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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ausdrucksstark, 23. Dezember 2003
Nach ihren Ausflügen in das klassisch-romantische Repertoire deutscher Prägung (Brahms, Schumann, Beethoven) kehrt Hélène Grimaud mit dieser Einspielung wieder zu Sergei Rachmaninov zurück, dem sie schon in ihrer Jugendzeit eine Einspielung sowohl des vorliegenden Klavierkonzertes als auch der zweiten Klaviersonate und einiger Études-Tableaux (beides bei Denon erschienen, heute von Brillant Classics wiederaufgelegt) gewidmet hat. Das in unzähligen Aufnahmen vorliegende, wohl bekannteste zweite Klavierkonzert wird mit einigen Préludes und Etudes-Tableaux sowie den weitaus weniger bekannten Corelli-Variationen gekoppelt, in denen sich der etwas sprödere Spätstil Rachmaninovs manifestiert. Was das Klavierkonzert angeht, so wartet Grimaud mit der von ihr schon in den zwei letzten CDs so hochgelobten Musikalität auf, mit der sie musikalische Strukturen auf natürliche Weise entwickelt und zu wie selbstverständlichen Spannungsbögen zu formen vermag. Die vielfältigen klanglichen Schattierungen, die ihr dabei gelingen, machen auch aus diesem so oft gespielten Konzert wieder eine Neuentdeckung. Man kann beim Zuhören erahnen, wie die Französin die Musik in Farben begreift (sog. Synästhesie) - im Falle dieses Konzertes vielfache Nuancen von Schwarz. Die fabelhafte Begleitung durch das Philharmonia Orchestra unter Vladimir Ashkenazy tragen dazu ebenso bei wie der runde, volle Klang, den die gebürtige Französin ihrem Steinway entlockt; dabei scheut sie auch dynamische Extreme nicht und ist den technischen Anforderungen in jeder Hinsicht mehr als gewachsen. - Was trotz allem fehlt, wird offenbar, wenn man ihre Einspielung etwa mit der von Vladimir Ashkenazy selbst (unter Previn, Decca) vergleicht oder auch mit der von Bernd Glemser (Naxos): Grimaud wählt vergleichsweise langsame Tempi (die Anfangs-Arpeggien etwa erinnern an Svjatoslav Richter, Melodya). Dies ist zwar grundsätzlich nicht zu bemängeln, jedoch verbleibt sie auch an den Stellen, wo mehr Rasanz und Unruhe gefragt ist (etwa gegen Ende des 1. Satzes) bei ihrer Zurückhaltung. Das hemmt den Fluß des Stückes und verleiht ihm einen manchmal etwas schwerfälligen Charakter, den gerade der Komponist selber (man höre seine eigenen Einspielungen) so nicht haben wollte und den Grimaud in einem von mir erlebten Konzert ebenfalls nicht an den Tag legte. Insofern würde ich eine der soeben genannten. Aufnahmen vorziehen, wobei Glemser die bessere Aufnahmequalität, Ashkenazy das bessere Orchester zur Verfügung steht. Die Etudes-tableaux und Préludes gehören seit langem zum Repertoire der Pianistin und werden von ihr regelmäßig als Zugaben gespielt. Dabei überzeugt Grimaud mit einer sehr guten Melodieführung und ausdrucksstarkem, fein nuanciertem Spiel. Diese zum großen Teil lyrischen Werke liegen ihr sichtlich. - Bezüglich der Corelli-Variationen gilt dasselbe wie für das Klavierkonzert: hoher Detailreichtum, die Pianistin gibt hier jeder Variation einen eigenständigen Charakter - jedoch bei den rasanteren Stücken werden diese nicht mit der nötigen Virtuosität dargestellt. Man kann unterstellen, daß dies aus der künstlerisch durchaus lobenswerten Intention geschieht, die Stücke nicht zu bloßem "Virtuosenfutter" verkommen zu lassen; es fehlt dann aber meiner Meinung nach öfters am nötigen "Drive", der etwa die Einspielung von Ashkenazy (Decca) nach wie vor zur Referenz macht. Die geschilderten Einschränkungen sind allerdings Kritik auf sehr hohem Niveau - empfehlenswert ist diese ausdrucksstark interpretierte Aufnahme dennoch, nicht zuletzt aufgrund der exzellenten Klangqualität und des informativen Booklets.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Natürliche Musikalität, aber fehlendes Feuer, 5. Juni 2001
Von Ein Kunde
Nach ihren Ausflügen in das klassisch-romantische Repertoire deutscher Prägung (Brahms, Beethoven) kehrt Hélène Grimaud in ihrer neuesten Einspielung wieder zu Sergei Rachmaninov zurück, dem sie schon in ihrer Jugendzeit eine Einspielung sowohl des vorliegenden Klavierkonzertes als auch der 2. Klaviersonate (beides bei Denon erschienen, jedoch zur Zeit vergriffen) gewidmet hat. Das in unzähligen Aufnahmen vorliegende, wohl bekannteste zweite Klavierkonzert wird mit einigen Préludes und Etudes-tableaux sowie den weitaus weniger bekannten Corelli-Variationen gekoppelt, in denen sich der etwas sprödere Spätstil Rachmaninovs manifestiert. Was das Klavierkonzert angeht, so wartet Grimaud mit der