Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Radek
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Radek [Gebundene Ausgabe]

Stefan Heym
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe --  
Taschenbuch EUR 10,00  
Unbekannter Einband --  

Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen


Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 568 Seiten
  • Verlag: Bertelsmann (1995)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570003159
  • ISBN-13: 978-3570003152
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,4 x 5,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 710.530 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Stefan Heym
Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Besuchen Sie die Seite von Stefan Heym auf Amazon

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Mit erotischen Gesten garniert

Stefan Heyms Roman «Radek»

Karl Radek ist eine der schillerndsten Figuren der sowjetischen Geschichte in den Jahren zwischen der Oktoberrevolution und den Stalinschen Säuberungen in der zweiten Hälfte der dreissiger Jahre. Er gehörte zu der berühmt-berüchtigten Reisegesellschaft, die 1917 von der Schweiz aus im plombierten Zug quer durch Deutschland Richtung Russland fuhr, um dort den Umsturz herbeizuführen, er verhandelte an der Seite Trotzkis in Brest-Litowsk mit den Deutschen über den Waffenstillstand; er versuchte dann – zweimal vergeblich – in Deutschland die Revolution zu inszenieren, büsste für den Fehlschlag von 1923 mit dem Ausschluss aus dem Zentralkomitee der KPdSU, wurde 1927 wegen seiner Sympathien für Trotzki gar aus der Partei selber ausgeschlossen, war eine Zeitlang in hinteruralischer Verbannung, durfte dann wieder nach Moskau zurückkehren, bei der «Iswestija» mitarbeiten und fiel dann bei Stalin endgültig in Ungnade.

In einem finsteren Schauprozess des Jahres 1937 gegen insgesamt 17 Angeklagte (der mit 13 Todesurteilen endete und von dem Lion Feuchtwanger in seinem «Reisebericht für meine Freunde» ein makaber stalingläubiges Zeugnis ablegte) kam Radek mit 10 Jahren Haft davon, dürfte aber im Jahr 1939 liquidiert worden sein. Näheres ist darüber bisher nicht bekannt.

Lange Verfemung

Als typisches Opfer des Stalinschen Terrors war Radek in der DDR wie in den anderen Ländern des Ostblocks ein halbes Jahrhundert lang nach seinem Tod eine «Unperson». Erst 1988 wurde er in der Sowjetunion unter Gorbatschew rehabilitiert. Die lange Verfemung wie das Schwanken seines Bildes in der Geschichte machte ihn zum nahezu idealen Gegenstand für einen Autor wie Stefan Heym, der sich von gemischten Charakteren, halb Täter, halb Opfer, angezogen fühlte.

Darüber hinaus sieht Heym in Radek offenbar eine hochsymbolische Figur, an der sich das Scheitern des Sozialismus von Moskauer Prägung zeigen lässt. Angeblich hat der Autor lange recherchiert (wenn auch offenbar und leider nicht in den Moskauer Archiven), und wenn er das Buch nun fünfeinhalb Jahre nach dem Ende des «real existierenden Sozialismus» auf deutschem Boden vorlegt, dann beabsichtigt er offenbar auch, die Diskussion über den «Sozialismus mit menschlichem Antlitz» neu zu entfachten.

Das Genre, das ihm zum Vehikel dient, ist das des historischen Romans, das ja ein Lieblingskind des vorigen Jahrhunderts war und das er in seinem langen Leben immer wieder bedient hat, ging es nun um Jahrtausende entfernte Vergangenheit wie im «König David Bericht», um Vorgänge, die ein paar hundert Jahre zurücklagen wie bei Defoe («Die Schmähschrift») oder um Prozesse der jüngeren Vergangenheit («Schwarzenberg», «Fünf Tage im Juni»).

Der historische Roman ist wie seine Verwandte, die «Biographie romancée», ein Zwitter. Er transportiert wie die Historiographie im engeren Sinne geschichtliche Wirklichkeit, mengt sie aber fortwährend mit der Subjektivität des heutigen Autors. Überall, wo Dokumente nicht vorliegen oder nur mühsam zu beschaffen wären, springt die Phantasie (um nicht zu sagen: die belletristische Willkür) des Romanciers ein und schafft ein Mixtum compositum, in dem Unterrichtung und Irreführung der Leser oft ununterscheidbar miteinander verquickt sind.

Dies kennzeichnet auch Heyms «Radek», und es dürfte die Orientierungsschwierigkeiten selbst des halbwegs kundigen Publikums noch verschärfen, dass in Radeks Lebenslauf mitunter die phantastischsten und geradezu «fabelhaft» anmutenden Details der Wirklichkeit entsprechen.

