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am 3. Februar 2002
"Rache ist sauer" versammelt ein Dutzend Essays aus den 30er und 40er Jahren. Kunst, Politik, Persönlichkeitskulte und Moral sind die Grundthemen der recht bunten Auswahl.
Der "Rückblick auf den Spanischen Bürgerkrieg" (1942) erfordert etwas Hintergrundwissen: Im Spanien des Jahres 1931 löste die Zweite Republik die vorhergehende Diktatur Miguel Primo de Riveras ab. Getragen vom liberalen Bürgertum und eher sozialistischen (teils anarcho-syndikalistischen) Arbeitern, begann eine Phase der Modernisierung, zu der u. a. eine Beschränkung der Kirchenprivilegien gehörte: Der umfangreiche Kirchenbesitz wurde verstaatlicht, die Zivilehe eingeführt und dergleichen mehr. Als Reaktion vereinigte sich die republikfeindliche Rechte, die von 33-36 die Geschicke des Landes lenkte. 1936 wurde sie von der Linken abgelöst, was kurz darauf zu einem Militärputsch der Rechten und zum Bürgerkrieg führte. Monarchisten, Katholiken und die faschistische Falange kämpften, unterstützt von deutschen, portugiesischen und italienischen Truppen, gegen die spanische Regierung und ihre Verbände, denen sich etwa 60,000 Freiwilligen aus aller Welt anschlossen. Der Spanische Bürgerkrieg wurde vom demokratischen Teil der Weltöffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen, die Regierungen u. a. Großbritanniens, Frankreichs oder der USA versagten der Republik jede offizielle Hilfe.
1939 endete der Krieg mit dem Sieg Francos, der ein klerikalfaschistisches, autoritäres Regime mit umfangreichen Privilegien für die katholische Kirche (u. a. Bildungsaufsicht). Schätzungsweise 200,000 Regimegegner wurden umgebracht. 1947 wurde die Diktatur zur Monarchie umgewandelt, nach Francos Tod 1975 leitete König Juan Carlos I. den Umbau zur Demokratie ein.
Orwell berichtet seine Kriegserlebnisse, die er als Freiwilliger vor Ort hatte: Weniger Anekdoten als eine Analyse des Krieges, weit mehr Aufklärung über den Dreck, den Alltag des Tötens und Krepierens als Verklärung hehrer Ideale. Krieg wird nicht schöner, wenn man zufällig für die gerechte Sache kämpft, lautet eine zentrale Einsicht. Orwell schreibt gegen hartnäckige Legenden wie die einer "massiven russischen Invasion" an, oder der, daß es auf republikanischer Seite eitel Sonnenschein zwischen den verschiedenen Interessengruppen gegeben hätte. Oder dem, daß Faschisten, die gerade vom Klo kommen, anders aussehen als andere Menschen auch. Fast nebenher analysiert Orwell die britische Außenpolitik der 30er und den Aufstieg der sowjetischen Diktatur - wie gewohnt brilliant.
Auch der Titelessay "Rache ist sauer" (1945) hat das Umfeld "2. Weltkrieg" zum Thema. Orwell begegnet von einem Aha-Erlebnis aus einem Kriegsgefangenenlager im besetzten Deutschland. Den ganzen Krieg über hatte der Wunsch nach Rache gerade die Briten zu großen Anstrengungen angetrieben - jetzt sah Orwell die kümmerlichen Gestalten, die einst als Buhmänner den Haß ganzer Völker anstacheln konnten. Es lohne sich nicht, an denen Rache zu nehmen. Die Nazi-"Größen" als arme, eher mitleidserweckende Würstchen - Orwell versagt den Nazis ihren erträumten Nachruhm als Gestalten von enormer (negativer) Größe. (Was, nebenher, der treudeutschen Gefolgschaft dieser Typen ein geistiges Armutszeugnis sondergleichen ausstellt.) Nicht nur Hollywood kam da den letzten Wünschen des Führers weit mehr entgegen...
"Lear, Tolstoi und der Narr" (1947) ist einer der sechs Essays über Kunst und Literatur in diesem Buch. Tolstoi hat sich ziemlich abfällig und wenig fundiert über Shakespeare geäußert, Orwell untersucht sein Pamphlet sehr differenziert und pointiert.
Nicht weniger differenziert sind die Analysen von Dalis Bildern und Swifts "Gullivers Reisen". Sorgfältig unterscheidet Orwell zwischen rein künstlerischen Maßstäben einerseits und moralischen respektive politischen Fragen andererseits. Beiden gesteht er großes Talent und exzellente Ausführung zu. Dalis Einstellunegn verreißt er allerdings als Hänge zu Nekrophilie und zu Amoralität - auch der Künstler sei nicht sakrosankt. Swifts satirisches Talent beachtet Orwell nicht weniger als seine eigene politische Botschaft, die reaktionär, spießig und letztlich denkfeindlich sei. Selbst für Menschen, die die genannten Künstler weniger interessieren, sind diese Essays aufgrund der Klarheit der Analyse und des unbedingten Eintritts Orwells für Menschlichkeit und Toleranz lesenswert.
