Ich habe mir diesen Film auf Hindi mit deutschen Untertiteln angesehen und war begeistert. Ein wunderschönes Kammerspiel mit schönen Musikstücken von Debojyoti Mishra. Die deutsche Synchronisation passt zur Stimmung des Films sogar besser als die Untertitel. Dies ist der erste Fall, wo mir ein Hindi-Film auf deutsch besser gefällt als im Original. Gratulation an RapidEyeMovies.
Dieses regennasse Kammerspiel des bengalischen Regisseurs Rituparno Ghosh mit einem Regenmantel als wichtigstem Requisit ist kein typischer Bollywood-Film. Es gibt keine Dance-Songs, keine aufwändigen Kostüme oder Schauplätze, aber wie von indischen Filmen gewohnt intensiv gespielte Emotionen. Nur in Rückblenden tauchen die warmen Farben Indiens auf, ansonsten ist die Stimmung grau-in-grau (mit einem Unterwasser-Grünstich). Man sieht in einigen Szenen Staub und Monate alte Spinnweben, muffig-dunkle Zimmer, seit Tagen nicht gespültes Geschirr und sogar einen Abtritt.
Aishwarya Rai spielt die vom Leben enttäuschte Niru ohne aufwendiges Make-Up lebensecht-schöner als die puppenhafte Paro in 'Devdas' (sie gewann für ihre Niru den Zee Cine 'Critics Choice Award' 'Best Actress' 2005). Ajay Devgan spielt den arbeitslosen Manoj wie so oft zurückhaltend intensiv. Die beiden Protagonisten Niru und Manoj wiederum spielen sich gegenseitig ein erfolgreiches Leben vor: Niru, die durch ihre Heirat finanzielle Sicherheit erhalten wollte, erzählt sie sei glücklich mit einem reichen Mann verheiratet, der ständig auf Dienstreise ist. Manoj, der Niru hatte heiraten wollen und sie an diesen Mann mit gutem Einkommen verloren hatte, verwendet das Leben seines Schulfreundes für seine Vorspiegelungen und gibt vor ein erfolgreicher TV-Serien-Produzent mit Sekretärin zu sein, für den seine Mutter gerade eine Heirat arrangiert.
Gut sind auch die Nebendarsteller: der Vermieter (Annu Kapoor), dessen Fragen Manoj die Augen öffnen über Nirus Situation, Sheela (Mouli Ganguly), die mit ihren eigenen Problemen kämpfende Frau des erfolgreichen Freundes Alok (Sameer Dharmadhikari), sowie Manojs Mutter (Surekha Sikri).
Erst in der letzten Szene wird dem Zuschauer klar, dass die beiden Protagonisten sich gegenseitig Hilfe gegeben haben ohne ihre Vorspiegelungen zu beenden. Keiner hat den Mut gefunden mit Ehrlichkeit über sich selbst dem anderen Kraft und Hoffnung zu geben. Für diese Unehrlichkeit und Schwäche lieber Lügen weiterzuspinnen als mit Mut zur Wahrheit zu stehen gibt es von mir einen Stern Abzug. Zudem erscheint mir der Kontrast zwischen dem ordentlichen Wohnzimmer Nirus und dem Zustand der hinteren Räume unlogisch.
Trotz guter Regie, für einen herausragenden 5 Sterne Film fehlt 'Raincoat' einfach die Kombination von ungewöhnlichen Leistungen bei Humor ('Zamaana Deewana', DDLJ), Action ('Asoka', 'Main Hoon Na', 'Koyla'), Unterhaltungswert (K3G, KKHH), Anspruch ('Swades', 'Satta', 'Lajja', 'Salaam Bombay') und Kameraarbeit ('The Terrorist', 'Dil Se'). Selbst in der Gruppe der Vier-Sterne Filme gehört 'Raincoat' bei mir eher zu den Schlusslichtern hinter 'Raju Ban Gaya Gentleman'.
DVD: RapidEyeMovies, Lauflänge: 113 Min., Bildformat: 2.35:1 anamorph, Deutsch Dolby 5.1 und 2.0 , Hindi 2.0, Untertitel Deutsch, Sprache und UT per Fernbedienung schaltbar, Extras: 5 Kapitel, Trailer