Meine ersten Erfahrungen mit Tom Waits hatte ich mit "The Black Rider", welches mir mal ein Kumpel in die Hand gedrückt hatte. Angesichts einiger wirklich schräger Klänge und krass klingenden Texten war ich zunächst sehr erschrocken, aber dank so genialen Titeln wie "The Briar and the Rose", "The right bullets" oder "Flash pan Hunter" gehört dieses Album mit zu meinen Lieblings-CDs dieses einmaligen Künstlers. Und mit der Zeit lernt man auch die teilweise wirklich durchgeknallten, recht psychopathisch anmutenden Songs zu schätzen. Nachdem ich nun fast alle Platten von Herrn Waits gehört habe, komme ich zudem Schluss, dass "The black Rider" nicht gerade ein Einstiegsalbum für Neulinge ist. Stattdessen empfehle ich lieber "Rain Dogs".
Denn dieses Album zeigt durchaus die Vielseitigkeit dieses Künstlers (der Objektivität schadend, muss ich leider zugeben, dass ich der Musik von Tom Waits absolut verfallen bin). Es beginnt schon mit dem wunderbar verrückten "Singapore", welches schwungvoll und mitreissend ist und über einen herrlich makaberen Text verfügt. Schwungvoll und einfallsreich geht es auch weiter mit Songs wie "Rain Dogs", "Big Black Mariah" oder "Cemetery Polka". Das Waits auch in der Lage ist, mitfühlende Balladen zu schreiben, beweist er hervorragend mit "Downtown Train", "Time" oder "Anywhere I lay my head", welche wirklich ins Herz gehen.
Im Gegensatz zu späteren Platten wie "Bone Machine" oder eben "The Black Rider" geben sich die Klänge von "Rain Dogs", ähnlich wie in der Popmusik, noch recht angenehm, sie gehen gut ins Ohr und verstören nicht. Gerade deshalb ist dieses Album Einsteigern sehr zu empfehlen. Jedoch ist Tom Waits seine Handschrift nicht zu verkennen. Da wären die kahlen Hintergrundklänge in dem ebenfalls recht durchgedrehten "Clap Hands"-Song oder die exotische Ouvertüre, die den Song "Rain Dogs" einleitet. Und nicht zu vergessen sind seine hervorragenden, wenn auch oftmals schwer zu deutenden Texte über die Verlierer und Entäuschten, aber auch über Hoffende und Liebende dieser Welt, Texte voller Emotionen, welche er mit seiner angeschlagenen, aber nichts desto trotz unglaublich kraftvollen Stimme das einzigartige Flair verleiht, das eben den Künstler Tom Waits ausmacht.
Ihr merkt schon, es wird langsam etwas polemisch bei mir, aber glaubt mir, Schuld daran ist nur meine Faszination für diese Musik.
Fazit: Meines Erachtens nach ist "Rain Dogs" nicht nur eines der besten Alben, sondern auch eine perfekte Scheibe für Neulinge, die sich mal versuchen wollen in der finsteren Welt von Tom Waits. Nicht so krass wie seine späteren Werke, trägt es doch unverkennbar seine Züge.