Es mag ja sein, dass im Rückblick dem einen oder anderen die musikalische Ausrichtung von RYFAY nicht mehr besonders zusagt. Aber: Alice Cooper kam 1987 mit dieser Scheibe in der Wirklichkeit des damaligen Heavy Metal an, was er mit "Constrictor" ein Jahr zuvor nur angedeutet hatte. Die Riffs könnten teilweise auch einer Thrashmetal CD entstammen, doch die Melodieführungen sind typisch Alice Cooper. Auch der süffisante Humor und das Augenzwinkern bei den Texten sind wieder ganz der alte Alice. Natürlich sollte man sich auch an die Zeitumstände erinnern. Damals trieben Washingtoner Politiker-Gemahlinnen um Tipper Gore ihr Unwesen und wollten allem, was irgendwie nach Heavy Metal aussah, einen Maulkorb verpassen und die Musik samt der Texte indizieren. In diese Situation hinein startet Alice Cooper, der immer mehr war als nur ein einfacher Hradrocker/ Metaller, sein Comeback. Und exakt aus diesem Grunde wurde RYFAY seine musikalisch härteste Scheiber (wenn man einmal die anders gelagerte "Brutal Planet" vernachlässigt), so, als wollte er sagen: "Ihr verbietet Heavy Metal? Hier bin ich, verbietet mich auch- oder haltet das Maul!" Und genau das ist der textliche Inhalt der Songs der ersten LP Seite. Hier ist The Coop direkter politisch als jemals zuvor oder auch je wieder danach. Songs wie "Freedom" oder "Give The Radio Back" bringen das genauso zum Ausdruck wie die Zeilen aus "Lock Me Up": "If you don't like it you can lock me up - lock me up or shut up!"
Die zweite LP-Seite ist dann wieder augenzwinkernden Horrorgeschichten gewidmet, die aber wirklich unter Gesichtspunkten des Sprachwitzes zum besten gehören, was Alice Cooper jemals geschrieben hat (Beispiel: Die dreiteilige Story des psychotischen Killers, der nur Frauen mit dem Namen Gail ermordet. Sein jüngstes Opfer trägt ihren Namen an der Kette: "M-A-R-Y...Gail, Gail!!!!!!").
Unterm Strich eine tolle Platte für Tage, an denen man die härtere Gangart dringend benötigt und ein aufrechtes Bekenntnis von Herrn Furnier zu Demokratie und Freiheitsrechten!