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Radikale Nationalistinnen: Agitation und Programmatik rechter Frauen in der Weimarer Republik (Geschichte und Geschlechter)
 
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Radikale Nationalistinnen: Agitation und Programmatik rechter Frauen in der Weimarer Republik (Geschichte und Geschlechter) [Broschiert]

Christiane Streubel

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der radikale Nationalismus begeisterte in der Weimarer Republik Millionen von Menschen. Die Schriften männlicher Ideologen dieser Richtung wurden zu Bestsellern der Epoche. Christiane Streubel zeigt, dass nach 1918 auch weibliche Publizisten auf den Plan traten, um die Ziele des radikalen Nationalismus zu propagieren. In ihrem Streben nach Macht für die »Besten beider Geschlechter« erwiesen sie sich als Feministinnen des rechten Spektrums. Christiane Streubel erklärt die Faszination dieser Frauen für die deutschnationale Ideologie und schildert zugleich ihr Ringen darum, in der politischen Welt überhaupt gehört zu werden.

Über den Autor

Christiane Streubel, Dr. phil., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterstudien der Universität Greifswald.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Es besteht kein Dissens darüber, dass der Nationalismus und seine spezifischen Semantiken die Menschen zwischen den beiden Weltkriegen in beispielloser Weise mobilisierten. George L. Mosse hat diesen Prozess bereits 1975 in die prägnante Formulierung der Nationalization of the Masses gefasst. Im Zentrum des Forschungsinteresses stand und steht die Frage, warum sich in Deutschland gerade der radikale Nationalismus als Antwort auf die Probleme der zwanziger und dreißiger Jahre durchsetzen konnte. Eine These lautet, dass sich auch der Aufstieg des Nationalsozialismus überzeugend erklären lässt, wenn man von der Existenz einer nationalistischen Massenbewegung ausgeht und diese in ihrer Entwicklung analysiert. Studien der Allgemeinen Geschichte schenken dem radikalnationalistischen Ideensystem seit langem besondere Aufmerksamkeit. Nur wenig beachtet wurde dabei bislang die Tatsache, dass die nationalistischen Organisationen nicht nur männliche Aktivisten in ihren Reihen hatten. In den Jahren um 1918 trat eine neue Gruppe politischer Publizistinnen auf den Plan, um in der "Zeit der Ideologien" (Karl Dietrich Bracher) gleichfalls Stellung zu beziehen. Die Autorisation, an politischen Diskursen teilzunehmen, wurde Frauen auch in rechten Strömungen in begrenztem Ausmaß bereits vor dem Ersten Weltkrieg erteilt. Das Frauenwahlrecht von 1918 bedeutete dann, so eine These dieser Arbeit, eine beinahe unhintergehbare Legitimation für die politische Aktivität von Frauen und für ihr Mitwirken bei der Produktion von Deutungsangeboten. Neuere Forschungsergebnisse belegen, dass die großen Parteien der Weimarer Republik die Mobilisierung der neuen Wählerinnen als Frauenaufgabe ansahen und vorrangig den weiblichen Funktionären übertrugen. Auch im Reichsfrauenausschuss der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), der die Parteiarbeit der weiblichen Mitglieder organisierte, nahmen daher Werbemaßnahmen einen zentralen Stellenwert ein. In der Republik entstanden eine Vielzahl neuer politischer Organe, die sich unmittelbar an Frauen richteten. Auf der Rechten waren das unter anderem die parteioffiziellen Periodika Frauenkorrespondenz der DNVP und die Zeitschrift Die Deutschnationale Frau. Eine weitere Zeitschrift, die aufwändig gestaltete illustrierte Zweiwochenschrift Die Deutsche Frau, gab sich in der Außendarstellung parteiunabhängig, ist tatsächlich jedoch dem rechten Flügel der DNVP zuzuordnen. Die Redaktion dieser Organe übernahmen deutschnationale Aktivistinnen, die den Wählerinnen und weiblichen Mitgliedern die Politik der Partei plausibel machen und den Platz der rechtsstehenden Frauen in der Gesellschaft erläutern wollten. Die Publizistinnen beteiligten sich fortan an den Formierungen und Formulierungen des radikalen Nationalismus und des antidemokratischen Denkens in der Weimarer Republik. Dieses Phänomen soll fokussiert auf eine Organisation und die Verlautbarungen ihrer führenden Protagonistinnen nachvollzogen werden. Im Zentrum dieser Studie steht der Ring Nationaler Frauen (RNF), der 1920 als neuer Dachverband für nationalistische Frauenorganisationen gegründet wurde. Sein Ziel war es, gegenüber dem Ausland "deutsche" Interessen forciert zu vertreten und im Innern bei der Schaffung der Volksgemeinschaft mitzuwirken. Diese neue "nationale Frauenbewegung" sollte darüber hinaus für Frauen der politischen Rechten eine Alternative zur Mitgliedschaft im Bund Deutscher Frauenvereine (BDF) bieten. Die Haltung dieses einflussreichen Dachverbandes der bürgerlichen Frauenbewegung wurde von RNF-Vertreterinnen als "nicht-national" angeprangert.

