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Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 29.12.2001
In einer recht umfangreichen Rezension bespricht Silvia Henke den zum fünfundsiebzigsten Todestag des Dichters erschienenen, die Jahre 1875 bis 1906 umfassenden, ersten Band der jetzt aus dem Amerikanischen übersetzten Rilke-Biographie von Ralph Freedman. Im Zentrum von Freedmans Biografie steht die Figur des Dichters Rilke. Die Rezensentin wirft die Frage auf, was eine weitere, sich vor allem auf Briefe stützende Biografie zum Verständnis von Rilkes dichterischem Werk beitragen könnte, insbesondere da sich bereits Rilke selbst gegen eine biografische Deutung seines Werkes ausgesprochen hat. Den Verdienst von Freedsmans Biografie erblickt die Rezensentin dann auch nicht in dessen "Interpretationen und den angestrengten biografischen Bezügen", sondern in der Ausführlichkeit seiner Darstellung. Der "nüchterne Biograf" Freedman verhindere damit eine "Mythisierung der Person" Rilkes, lobt die Rezensentin. Deutlich werde so auch "die ganze Umständlichkeit und Unwegsamkeit" von Rilkes "Aspiration auf das Amt eines Dichters von Rang". Freedmans Versuch allerdings, die Stationen von Rilkes schwierigem Leben teleologisch als "sinnvolle Etappen einer Künstlermetamorphose" zu interpretieren, kritisiert Henke als "unbefriedigend".
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Kurzbeschreibung
Der Literaturwissenschaftler Ralph Freedman hat sich ausführlich mit Rilkes Leben und Werk auseinandergesetzt. Sein Buch ist Lebensbericht, Werkgeschichte und -interpretation in einem. Ralph Freedman hat sich dem Leben dieses Dichters - das reich ist an äußeren Stationen, an Begegnungen, an abrupten Veränderungen, Leiden und Freuden - und dessen wirkungsmächtigem Werk aus doppelter Distanz genähert: Mehr als 70 Jahre nach Rilkes Tod sind die Dokumente seines Lebens, eigene und fremde, dem forschenden Biographen größtenteils verfügbar; und von Amerika aus gesehen ist der kosmopolitische Rilke, der in deutscher und französischer Sprache schrieb, ein Dichter und Repräsentant Europas.
Wie schon in seiner Biographie "Hermann Hesse. Autor der Krisis" geht es Freedman um den Menschen, der hinter dem Werk und den öffentlichen Masken verborgen ist.
Er wagt dabei mitunter überraschende Rückschlüsse von der Dichtung auf den Menschen und umgekehrt; so sieht er Leben und Werk, insbesondere des jungen Dichters, von einer Grundkonstellation bestimmt: dem Kontrast zwischen der tristen Heinrichsgasse in Prag, in der er geboren wurde, und dem prächtigen Palais in der benachbart en Herrengasse, in der die wohlhabende Familie seiner Mutter lebte, zu der er nie ganz gehörte.
Freedman schildert das Leben des jungen Rene Rilke, der sich, nach einer schweren Kindheit in der gestörten Ehe seiner Eltern und in Militärschulen, früh zum Dichter bestimmt fühlte und seine ganze Kraft immer ausschließlicher auf ein Ziel zu richten begann: ein Dichter von Rang zu werden. Ob er als Halbwüchsiger mit einem Kindermädchen durchbrennt, sich verlobt und entlobt, die Lebensorte, die Universitäten und die Liebschaften wechselt, verschiedenste Brotarbeiten übernimmt oder Sponsoren umwirbt, er hat dabei letztlich eines im Blick: das Wachsen seines dichterischen Werkes.en Herrengasse, in der die wohlhabende Familie seiner Mutter lebte, zu der er nie ganz gehörte.
Freedman schildert das Leben des jungen Rene Rilke, der sich, nach einer schweren Kindheit in der gestörten Ehe seiner Eltern und in Militärschulen, früh zum Dichter bestimmt fühlte und seine ganze Kraft immer ausschließlicher auf ein Ziel zu richten begann: ein Dichter von Rang zu werden. Ob er als Halbwüchsiger mit einem Kindermädchen durchbrennt, sich verlobt und entlobt, die Lebensorte, die Universitäten und die Liebschaften wechselt, verschiedenste Brotarbeiten übernimmt oder Sponsoren umwirbt, er hat dabei letztlich eines im Blick: das Wachsen seines dichterischen Werkes.