Der zwanzig Jahre andauernde Briefwechsel zwischen Rainer Maria Rilke und Sidonie Nadherny von Borutin gehört mit Sicherheit zu den schönsten Briefwechseln, die von Rilke erhältlich sind. Warum? Die Leidenschaft, die Rilke und Sidonie ("Sidie" genannt) verbindet, ist das Reisen. Das ist Hauptinhalt dieser Briefe - und der bringt Rilke dazu, eindringliche, intensive Bilder seiner eigenen Reisen (zahlreich und oft!) zu Papier zu bringen: Italien, Spanien, die Schweiz und natürlich immer wieder PARIS. Ein zweiter Grund für die grenzenlose Schönheit dieses Briefwechsels ist das von Sidonie Nadherny bewohnte böhmische Schloß Janowitz. Es wird über die Jahre hinweg (besonders während des für Rilke recht unerfreulich ablaufenden 1. Weltkriegs) ein überlebensgroßes Sehnsuchtsziel. Immer wieder beschwört er die weiten Parkanlagen, die dann vor dem inneren Auge des Lesers entstehen.
Als Rilke schließlich krank und kränker wird, werden die Briefe (die er schreibt) weniger, bis sie ganz versiegen. Im Anhang finden wir regelmäßig Eintragungen von Sidonie Nadherny in ihr bis jetzt unveröffentlichtes Tagebuch (das auf englisch geführt wurde). Der Leser bleibt melancholisch zurück.