Auszug aus Radikale Nationalistinnen von Christiane Streubel. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Es besteht kein Dissens darüber, dass der Nationalismus und seine
spezifischen Semantiken die Menschen zwischen den beiden Weltkriegen in
beispielloser Weise mobilisierten. George L. Mosse hat diesen Prozess
bereits 1975 in die prägnante Formulierung der Nationalization of the
Masses gefasst. Im Zentrum des Forschungsinteresses stand und steht die
Frage, warum sich in Deutschland gerade der radikale Nationalismus als
Antwort auf die Probleme der zwanziger und dreißiger Jahre durchsetzen
konnte. Eine These lautet, dass sich auch der Aufstieg des
Nationalsozialismus überzeugend erklären lässt, wenn man von der Existenz
einer nationalistischen Massenbewegung ausgeht und diese in ihrer
Entwicklung analysiert. Studien der Allgemeinen Geschichte schenken dem
radikalnationalistischen Ideensystem seit langem besondere Aufmerksamkeit.
Nur wenig beachtet wurde dabei bislang die Tatsache, dass die
nationalistischen Organisationen nicht nur männliche Aktivisten in ihren
Reihen hatten. In den Jahren um 1918 trat eine neue Gruppe politischer
Publizistinnen auf den Plan, um in der "Zeit der Ideologien" (Karl Dietrich
Bracher) gleichfalls Stellung zu beziehen. Die Autorisation, an
politischen Diskursen teilzunehmen, wurde Frauen auch in rechten Strömungen
in begrenztem Ausmaß bereits vor dem Ersten Weltkrieg erteilt. Das
Frauenwahlrecht von 1918 bedeutete dann, so eine These dieser Arbeit, eine
beinahe unhintergehbare Legitimation für die politische Aktivität von
Frauen und für ihr Mitwirken bei der Produktion von Deutungsangeboten.
Neuere Forschungsergebnisse belegen, dass die großen Parteien der Weimarer
Republik die Mobilisierung der neuen Wählerinnen als Frauenaufgabe ansahen
und vorrangig den weiblichen Funktionären übertrugen. Auch im
Reichsfrauenausschuss der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), der die
Parteiarbeit der weiblichen Mitglieder organisierte, nahmen daher
Werbemaßnahmen einen zentralen Stellenwert ein. In der Republik entstanden
eine Vielzahl neuer politischer Organe, die sich unmittelbar an Frauen
richteten. Auf der Rechten waren das unter anderem die parteioffiziellen
Periodika Frauenkorrespondenz der DNVP und die Zeitschrift Die
Deutschnationale Frau. Eine weitere Zeitschrift, die aufwändig gestaltete
illustrierte Zweiwochenschrift Die Deutsche Frau, gab sich in der
Außendarstellung parteiunabhängig, ist tatsächlich jedoch dem rechten
Flügel der DNVP zuzuordnen. Die Redaktion dieser Organe übernahmen
deutschnationale Aktivistinnen, die den Wählerinnen und weiblichen
Mitgliedern die Politik der Partei plausibel machen und den Platz der
rechtsstehenden Frauen in der Gesellschaft erläutern wollten.
Die Publizistinnen beteiligten sich fortan an den Formierungen und
Formulierungen des radikalen Nationalismus und des antidemokratischen
Denkens in der Weimarer Republik. Dieses Phänomen soll fokussiert auf eine
Organisation und die Verlautbarungen ihrer führenden Protagonistinnen
nachvollzogen werden. Im Zentrum dieser Studie steht der Ring Nationaler
Frauen (RNF), der 1920 als neuer Dachverband für nationalistische
Frauenorganisationen gegründet wurde. Sein Ziel war es, gegenüber dem
Ausland "deutsche" Interessen forciert zu vertreten und im Innern bei der
Schaffung der Volksgemeinschaft mitzuwirken. Diese neue "nationale
Frauenbewegung" sollte darüber hinaus für Frauen der politischen Rechten
eine Alternative zur Mitgliedschaft im Bund Deutscher Frauenvereine (BDF)
bieten. Die Haltung dieses einflussreichen Dachverbandes der bürgerlichen
Frauenbewegung wurde von RNF-Vertreterinnen als "nicht-national"
angeprangert.
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