von ihr schon in den zwei letzten CDs so hochgelobten Musikalität auf, mit der sie musikalische Strukturen auf natürliche Weise entwickelt und zu wie selbstverständlichen Spannungsbögen zu formen vermag. Die vielfältigen klanglichen Schattierungen, die ihr dabei gelingen, machen auch aus diesem so oft gespielten Konzert wieder eine Neuentdeckung. Die fabelhafte Begleitung durch das Philharmonia Orchestra unter Ashkenazy tragen dazu ebenso bei wie der runde, volle Klang, den die gebürtige Französin ihrem Steinway entlockt; dabei scheut sie auch dynamische Extreme nicht. - Was trotz allem fehlt, wird offenbar, wenn man ihre Einspielung etwa mit der von Vladimir Ashkenazy selbst (unter Previn, Decca) vergleicht oder auch mit der von Bernd Glemser (Naxos): Grimaud wählt vergleichsweise langsame Tempi (die Anfangs-Arpeggien etwa erinnern an Svjatoslav Richter); dies ist zwar grundsätzlich nicht zu bemängeln, jedoch verbleibt sie auch an den Stellen, wo mehr Rasanz und Unruhe gefragt ist (etwa gegen Ende des 1. Satzes) bei ihrer Zurückhaltung. Das hemmt den Fluß des Stückes und verleiht ihm einen manchmal etwas schwerfälligen Charakter, den gerade der Komponist selber (man höre seine eigenen Einspielungen) so nicht haben wollte. Insofern würde ich die o.g. Aufnahmen vorziehen, wobei Ashkenazy leidenschaftlich-virtuos, Glemser analytisch-virtuos spielt. Die Etudes-tableaux und Préludes gehören seit langem zum Repertoire der Pianistin und werden von ihr regelmäßig als Zugaben gespielt. Dabei überzeugt Grimaud mit einer sehr guten Melodieführung und ausdrucksstarkem, fein nuanciertem Spiel. Diese zum großen Teil lyrischen Werke liegen ihr sichtlich. - Bezüglich der Corelli-Variationen gilt dasselbe wie für das Klavierkonzert: hoher Detailreichtum, die Pianistin gibt hier jeder Variation einen eigenständigen Charakter - jedoch bei den rasanteren Stücken werden diese nicht mit der nötigen Virtuosität dargestellt. Man kann unterstellen, daß dies aus der künstlerisch durchaus lobenswerten Intention geschieht, die Stücke nicht zu bloßem "Virtuosenfutter" verkommen zu lassen; es fehlt dann aber meiner Meinung nach öfters am nötigen "Drive", der etwa die Einspielung von Ashkenazy (Decca) zur Referenz macht.
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Atemsprache!, 28. Dezember 2002
Jetzt also das 2. Klavierkonzert von Rachmaninoff. Das erste, was ich von Hélène Grimaud hörte, waren die Études Tableaux, ebenfalls von Rachmaninoff. Sie hatte mit diesen Stücken den Denon-Musikpreis gewonnen. Damals konnte ich es nicht fassen, wie ein Kind den Geist eines Komponisten derart genau erfassen und mit abgeklärter Spouveränität in Klänge übersetzen konnte. Der einzige Trost für mich war die zweite CD, die ich von ihr hörte: Auch sie klang sehr stark nach Rachmaninoff. Der Komponist allerdings hieß: Chopin. Eine fünfzehnjährige kann eben doch nicht alles verstehen und in Töne fassen. Als Hélène neun Jahre alt war, überlegten ihre Eltern, sie wegen "Hyperaktivität" in Therapie zu schicken. Das Problem erledigte sich, als ein Klavier ins Haus kam. Fortan wurde alle überschüssige Energie von den Tasten ihres Instruments aufgesaugt. Hélène erledigte das Programm der klassischen Klavierausbildung in fünf statt der üblichen sechs Jahre. Danach begann für Hélène Grimaud eine Weltkarriere. Jetzt also das 2. Klavierkonzert von Rachmaninoff. Ist es Frau Grimaud - mittlerweile 32 Jahre alt - gelungen, ihre Nähe zum Komponisten noch zu steigern? Ich muß gestehen, meine Lieblingsaufnahme bleiben ihre 1986 erschienenen Études Tableaux. Die aktuelle Aufnahme blieb mir eigentümlich fern, sehr den Noten verhaftet, wenig lebendig - bis ich im Hintergrund der exzellenten Aufnahme Hélène Grimauds Atem entdeckte. Hier eröffnete sich für mich eine weitere Dimension ihres Klavierspiels. Das Atmen bezeugt die körperliche wie die seelische Anstrengung, die der Komponist seiner Interpretin abverlangt. Über den Klängen des Steinway-Flügels schwebt ihr Leiden, ihre Anstrengung, ihre Lust am Spiel. Als Hörer befinde ich mich zwischen Interpretin und Instrument. Und mich umspülen die Klänge des Pianoforte wie der Atem der Pianistin. Alle Läufe, alle Rhythmen, alle Harmonien erhalten neues Leben von Frau Grimaud. Zugegeben, es ist ein etwas ungewöhnlicher Weg, sich einer Aufnahme zu nähern. Die heutige technische Perfektion von Frau Grimaud kann beim ersten Hören steril wirken, doch spätestens ihre Atemsprache bringt dem Zuhörer Rachmaninoff körperlich nahe. Hinhören! Und genießen...
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