So ist es völlig korrekt, wenn Heym die Berliner Haft Radeks nach der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts als fideles Gefängnis beschreibt, als eine Art Salon, in dem er als der Exponent der russischen Revolution mit deutschen Granden debattierte, wie beispielsweise mit dem Grossindustriellen Rathenau, der während des Ersten Weltkriegs die deutsche Rohstoffwirtschaft leitete und 1922 als Aussenminister mit den Sowjets den Vertrag von Rapallo schloss. (Es gehört zu den makabren und von Heym nicht erwähnten Einzelheiten in Rathenaus Lebenslauf, dass ihm seine Mörder nachsagten, er sei nicht nur ein Anhänger des «schleichenden Bolschewismus», sondern habe sogar seine Schwester an Radek verheiratet.)

Richtig ist auch, dass Radek damals von der jungen Kommunistin Ruth Fischer besucht wurde, und es ist aufschlussreich zu studieren, wie sie als Augenzeugin das Schmuggeln eines Kassibers schildert und wie der Nachempfinder Heym. Ruth Fischer schreibt: «Bei der geringen Aufsicht, die die Besucher Radeks bei der Gefängnisverwaltung zu ertragen hatten, war es mir ein leichtes, den Brief zusammengerollt in meinem Ärmel aus dem Gefängnis herauszubringen.»

Phallische Symbole

Heym schildert die Szene so: «Dann trat er dicht vor sie hin, nahm ihre Hand und schloss ihre Finger, einen nach dem anderen, um das Papierröllchen. ‹Wenn ich Sie recht schön bäte . . .? Man wird Ihren verlockenden Leib doch nicht visitieren . . .?› Sie schüttelte den Kopf, ihre dunklen Locken tanzten. Dann öffnete sie die Bluse. Radek spürte, wie ihm die Zunge trocken wurde. ‹Die Partei wird es Ihnen danken›, sagte er heiser.» Die Szene wird, charakteristisch für Heyms epische Technik, sexuell aufgeladen, mit phallischen Symbolen ausgestattet und mit erotischen Gesten garniert. Ruth Fischer hatte damals kurzes, glattes Haar, da konnten schwerlich «dunkle Locken tanzen».

Das Vertrauen, das Heym mit Schilderungen schafft, die der Überprüfung standhalten, setzt er freilich aufs Spiel in Passagen, die er mit derselben Sicherheit erzählt, obwohl er keinerlei Dokumente zur Hand hat, geschweige denn Beweise. Man denke nur an die zahlreichen Dialoge mit Stalin, die ja für viele Betroffene schicksalhaft waren, ein Wort konnte über Leben oder Tod entscheiden. Mutmassung, wo sie als solche nicht gekennzeichnet ist, geht da leicht in Anmassung über. Nicht umsonst hat Heym doch im «König David Bericht» gezeigt, wie fraglich die anscheinend unumstösslichen geschichtlichen Tatsachen sind!

So viel verifizierbares Material Heym auf diesen fast 600 Seiten zusammengetragen hat, er hat sich reichlich spät auf die Tugend des Nichtwissens besonnen und erst ganz zum Schluss statt der gewohnten Apodiktik einen Fächer von Möglichkeiten gezeigt – nämlich im letzten Absatz des Buches: «Keiner weiss, wer ihn ermordet hat, und wann, und in welchem Lager, und in wessen Auftrag. Nur ich, der ich ihn besser kennengelernt habe als die meisten, kann berichten, dass er im Moment seines Todes die Stimme seiner Mutter hörte. ‹Lolek, Lieber›, rief sie, ‹komm zu mir. Bei mir bist du geborgen.› Oder es war die Stimme Larissas gewesen. Oder auch die seiner Frau Rosa. Und er ging zu ihr.» Dieser eindrucksvolle Passus, der die Kolportage hinter sich lässt, hätte ein plausibles Modell für die Lebensgeschichte des Karl Radek sein können.

Karl Corino

Kurzbeschreibung

In den Mittelpunkt seines Romans stellt Stefan Heym die schillernde, widersprüchliche Gestalt des in Polen geborenen jüdischen Kommunisten Karl Bernhardowitsch Radek. Als leidenschaftlicher Revolutionär, glänzender Journalist und charismatischer Politiker zählte Radek zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Dritten Internationale. 1937 wurde er in der Sowjetunion Opfer des stalinistischen Terrors, nachdem er, der Vertreter eines freiheitlichen Sozialismus, in Konflikt mit dem offiziellen kommunistischen Regime geraten war.