Auch die "Gedanken über die gemeine Kröte" (1946) stoßen in dieses humanistische Horn. "Was habe eine Kröte mit dem Klassenkampf zu tun?", läßt Orwell einen sozialistischen Zeitungsredakteur fragen. Alles, denn allen Gelegenheit zu schaffen, sich an Natur und Schönheit der Welt zu erfreuen, sei eines der vornehmsten Ziele einer gerechteren Gesellschaft. Die Verherrlichung von Stahl und Beton sei prinzipiell unmenschlich - hier würden Mittel zu Zwecken geheiligt. Es bedarf wenig Mühen, um hier den Bogen zum Profitfundamentalismus unserer "neoliberalen" Tage zu schlagen. Aber das sei dem geneigten Leser zur Übung überlassen.
Einer Heiligenlegende geht "Gedanken über Gandhi" (1948) hinterher. Gandhi ist eine Symbolfigur, und als solche wurde er für alle möglichen Zwecke eingespannt. Orwell geht dem Mythos hinterher und betrachtet bewunderungs- wie fragwürdige Seiten des Heiligen. Sein Mut, seine unbedingte Gewaltlosigkeit, sein politisches Erbe einer friedlichen Trennung Indiens von England - das kontrastiert Orwell mit den transzendenten, antihumanistischen, politisch naiven Seiten von Gandhis Lehre.
Gandhi war etwas, was man nur selten bei heutigen Lehrenverkündern antrifft: konsequent. Er lehnte jeden Krieg ab - auch jenen zur Befreiung der Juden aus der Gewalt der Nazis. Sein Glaube lehnte jede Tötung von Tieren ab - auch, ein Huhn zu töten, wenn Hühnersuppe einem geliebten Menschen das Leben retten würde. Er pries ein völliges Asketentum, die Aufgabe sexueller Begierden oder enger Freundschaften. Mehr noch, wer Gott und der Menschheit diene, dürfe keinem einzelnen Menschen den Vorzug geben.
Orwell kontrastiert diese Haltung mit seiner eigenen, humanistischen. Nicht, daß dieses Streben nach religiöser Vollkommenheit mißbraucht werden könne, ist Orwells These, sondern daß es bereits unmenschlich sei. So bleibt Orwells Verhältnis zu Gandhi ziemlich - zwiespältig.
Die Themen dieser Essays sind Themen aus einer anderen Zeit. Die humanistische Grundhaltung, die sich in ihnen widerspiegelt, scheint mir dagegen zeitlos.
Orwell beeindruckt durch seine an Bertrand Russell erinnernde intellektuelle Redlichkeit. Er beschönigte oder verdammte nichts zugunsten oder zuungunsten einer Lehre oder einer Parteidisziplin. Er setzte sich für soziale Gerechtigkeit ein und gerade deshalb gegen den Sowjetkommunismus. Er machte viele der Moden seiner Zeit nicht mit, sein Platz war zwischen den Stühlen. Und von dort aus schrieb er hellsichtige und menschliche Essays erster Güte.
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am 8. Juli 2000
Dieser Essayband enthält 11 hervorragende Essays des großen englischen Schriftstellers. Im "Rückblick auf den Spanischen Krieg" erinnert sich Orwell an den Spanischen Bürgerkrieg 1936-9, in dem er auf der Seite der Sozialisten für die Republik kämpfte. In "Rache ist sauer" thematisiert er die Unmöglichkeit der Rache, wenn sie möglich ist. Er erinnert sich an ein Erlebnis, das er 1946 in einem süddeutschen Kriegsgefangenenlager hatte. Dort wurde ein Jude mit SS-Männern konfrontiert und obwohl er jetzt frei und mächtig war, war er dennoch nicht in der Lage, an den Tätern Rache zu nehmen. In einem weiteren Essay "The Prevention of Literature" geht es um die Schwierigkeit, Literatur in totalitären Zeiten zu schaffen. Gleichzeitig betont Orwell aber auch die Wichtigkeit von Literatur in dieser Zeit, sie soll Widerstand bewirken. Der Essay "Writers and Leviathan" beschäftigt sich erneut mit dem Eindringen von Politik in Literatur. Orwell vertritt die Meinung, daß sich ein Schriftsteller einerseits nicht in einen Elfenbeinturm zurückziehen darf und sich andererseits keinesfalls von Parteien vereinnahmen lassen darf. Einen Ausweg aus diesem Dilemma sieht Orwell in der Funktion des Schriftstellers, sich als Einzelperson kritisch zur politischen Lage zu äußern. Anhand seines eigenen Werks zeigt er hierbei die Schwierigkeiten des Schreibens in politisch brisanten Zeiten auf.
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In kaum einem Werk ist mir ein solches Maß an Scharfsinn, Gewissenhaftigkeit und Menschlichkeit begegnet, wie in den essayistischen Schriften und Berichten von George Orwell. Für mich persönlich ist es nicht übertrieben, bei der Beschreibung dieser 70 Jahre alten Texte, von Aktualität, entlarvender Meisterschaft und moralischer Größe zu sprechen - ganz ohne Ironie oder den Wunsch, die Texte, durch diese Bezeichnungen, bedeutender zu machen als sie sind.

