Im tiefsten, urbayrischsten Dialektdschungel - genauer gesagt im fiktiven Bruck am Inn wird eine Leiche angespült. Es handelt sich um einen Geschäftsmann aus München, der einem ganz speziellen Gewerbe nachgegangen ist, nämlich der Zuhälterei. Höchst ungewöhnlich außerdem die Mordwaffe. Eine Pistole aus der Zeit des 2. Weltkriegs.
Die Grundlage dieses Hörspiels - der Kriminalfall - ist als solide zu bezeichnen. Nicht allzu aufregend, nicht sonderlich wendungsreich, einfach normale Ermittlungsarbeit, die schließlich zu einem Ziel führt. Diese an sich schon etwas unaufregende Basis wird für meinen Geschmack auch nicht wirklich aufgemotzt, sondern verliert sich im Gegenteil sogar noch in diversem Geplänkel privaten Bereichs. Willkommen in Bayerns Provinz. So wirklich zufrieden stellt mich das alles hier trotz eines durchaus hörbaren Ergebnisses nicht. Man erwartet sich halt doch etwas mehr als nur durchschnittliche Krimikost.
Den Titel finde ich nicht sonderlich geschickt gewählt. Mag zwar grundsätzlich nett klingen, verrät aber schon über die Hälfte der Hintergründe und Motive dieses Falls. Zumindest demjenigen, der im Krimi-Bereich bewandert ist. Dazu noch das Cover - da bleiben dann auch sämtliche Überraschungseffekte beim Hören aus.
Für mich, der selbst aus Süd-Bayern stammt, stellt der Dialekt zwar kein Verständnisproblem dar, aber der ein oder andere könnte schon so seine Schwierigkeiten damit haben, denn es gibt wirklich keine Rolle, die nicht in Dialektsprache spricht.
Davon abgesehen ist die Darbietung der Sprecher glaubwürdig und gelungen. Zu Anfang ist es zwar noch etwas schwierig den Überblick über Bekanntschaften und Kollegenstab zu behalten, aber das legt sich im Verlauf.
Viel Abwechslung gibt es bei der Musik nicht. Die zwei, drei gebotenen Stücke, in Wiederholung selbstverständlich, kann man als zweckdienlich bezeichnen.
Die Geräuschkulisse ist für meine Begriffe nicht völlig gelungen. Statt das Geschehen stets zu unterstützen, sorgt man mit den eingesetzten Soundeffekten eher mal für Verwirrung. Beispielhaft erwähnt seien die arg seltsam klingenden Martinshorngeräusche am Tatort.
Fazit: Solider Fall, der aber etwas gezogen inszeniert ist. Somit stellt auch dieser Radio Tatort nichts wirklich außergewöhnliches dar, dass man kennen müsste. Zumal durch den Dialekt eine gewisse abschreckende Verständnisbarriere für die Bewohner jenseits der nördlichen Weißwurstgrenze vorhanden sein dürfte.