Ohne Vorspann geht's gleich mit der Lektion los, wie man einfach sagt, was Sache ist. Denn das sollten Praktikanten, Volontäre, freie Mitarbeiter und Einsteiger wissen, wenn sie der Aufforderung "Mach da mal 'ne Meldung draus!" mindestens so nachkommen wollen, dass ihre Karriere beim Radio nicht gleich wieder beendet ist. Doch um ihre Leser zu beruhigen, sagt ihnen Sandra Müller, dass wir alle ein bisschen Radio seien, es aber nur nicht merken. Denn jeden Tag würden wir Freunden formvollendete Nachrichten liefern.
Den zu erwartenden Einspruch der professionellen Nachrichtensprecher nimmt Sandra Müller vorweg, um danach die verlangte Form in wenigen Sätzen vorzustellen. Und ihr erster von vielen Tipps lautet: "Am besten vor dem ersten Arbeitstag aufmerksam den Sender hören, beim dem man arbeiten wird, und auf Besonderheiten achten." Diesem doch eher banalen Ratschlag folgt das erste Merkkästchen, in dem die sechs berühmten W-Fragen aufgelistet sind. Die siebte W-Frage "Woher wissen wir das?" kommt dann allerdings im Beispiel nicht vor. Ebenfalls im ersten Kapitel gibt Sabine Müller preis, wie eine Meldung aufgebaut sein muss, welcher Sprachstil am besten ist, wie ein Manuskript verfasst wird und was das Besondere an einer Agenturmeldung, Pressekonferenz, Nachrichtenminute, einem Wetterbericht oder Veranstaltungshinweis ist. Und all das auf zwanzig Seiten. Es geht also um Kompaktwissen und Antworten auf die wichtigsten Fragen eines Frischlings.
In ähnlicher Weise geht es in den weiteren Kapitel weiter, deren Inhalte sich wie folgt zusammenfassen lassen: Umfragen, eine Sendung schneiden, aus Text und Tönen einen Beitrag zusammenstellen, Grundausstattung guter Sprecher, spezielle Beitragsformen, Livesendungen und Moderation. Zu fast allen Inhalten finden die Leser zudem Übungsmaterial. Und am Schluss gibt's noch Literaturhinweise, Links und einen Index.
Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Chancen nach der Lektüre erhöhen, bei Aufnahmeprüfungen und Bewerbungsgesprächen zu reüssieren. Bei einigen Inhalten oder Übungen habe ich mich allerdings gefragt, wo die Leidenschaft der Autorin bleibt, von der auf ihrem Blog und im Buch die Rede ist. Oder wurde sie von den Medienschulen, an denen sie unterrichtet schon so sozialisiert und pädagogisch eingemittet, dass Emotionales unter didaktischem Schutt begraben liegt?
Mein Fazit: Für das angegebene Zielpublikum der Einsteiger, Praktikantinnen, Volontäre und freie Mitarbeiter ist die Lektüre der 140 Seiten bestimmt nützlich. Aufgrund meiner eigenen Tätigkeit als Berater von Radio- und Fernsehsendern weiß ich allerdings, dass Talent und Grundwissen nicht ausreichen, um sich in diesem rauen Business durchzusetzen. Außer Leidenschaft, Ehrgeiz und geschicktes Networking braucht es auch sehr viel Übung. Daher war ich erstaunt, dass die versprochenen Zusatzübungen im Netz nicht zeitgleich mit dem Erscheinen des Buches aufgeschaltet wurden.