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden

 (Was ist das?)
Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
 

 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Sterne
0
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Entlang der Lebensgeschichte Karl Radeks, der schon in jungen Jahren zum Revolutionär und Agitator wurde, erzählt Stefan Heym von den Erfolgen und Niederlagen der revolutionären Arbeiterbewegung, vom Imperialismus in seiner übelsten Form, vom Opportunismus der SPD und von der menschenverachtenden Politik Stalins und dessen Gefolgsleuten.Der Intellektuelle Radek scheitert trotz seines überaus taktischen Verhaltens, trotz seiner rethorischen Raffinesse, seiner Entschlossenheit und seiner Stärke an der rohen Gewalt des stalinistischen Systems.

Wollte man in den 70iger und 80iger Jahren des 20. Jahrhunderts etwas über die Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung erfahren, war man angewiesen auf tendenziöses Material, meist aus dem Umkreis der SED oder der KPDSU. Sehr selten erfuhr man etwas über die wirklichen Ursachen der gescheiterten Revolution von 1918 in Deutschland oder die Gründe für die oft sektirerische Politik der KPD in der Weimarer Zeit. Die Politik Stalins lag weitgehend im Dunkeln.
Heym schreibt mit diesem historischen Roman Geschichte neu, indem er den Leser an den kritischen Fragestellungen und Diskussionen teilhaben läßt. Überrascht erleben wir, wie oberflächlich offenbar Entscheidungen von größter Tragweite getroffen wurden und wie Chancen gerade auch in Deutschland verpasst wurden. Heym schildert die großen Persönlichkeiten der Linken mit all ihren Defizieten. Obwohl der Leser weiß, dass manches erfunden ist,klingt das Beschriebene glaubhaft, auch die fiktiven Dialoge zwischen Radek einerseits und Lenin bzw. Stalin andererseits. Aus der Distanz heraus kann man heute nur den Kopf schütteln über soviel Unvernunft, Rechthaberei, hohles Pathos und irrwitzige politische Verrenkungen der Protagonisten.
Heym gelingt ein dichter, sehr gut lesbarer Roman, der jedem politisch interessierten Leser empfohlen sei. Der geneigte Leser erhält Material, um auch den eigenen politischen Standort zu vermessen.
Zudem ein Gegenmittel gegen krankhaft übersteigerte Glückserwartung, die manche Menschen bezogen auf utopische politische Systeme antizipieren.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Heyms bester Roman! 14. Juli 2002
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
"Radek" ist, nachdem ich bereits einige andere Werke von Heym gelesen habe, für mich der beste Roman! Besonders zu empfehlen für all diejenigen, die sich außerdem für die Ereignisse ab der Oktoberrevolution bis zum Stalinismus interessieren. Die führende Riege der russischen bzw. dann sowjetischen Politik wird aus nächster Nähe beleuchtet, wobei die Figur Radek wohl etwas zu positiv dargestellt wird. Trotzdem erhält man einen sehr guten Einblick in die Mechanismen des Stalinismus und lernt die näher kennen, die bei den entscheidenden Ereignissen dabei waren. Heym macht deutlich, wie selbst die intellektuellsten Köpfe gegenüber dem rohen Machtmenschen Stalin scheitern (und es oftmals nicht einmal bemerken).
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Von Azador
Format:Gebundene Ausgabe
Die Figur des Karl Radek, wohl eine der schillerndsten Persönlichkeiten der russischen Revolution und eher ein Mann des Wortes denn der Tat, nimmt den Leser mit auf eine faszinierende Zeitreise vom Beginn des ersten Weltkrieges über seine Emigration in die Schweiz und die berühmte Fahrt der Revolutionäre im verplombten deutschen Eisenbahnwaggon nach Russland. Sein Wirken erst in Schweden, dann in Russland als Publizist, Unterhändler der Russen bei den Friedensverhandlungen mit Deutschland, Vertrauter Lenins und Trotzkis sowie beinahe-Revolutionsführer beim Hamburger Aufstand wird von Heym dabei genausowenig unterschlagen wie die Säuberungen der Stalinära, der Radek, und mit ihm Millionen, schliesslich zum Opfer fällt. Dabei formt Heym "seinen" Radek als kommunistischen Überzeugungstäter, der aber durchaus menschliche Schwächen besitzt, indem er, obschon verheiratet, ein Verhältnis mit einer Revolutionärin beginnt sowie sich zum Schluss gezwungen sieht, seine Überzeugungen und Mitstreiter Stalins Terror auszuliefern. Insgesamt ein sehr überzeugendes Werk mit (was ich bei dem Thema nicht erwartet hatte) viel Witz.
War diese Rezension für Sie hilfreich?

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:






Das bedeutet, jeder Titel/Artikel muss zu Sachgebiet 1 UND zu Sachgebiet 2 UND... gehören.

Ihr Kommentar