Ich besorgte mir die Scheibe ungefähr vor einem Jahr als ich noch dachte Drum'n'bass wäre bumm-tschack mit bumm-cha & irgendwas wummerndes darunter / dazwischen, als würde regelmäßig eine Subwoofergondel unter einer zerhackstückten Melodiebrücke fahren. Aber nun, und diese CD ist mit daran schuld, weiß ich, Drum n bass ist viel mehr, und zwar die tanzbarste Chance aus einem engen Taktkorsett das maximalste an Luft herauszuholen, egal wie eng die 'Headz' es zuschnüren. High Contrast, eigentlich Lincoln Barrett distanziert sich mit seinen Mitmusikern und Sängern vom starren Haudrauf-alte-Schule-DnB den viele seiner Kollegen in 2004 (nicht zuletzt Kollege Roni Size der zu der Zeit auch sein bis dato schwächstes Album Return to V ablieferte) wie Hochleistungssprinter mit verbundenen Augen gegen eine Ziegelsteinwand, ablieferten, unwissend was man alles mit Keyboards, Synthies, Computern und diversen Programmen in Verbindung mit menschlichen Stimmen anstellen kann. Schon 'Lovesick' kündigt an was die Spezialität vom Waliser ist, herumhampelnde Melodeispielerein die aber nie vom eigentlichen Songkonstrukt ablenken sondern es eher wie ein dekoratives Netz umgarnen und den Blick auf das Innenleben frei lassen, ein nicht zu plakativer Gesang und schließlich die große Tanzflächenhymne im Anschlag (Racing green!!!).
Und dann immer wieder zum durchatmen, zum fühlen, was ganz wichtig und auch besonders an dieser CD ist, das hier ist kein Postulat um komplett auf menschliche Spielweisen zu verzichten, nein, High Contrast zitiert viel mehr, erinnert an alte und neue Soulhelden, Orchester, Trompeten, Streicher und will uns erinnern dass das eine ohne das andere nie geht, vereint dadurch eher beide Welten als sie zu entzweien und möchte mit allen Freunden (nicht nur) elektronischer Tanzmusik Ringelreihe auf der Wiese tanzen. Vielleicht eine der besten Drum n bass CDs aller Zeiten, aber auf jeden Fall die "humanistischste" seines Genres. Was hier an irrwitzigen Ideen und Arrangements zustande gebracht wird grenzt schon an die vertonte Quelle der Ideen, so abwechslungsreich, melodiös ohne zu nerven und verdammt nochmal zum tanzen zu bringen setzt der Mann Snareschlag an Kick an Bass an Lyrik und Gesang dass es eine Freude ist jeden kleinen versteckten Soundkrümel im Dickicht seiner Lieder zu finden die jeden anders machen und die stehts durch den roten Faden der Plastizität zusammengehalten werden. Festhalten ohne zu erdrücken, tanzen ohne anzurempeln, sich gehen lassen und Haltung bewahren. Mission accomplished.