schon von ganz allein. Daher der Stern-Abzug.