Ohne diese CD hätten viele Haushalte in Hagen-Helfe mittwochs nachmittags keinen Stadtanzeiger in ihrem Briefkasten gehabt. Die Platte war damals Dauergast in meinem Walkman. Im Nachhinein frage ich mich, wie viele Hausfrauen und Omis erschrocken sind aufgrund meines lauten Mitsingens der Texte - es dürften nicht wenige gewesen sein. Zunächst musste ich diese Platte hören, ohne mir Notizen dazu zu machen. Dies ging auch schlecht, da ich ständig versucht war, wie wild in der Wohnung herum zu hüpfen. Diese Urgewalt übertraf damals zum Teil sogar Nirvana. Hier wurde Pogen zum Volkssport und es wurde eine neue Musikrichtung kreiert: Crossover, ein Mix aus HipHop, Punk, Funk und Alternative Rock. Das Booklet weist explizit darauf hin, dass auf dieser Platte keine Sampler, Keyboards oder Synthesizer benutzt wurden. Einzig die vier Protagonisten Zack de la Rocha (Gesang), Timmy C. (Bass), Brad Wilk (Schlagzeug) und Tom Morello (Gitarre) sind für diesen Gewaltrock, wie ich es nennen möchte, verantwortlich. Sänger Zack de la Rocha hat sämtliche Texte geschrieben, die auch alle einen politischen Hintergrund haben. In ihm hat sich eine große Menge Wut angestaut, die er nun herausschreit. Im Eröffnungsstück "Bombtrack" gibt er den Besserverdienern und deren Ignoranz, aber auch dem Militär, die Schuld, dass es überall Armut gibt, wie die Textzeile "The thoughts of a militant mind / Hardline, hardline after hardline" zeigen. Der zweite Song "Killing in the name" stellte für die damalige Generation den Antikriegssong schlechthin dar: Eine klare Aussage gegen den Einzug von Leuten zum Militär. Das Ganze wird uns durch wenige Textzeilen, die ständig wiederholt werden, oder aber flüsternd beginnen und in einem gewaltigen Schreien enden, in den Kopf gezimmert. Ein grooviger Bass und angsteinflössendes Gitarrenklimpern leitet "Take the power back" ein, hier werden wir aufgefordert nicht alle Lügen der Regierung und vor allem der Lehrer zu glauben, und dass wir die Wahrheit gefälligst selbst herausfinden sollen. Fast balladenhaft wirkt dann "Settle for nothing", das von den Armenvierteln der Welt handelt, in denen es Kinder gibt, die nie in die Augen ihres Vaters geblickt haben und meist nur den Selbstmord als Ausweg aus diesen Verhältnissen wählen können. Von Straßengewalt, die auf Polizisten übergeht, berichtet dann "Bullet in the head". In "Known your enemy" werden die Waffen der Regierung wie folgt aufgezählt: "They're the teachers who taught me to fight me / Compromise, conformity, assimilation, submission, ignorance, hypocrisy, brutality, the elite / All of which are american dreams". Auch Schweigen und Stille können jemanden krank machen und eine Art von Gewalt darstellen, daher sollte man das Mikrophon, also "Fistful of steel" in die Hand nehmen und seine Wut herausschreien. In "Township rebellion" wird dann noch auf die Missstände in Südafrika hingewiesen. Auch beim Abschlusssong "Freedom" gibt die Band alles, wobei Sänger Zack de la Rocha auf die Verbrechen an seinen Vorfahren hinweist. Auf dieser Platte trifft eine musikalische Urgewalt auf eine textliche Urgewalt, mit deren Mix man sich auseinander setzen muss. Danach müsste man eigentlich den Sänger wie folgt zitieren: "And now you do what they told ya".