Als treuer Weezer Fan kann man nur noch den Kopf schütteln. Die erste Single "(If You're Wondering If I Want You To) I Want You To" hat ja schon angekündigt, dass Weezer sich im Jahre 2009 eher in Richtung Radio Pop bewegen, aber das dazugehörige Album schießt den Vogel nun komplett ab. Die Alben "Maladroit" und "Make Believe" waren bereits ein Härtetest dafür, wie viel die Fans dieser Band durchgehen lassen. Erst mit dem "Red Album" und besonders dessen Deluxe Edition konnten Weezer mal wieder so richtig punkten. Man hatte den Eindruck sie wären nun endlich wieder auf dem richtigen Weg. Hätte die Band auf "Raditude" nun lediglich die kleinen Fehltritte die auf dem roten Album noch vorhanden waren vermieden und wären sich sonst treu geblieben, hätten wir mit Sicherheit ein sehr gutes Album bekommen. Leider sollte es nicht so sein.
Im Vorfeld hatten sich schon einige Seltsamheiten angedeutet, als bekannt wurde, dass Songschreiber und Sänger Rivers Cuomo zusammen mit dem Produzenten von Kelly Clarkson und P!nk arbeiten würde. Noch merkwürdiger wurde es als man vernehmen musste, dass auch Rapper Lil Wayne auf dem Album zu hören sein würde. Naja. Abwarten und Selbsthören hieß die Devise. Leider klingt alles genauso schlimm wie angenommen. Das Album ist voll von überproduzierten, belanglosen und in den meisten Fällen sogar peinlichen Liedern. Die bereits erwähnte Single ist, zugegebenermaßen nicht unbedingt schlecht, aber der Text lässt schon erahnen in welche Richtung die Reise geht. Wie auch bei den restlichen Songs, klingt der Text als wäre er aus der Sicht eines 18-jährigen geschrieben. Rivers Cuomo ist allerdings inzwischen 40, was die Texte gezwungen und schlicht und ergreifend unwahr erscheinen lässt. Das Wort Midlife-Crisis wird einem beim Hören mit Sicherheit durch den Kopf gehen. Jedoch ist dieses Lied noch eines der Besseren. Richtig peinlich werden die nächsten beiden Stücke. "I'm Your Daddy" und "The Girl Got Hot" sind nicht nur unglaublich schlecht produziert, sondern leider auch zeimlich belanglos. "Can't Stop Partying" wird wohl für die meisten ein Stein des Anstoßes sein, ist jedoch nicht das größte Problem des Albums. Lil Wayne's Rap stört nicht wirklich und der Song ist an sich ok, wenn man nicht wüsste, dass die Demoversion auf Cuomo's Soloalbum "Alone II" um Längen besser war. Die Melancholie geht durch die programmierten Beats und Sounds irgendwie verloren. Schade. Zusammen mit den All American Rejects wurde das Lied "Put Me Back Together" geschrieben und klingt so, als würde genau diese Band versuchen so zu klingen wie Weezer. Dass Cuomos Stimmumfang für die hohen Stellen nicht (mehr) ganz ausreicht hilft natürlich auch nicht. Vor weiteren Peinlichkeiten wie "Love Is The Answer", "Let It All Hang Out" und "In The Mall" bleibt man nicht verschont. "Trippin' Down The Freeway" erinnert zum Glück an alte Zeiten und ist einer der wenigen Lichtblicke des Albums. Der letzte Song "I Don't Want To Let You Go" ist zwar nett, war aber genau wie "Can't Stop Partying" bereits auf "Alone II" in einer viel besseren Version veröffentlicht.
Zu dem Bonustrack "Turn Me Round" sollte gesagt sein, dass es sich hier tatsächlich um eine Demoaufnahme aus dem Jahre 2002 handelt. Der Song ist zwar auch nicht der Knaller, aber wenn es etwas umsonst oben drauf gibt sollte man sich nicht beschweren.
Leider retten die zusätzlichen Songs auf der zweiten Disc der Deluxe Edition dieses Album nicht in dem Maße, in dem es noch beim "Red Album" klappte. Die einzige Ausnahme ist "The Prettiest Girl In The Whole Wide World". Ein wirklich umwerfendes Lied. Ebenfalls auch schon bekannt von "Alone II", aber dieses Mal hervorragend umgesetzt.
FAZIT: 1/5. Ohne Zweifel das schlechteste Album, dass Weezer jemals gemacht haben. Der Soundtrack zu Cuomo's Midlife-Crisis. Weezer gab den Fans immer das Gefühl, dass es in Ordnung ist ein Außenseiter zu sein, zu trauern und zu träumen. "Raditude" hingegen scheint zu sagen: "Was ist mit dir los, du Stubenhocker? Geh' raus und mach' Party!" Und das funktioniert einfach nicht.