Aus der Amazon.de-Redaktion
Inspirierend oder abtörnend? Majestätische Kosmos-Eroberung oder Rückzug in die Depression? Eines kann man sagen: Egal ist es nicht, was Barbara Lahr auf ihrer ersten komplett eigenen CD
Rainbow Line zusammenbastelt. Mit farbenreicher Stimme provoziert sie Reaktionen: Mal krächzelt sie, mal piept und haucht sie kindlich, dann wieder dieses sympathische Folk-Timbre. Der skurrile Höreindruck wird durch künstliche Effekte unterstützt -- da wird der Stimmklang kurz verfremdet, aufdringlich gedoppelt, oder durch Absenz von Hall nach vorne gebracht, wo er zwar präsent, aber zugleich kühl und distanziert wirkt. Ein bisschen Grufti, viel Drum'n'Bass, Rock-Feeling in den Themen, und trotz einfallsreicher und vielseitiger Begleitarrangements irgendwann einsilbig, langweilig -- jedenfalls dann, wenn man
Rainbow Line als reine Zuhörmusik probiert.
Als anspruchsvoller Background für coole Szenetreffen oder Kellerpartys ist Barbara Lahr mehr als prädestiniert. Wenn man dabei dann aus ihrem Lebenslauf rezitiert, wird es konkret abgefahren: Für ARD und Arte produzierte die Instrumentalistin und Sängerin Dokumentationen, arbeitete bei etlichen Produktionen von De-Phazz mit, machte Livemusik zu Kurzfilmen, präsentierte ein Soloprogramm mit Gitarre und Sampler, hat mit Chanson und Ballade zu tun, erhielt den deutschen Rock-Preis und den Studiopreis des WDR. Eine Art intellektuelle Pop-Avantgardistin, die leider bei Rainbow Line auf einem etwas lieblosen Teppich von tanzbarem elektronischem Groove verharrt und ihre zweifellos vorhandene Originalität damit ein Stück weit verspielt. --Katharina Lohmann
INTRO
Barbara Lahr war mal Rockmusikerin im Rhein/Neckar-Kreis. Das klingt so erstmal gar nicht gut, sondern nach evangelischen Kirchentagen, Straßenfesten und Wohltätigkeitsbasaren. Glücklicherweise ist hier vieles bis alles anders: Nach Stationen bei u.a. Guru Guru hat sich Lahr der elektronischen Produktion verschrieben, was eine ziemlich weise Entscheidung war. Der Weg führte sie aus Mannheimer Tristesse in die Pfalz über Heidelberg, wo sie Piet Baumgartner von De-Phazz kennenlernte, der auch ihr Solodebut "Lyrical Amusement" produzierte und dem sie vermutlich zum Dank einige Vocals und Songs zu seinen De-Phazz Alben beisteuerte. Sicher besser, als bspw. Lou Reed in der "Galerie in der Kaufmannsmühle" zu interpretieren. Fixpunkte des neuen Universums der Lahr sind neben TripHop und Electronic Listening aber immer noch Chanson und Blues, auch wenn diese sich in ihrer reinen Form nicht mehr zu erkennen geben. Es ist vielmehr die Geste, das Wissen um diese musikalischen Grundwerte. So würde vielleicht Kate Bush 2002 klingen, wenn sie nicht der Erdboden verschluckt hätte. Trotzdem fehlt mir persönlich hier irgendwie der Zugang, was an dem Selbstverständnis der Künstlerin liegen könnte, unbedingt einen eigenständigen Weg einschlagen zu wollen - Mystik um der Mystik willen. Oder nur an der Tatsache, dass mich Lahrs Intonation zu sehr an den allzu bedeutungsschwangeren Habitus einer Tori Amos erinnert.
Burkhard Welz / Intro - Musik & so
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