So allmählich hinkt der Vergleich zwischen den Rolling Stones und BAP nicht mehr. Zumindest wenn man die unterschiedlichen Dimensionen berücksichtigt, nach denen die Stones eine internationale und BAP eine nationale Band sind, woran sich auch niemals etwas ändern wird. Was vielleicht auch gut so ist. Denn es ist gerade das Lokalkolorit, das für mich das Besondere und die Faszination von Wolfgang Niedecken und BAP ausmachen. Niedecken stilisiert seine Interpretation der "Köll'schen" Lebensart - um es auf diesen einfachen Nenner zu bringen - zu einer Art persönlichen Philosophie vom "Levve un levve lasse", gewürzt mit einer Prise Sozialkritik und Sehnsucht nach Unabhängigkeit vom konventionellen Leben, dem man doch nie so ganz entfliehen kann. Diese Mischung bewegt sich zwar mitunter haarscharf an der Grenze zum Klischeehaften, die Niedecken dann aber doch nie so wirklich überschreitet. Ich habe mich besonders auf das Unplugged-Album gefreut, denn Niedecken und BAP sind für mich dann am authentischsten und am stärksten, wenn sie leise Töne anschlagen und ihre typischen Alltagsminiaturen skizzieren, von denen, die auf der Schattenseite unserer Gesellschaft leben, den Benachteiligten, den Verlierern der Wohlstandsgesellschaft. Niedecken gelingt es, in seinen Songs diesen Menschen und ihrem Schicksal eine gewisse Würde zu geben und ihre Sehnsüchte nachvollziehbar zu machen, ja vielleicht uns selbst darin wiedererkennen zu lassen. Das sind dann die Momente, die mich am meisten berühren, und in denen ich mich dann in irgendeiner Köll'schen Kneipe sehe, all die verlorenen Seelen um mich herum, tanzend, lachend, das Leben genießend, und ich proste ihnen zu und denke, irgendwie kann vielleicht doch alles gut werden. Zumindest, so lange die CD von BAP läuft. Niedecken hat die seltene Gabe, mit Musik Bilder vom Leben zu malen, und genau das zeichnet eine große Band aus. Und weil BAP eben diese Gabe seit Jahrzehnten konstant unter Beweis stellen, braucht Niedecken die Stones nicht mehr als seine Vorbilder zu betrachten. Er ist auf Augenhöhe.