Was Orwell vor allem eine Sonderstellung gibt, ist sein kompromissloses (jedoch nicht: radikalisiertes) Engagement, sein Blick, für die Leidtragenden der industrialisierten und ideologisierten Gesellschaft: die Soldaten an der Front, die Arbeiter in den Fabriken und die armen und von der Gesellschaft vergessenen Schichten der Bevölkerung – in Kombination mit einem Intellekt, der größere Zusammenhänge erfassen und darstellen kann, wie sie selten auf den Punkt gebracht werden. Ihm gelingt es einfachste und nahezu nicht zu widerlegende Aussagen zu formulieren, zum Beispiel über den Krieg und die öffentliche Meinung:

"Was die breite Masse der Bevölkerung betrifft, so rühren die erstaunlichen Meinungsumschwünge der heutigen Zeit und die Gefühle, die sich auf- und abdrehen lassen wie ein Wasserhahn, von der Suggestivkraft der Zeitungen und Radios her. Bei den Intellektuellen, würde ich sagen, hat das mehr mit Geld und der Sorge um die persönliche Sicherheit zu tun. Je nach Lage der Dinge werden sie in einem gegebenen Augenblick 'für den Krieg' oder 'gegen den Krieg' sein, aber in beiden Fällen fehlt ihnen völlig die reale Vorstellung, was der Krieg ist."

Seine Kritik an den Medien und den oberen Klassen ist sicher nicht allein auf weiter Flur in der Geschichte des 20. Jahrhunderts - aber nirgendwo habe ich so präzise formuliert gefunden, nirgendwo wird so schnell ersichtlich, wird kaum abstrakt und ungeschönt benannt, wo der Hund vieler Problematiken begraben liegt: direkt vor unserer Nase, im Aufbau der Gesellschaft, die vor allem auf Unterdrückung und Kontrolle basiert und auf eine immer größeren Ausbeutung und Spaltung hinausläuft.

"Was mich am meisten bedrückt, wenn ich an die Antike denke, ist der Umstand, dass diese Hunderte von Millionen von Sklaven, auf deren Rücken ganze Zivilisationen generationenlang beruhten, nichts über sich hinterlassen haben. Wir kennen nicht einmal ihre Namen."

Nietzsches Wahn von den wenigen Übermenschen, denen alle anderen dienen: längst hat die Geschichte seinen Forderung eingelöst und wird sie weiter einlösen. Dabei geht es nicht einmal um Namen, sondern vielmehr darum, dass wir ausblenden, unter welchen Bedingungen Menschen leben mussten, während sich „große Geschichte“ ereignete und immer noch leben, während wir den Lebensstandard genießen, den ihre Arbeit gewährleistet.

