Man weiß gar nicht so recht, vor wem man sich am meisten verneigen muss. Vor Rameau, dem im fortgeschrittenen Alter mit seiner ersten Tragédie Lyrique ein vor Einfallsreichtum und ästhetischer Finesse nur so strotzendes Meisterwerk gelungen ist. William Christie, der das Werk in seiner ihm gebührenden Größe in unsere Zeit transportiert. Aber vor allem auch den Ausführenden, die mit wahrlich erschütterndem Engagement alles, was in ihrem tiefsten Inneren zu stecken vermag, preisgeben und einen Parforceritt der menschlichen Gefühle und großen musikalischen Momente zum Besten liefern.
Anna-Maria Panzarella und Mark Padmore waren mit ihren noch relativ jungen Stimmen in absoluter Topform. Jedes Wort und jedem Ton geben sie mit unglaublichem Feingespür großes Gewicht, das Geschehen wird damit auch ohne sichtbare Bühnenaufführung imaginär lebendig. Alle Verzierungen scheinen perfekt an der richtigen Stelle und werden mit hoher Kunstfertigkeit ausgeführt. Auch die übrigen Rollen sind glänzend besetzt. Nathan Berg ist der wohl genialste Jupiter, den man sich vorstellen kann. Seine Stimme verschmelzt einfach perfekt mit den Klangfarben im Continuobass. Emmanuelle Haim`s Spiel am Cembalo ist eine wahre Freude.
Wie auch bei den anderen Opernwerke Rameau`s ist William Christie mit seinen Les arts florissant`s ein Gesamtkunstwerk allerhöchster Finesse gelungen. Ihm verdanken wir Rameau`s wohlverdiente Wiederentdeckung als einer der besten und kühnsten (Opern)komponisten aller Zeiten.