Eigentlich müsste es Rameau-Festival heissen.
Was weiss man bei uns von diesem wunderbaren Komponisten, früher nichts ausser La poule, ein Cembalostück,das lautmalerisch einen Hühnerhof nachahmt.
Wer diese DVD schaut, die hochinteressante über einstündige Dokumentation über Rameau, der wird über das Leben und das Werk dieses Komponisten sehr gut informiert.
"Seine erste musikalische Ausbildung erhielt Jean-Philippe durch seinen Vater. Er besuchte eine Jesuitenschule, musste sie jedoch wegen mangelnder Leistungen verlassen. Ungefähr mit achtzehn unternahm er eine Italienreise, die aber nicht weiter als Mailand führte. Er wirkte in verschiedenen Städten, als Orchestergeiger und Organist in Marseille, Avignon, Albi, Montpellier, Nîmes und Lyon....Um 1727 begegnete er seinem Mäzen Alexandre Le Riche de la Pouplinière, dem Generalgutsverwalter (fermier général) des Königs, der Rameau und Familie in seinem Palast in der rue de Richelieu wohnen ließ. Für mindestens zwölf Jahre leitete Rameau das Privatorchester seines Gönners, hier konnte er wertvolle Instrumentalerfahrungen sammeln und mit dem Ensemble experimentieren....Nach mehreren Misserfolgen gelang es Rameau 1733 sein erstes lyrisches Werk aufzuführen, das Operndrama Hippolyte et Aricie. Dieses Werk steht in der Tradition von Jean-Baptiste Lully, aber es übertrifft bei weitem den bisher gewohnten musikalischen Reichtum. Ein Zeitgenosse meinte, diese Oper enthält genügend Musik um daraus zehn zu schaffen.
Die Lullysten fanden diese Musik zu modern, während hingegen Rameaus Anhänger, die Ramisten, sie genial fanden. Der Erfolg stellte sich unmittelbar ein. Rameau erntete den höchsten Ruhm, und wurde durch Ludwig XV. in den Adelsstand erhoben, zum Kabinettskomponisten ernannt und erhielt eine Pension von 2.000 Livres. Lyrische Tragödien, heroische Werke, Ballettmusiken folgten Werk auf Werk bis zu seinem Tode. Rameau wechselte sehr häufig seine Librettisten, es gelang ihm in seinem Anspruchsdenken dennoch nie, einen zu finden, der einen der Qualität seiner Musik entsprechenden Text schreiben konnte. Gleichzeitig war er unermüdlich mit theoretischen Arbeiten beschäftigt und bestrebt, seinen Prinzipien, die später die Grundlage der Harmonielehre bilden sollten, Geltung zu verschaffen."
Diese Ereignisse seines Lebens werden von Sachkundigen erläutert. Einer der Sachkundigen ist immer wieder William Christie, der unermüdlich seit nunmehr dreissig Jahren für dieses Werk eintritt und sicher wie kein zweiter zur Renaissance dieses Komponisten beigetragen hat, u.a. durch hervorragende Aufnahmen auf CD und DVD von den wichtigen Opern Rameaus. Da wird uns Spielfreude pur vorgeführt. Man wundert sich, dass man einen solchen Musiker links liegen lassen konnte.
Ferner findet sich auf der DVD Musik von Rameau, Kammermusik und die Motette In convertendo. Ich räume ein, die Motette finde ich umwerfend gut, auch entsprechend musiziert, während mir die Kammermusik relativ fremd bleibt.
Dies ändert aber nichts daran, dass Rameau ein GROSSER Komponist ist und wir uns freuen dürfen, dass seine Werke, eben besonders durch William Christie, bei uns bekannt werden !