Die Menschlichkeit: selbst für die meisten aufgeklärten Menschen endet sie am Rand der humanistischen Disziplinen, Schriften und Wissenschaften. Für Orwell endet sie dort nicht. Er weiß, dass ihr wahres Feld ein oft nicht wahrgenommenes ist; ein Feld der Ausbeutung, von dem niemand sprechen mag.

Während der zweite Weltkrieg, vordergründig ein Krieg der Ideologien, tobt, schreibt Orwell:

"Den Lebensstandard der gesamten Welt auf das Niveau des englischen zu bringen, wäre kein größeres Unternehmen als der Krieg, den wir gegenwärtig führen. Ich behaupte nicht, und mir ist nicht bekannt, dass sonst jemand es tut, dass damit alles an sich bereits gelöst wäre. Es geht mir nur darum, dass Entbehrung und Knochenarbeit abgeschafft sein müssen, ehe man an die eigentlich menschlichen Probleme herangehen kann."

Heute gibt es noch weitere Probleme, vom Klimawandel über Epidemien bis zum Atommüll, denen wir uns stellen sollten, anstatt Kriege und Scheinkriege auszufechten.
Es ist, gewiss, eine sehr einfache Position, die Orwell bezieht. Wie oft in seinen Texten, die trotzdem sehr viel um diese einfache Position herum erörtern. Aber obwohl sie einfach ist, macht sie mehr her, als ein Großteil des ganzen Geschnatters, Gezeters und Gebrülls unserer heutigen Debattenkultur, wo einer den anderen moralisch richtig stellt, ohne dass man einfach mal ehrlich von den grundsätzlichen Problemen unserer gesellschaftlichen Systeme ausgeht. Orwell legt den Finger auf das Wesentliche, was heute viel zu selten getan wird.

Was ich an Orwell auch sehr schätze, ist, dass durch die Schlichtheit und die nie auftretende Selbstüberschätzung in seinem Stil, keine moralisierende Atmosphäre oder Haltung aufkommt. Sein Impetus ist die Wahrheit und dass man sie gerecht betrachte. Selbst wenn er zu so einem schwierigen Thema wie Rache schreibt, bleibt er bei seiner analytischen Verfahrensweise und zeigt, dass es eigentlich ein nicht so schwieriges Thema ist:

"Strenggenommen gibt es so etwas wie Vergeltung oder Rache gar nicht. Rache ist eine Handlung, die man begehen möchte, wenn und weil man machtlos ist: sobald aber dieses Gefühl des Unvermögens beseitigt wird, schwindet auch der Wunsch nach Rache."

Orwell hat hier meiner Ansicht nach zwar nicht bedacht, dass das Gefühl des Unvermögens durchaus bleiben kann, auch wenn andere Umstände eintreten. Aber unsere Generation, die den Plots von dutzenden Rachefilmen aus Hollywood kennt und denen die Wichtigkeit dieses Gefühls mit der Popkultur eingeimpft wurde, täte gut daran, sich einmal anhand von George Orwells Definition die eigenen Gefühle anzuschauen, um zu begreifen, dass Rache meist nur ein selbstgewählte, erniedrigte Position einem anderen Menschen gegenüber ist, die man auch schlicht überwinden kann.

Vieles, was George Orwell in diesem Band schreibt, ließe sich zusammenfassen mit einem Satz von ihm selbst:

"Die Tatsache, dass man eine derart banale Banalität niederschreiben muss, zeigt, was die Jahre des Rentier-Kapitalismus aus uns gemacht haben."

Da kann ich nur noch meine Unterschrift drunter setzen. Ich will nicht den Antikapitalisten spielen, will Orwell nicht unter diesem Label abgestempelt, eingeordnet und vergessen wissen. Aber es ist diese schlichte Aussage, die aussagt, was an vielen Stellen im Argen liegt, noch heute.

Orwell-Essays lesen, das heißt, generationenübergreifend, eine gewisse Mündigkeit hochhalten und lernen. Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung machen durfte; sie war heilsam und zugleich schmerzlich und ich werde noch öfters auf sie zurückkommen.
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