Das dritte Klavierkonzert von Rachmaninov hat spätestens seit dem Film "Shine" einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht und wird mittlerweile sowohl im Konzert als auch bei Wettbewerben regelmäßig gespielt. Es stellt zweifellos eines der anspruchsvollsten Werke für Klavier und Orchester dar, auch wenn ich die vielfach geäußerte Einschätzung, es handele sich um das absolut schwierigste Klavierkonzert, nicht ganz teilen kann; dies würde Werke wie die Konzerte von Henselt, Busoni oder auch das zweite von Brahms außen vor lassen. Dennoch ist es nur so gespickt mit technischen Herausforderungen, stellt den Pianisten aufgrund des mehrstimmigen und komplexen Klaviersatzes aber auch vor erhebliche musikalische Schwierigkeiten.
Die vorliegende Aufnahme mit Martha Argerich genießt seit ihrer Aufzeichnung Kultstatus unter den Klavierfans und war bis ins Jahre 1996 nicht kommerziell erhältlich. Tatsächlich ist die Begegnung der argentinischen Pianisten-Legende mit diesem Konzert denkwürdig - wieder einmal muß man konstatieren, daß weder vorher noch nachher irgend jemand dieses Werk so gespielt hat wie sie. Das beginnt schon mit dem Tempo; insbesondere im dritten Satz, aber auch in Passagen des ersten (man höre sich einmal die Kadenz an!) stürmt die Argerich mit der ihr eigenen, unnachahmlichen Explosivität voran. Man hat während der Ecksätze den Eindruck, in dem Auge eines musikalischen Feuersturms zu stehen, dessen Flammen die Noten mit blitzartigem Aufflackern verschlingen. Die spontane, eruptive Spielweise der Pianistin übt eine nahezu unwiderstehliche Sogwirkung auf den Zuhörer aus, der sich - auch wenn er das Konzert schon oft mit anderen Interpreten gehört hat - ihrer Faszination nicht entziehen kann. Nicht nur die spektakuläre Bewältigung schwierigster Passagen, sondern auch die dynamischen und agogischen Einfälle der Argerich fesseln. Mitunter wird bemängelt, sie spiele zu überhastet und nehme dem Werk damit an Dramatik; sicher mag es durchdachtere, harmonischer aufgebaute Versionen geben, so etwa von Ashkenazy oder Volodos. Aber gerade die Unberechenbarkeit und Impulsivität des argerichschen Musizierens macht ihren unverwechselbaren Reiz aus - und diese Aufnahme unersetzlich. - Dem Orchester gelingt es sehr gut, reaktionsschnell auf die Einfälle der Solistin zu reagieren; vor allem im zweiten Satz entspinnt sich ein wunderbares Wechselspiel zwischen den beiden.
Diese Konzertaufnahme existiert mittlerweile in drei Versionen: neben der vorliegenden noch in der Kopplung mit dem 1. Tschaikowsky-Klavierkonzert, außerdem in der Reihe "Great Pianists of the 20th Century". Die hier besprochene Ausgabe klingt aufgrund des neu gemasterten Digitalklanges weicher als die zuweilen harsch wirkende Erstausgabe. Zudem befindet sich mit der zweiten Suite von Rachmaninov ein weiteres Meisterwerk des russischen Komponisten, das wohl kaum ein Duo mitreißender spielen kann als Argerich und ihr langjähriger Freund Nelson Freire. Wie die beiden miteinander kommunizieren, Melodielienien übergeben, Spannungsbögen aufbauen und aufeinander reagieren, ist schlichtweg fabelhaft. Da Freire selbst mit einer nahezu grenzenlosen Technik gesegnet ist, kann er die schnellen Tempi seiner Partnerin mühelos mitgehen und immer noch unangestrengt elegant klingen - mit Rabinovitch (Teldec) wirkt im unmittelbaren Vergleich manches etwas härter, unflexibler; Ashkenazy/Previn wirken dagegen schlicht langweilig.
Diese Aufnahme kann jedem, der sich auch nur ansatzweise für Klaviermusik interessiert, nicht wärmstens genug empfohlen werden; insbesondere als Alternative zur unsäglichen Helfgott-Aufnahme... Bei der gebotenen interpretatorischen Qualität kann das Preis-/Leistungsverhältnis nur als exzellent bezeichnet werden.