Bill Jensen will seinen Lesern dabei helfen, mehr zu erreichen, dabei aber weniger zu tun. Im Grundsatz kein neuer Gedanke, sondern durchaus bereits heute Teil jeder Zeit- oder Selbstmanagement-Technik. Neu hingegen ist die Radikalität seiner Maßnahmen. Anstatt seinen Lesern weitere Tipps zu geben, wie sie am besten Herr der eingehenden E-Mail-Flut werden, fordert er dazu auf, 75% der eingehenden Nachrichten zu löschen, da diese sowieso nur überflüssig sind.
Abwerfen überflüssigen Ballasts, sich mehr auf die 1440 Minuten des Tages zu konzentrieren, mit der Zeit seiner Kollegen und Mitarbeiter sorgsam umzugehen - diese Gedanken stehen im Zentrum seines Buches. Er selbst geht mit guten Beispiel voran, da sich sein Buch auf zweifache Art lesen lässt. Im Schnelldurchgang unter Nutzung eines "Rezeptblockes" oder ausführlich Seite für Seite.
Vieles von dem, was Jensen schreibt, wird jedem Leser bekannt vorkommen, der sich bereits einmal mit Arbeitsmethodik beschäftigt hat. Jensen stellt jedoch in das Zentrum seines Buches nicht das Unternehmen und seine Abläufe, sondern die individuelle Entscheidungsfreiheit eines jeden Mitarbeiters, die gemachten Ratschläge umzusetzen, um bei weniger Aufwand mehr zu erreichen.
Hier liegt aber genau der Schwachpunkt des Buches. Zwar wird jeder Maßnahme vorangestellt, wie viel Mut der Einzelne benötigt, um den Ratschlag zu befolgen, zugleich sind die Ideen aber ohne strafende Konsequenz durch Vorgesetzte, nur für leitende Angestellte oder Selbstständige umzusetzen. Das Buch ist geprägt von grenzenlosen amerikanischen Optimismus: So gibt Jensen Hinweise darauf, wann es am besten ist, ein Unternehmen zu verlassen, wenn sich in diesem seine Tipps nicht umsetzen lassen. Angesichts der herrschenden Konjunktur in Deutschland und der Verunsicherung am Arbeitsmarkt ein wenig deplatziert wirkend.
Fazit: Jensens Buch ist kurzweilige Lektüre mit einigen radikalen Gesichtspunkten. Arbeitsmethodikern werden nichts Unbekanntes erfahren. Bei der Umsetzung seiner Tipps ist Vorsicht geboten.