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5.0 von 5 Sternen
Der ultimative Wenderoman?, 23. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Rabet - Oder das Verschwinden einer Himmelsrichtung (Gebundene Ausgabe)
... ist auch dieser Band nicht, denn es kann ihn wahrscheinlich nicht geben. Ernsthaft, gefühlvoll und doch mit Witz gibt dieses Werk das Befinden und die Geschehnisse jener Zeit wieder, und zwar aus der Perspektive eines unmittelbar Beteiligten. Es ist eine kleine Geschichte von jungen Leipzigern, die nach ihren Vorstellungen leben und lieben, arbeiten und studieren wollen, die in dem Grau ihres Landes für sich ein Leben in Farbe gestalten wollen. Als sie sich der politischen Dimension dieses Anspruches bewußt werden, sind sie auch schon in die große Politik verwickelt. Die mutigen Auftritte von normalen kleinen Bürgern nehmen plötzlich weltpolitische Bedeutung an. Sie werden im Wirbel der atemberaubenden Veränderungen mitgerissen und finden sich plötzlich in einem anderen Land wieder. Das Ende der Geschichte, mit der Maueröffnung, ist weder optimistisch noch melancholisch, sondern sonderbar neutral-die Stille nach der Schlacht. Im Prolog und Epilog wird deutlich, daß dieser außergewöhnliche Moment letztendlich nur ein Abschnitt im Leben jedes einzelnen war. Und doch...es bleibt, wenn auch nur mit einem Hauch von Nostalgie, die Erinnerung an eine Zeit der Klarheit und der Utopien.
In einem Glossar erklärt Martin Jankowski DDR-typische Begriffe (zum Teil in Staatschef Honeckers nachempfundener phonetisierender Schreibung) und andere Realia auf treffsichere und unterhaltsame Weise. Rabet oder Das Verschwinden einer Himmelsrichtung ist ein liebevoller, einfühlsamer und komischer Abgesang auf die DDR, einer der seine Darsteller und ihr Land, das nun mal ihr Land war, nicht bloßstellt sondern ihnen eine Stimme gibt. Das Buch weist kleine herausgeberische Mängel auf, die ihm jedoch kaum Abbruch tun. Zu empfehlen!
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5.0 von 5 Sternen
Wer es wirklich wissen will ..., 12. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Rabet - Oder das Verschwinden einer Himmelsrichtung (Gebundene Ausgabe)
Wie sah sie eigentlich von innen aus - diese berühmte Wende - aus der Sicht der Ossis? Was ging in den Teilnehmern der besagten Montags-Demos von Leipzig damals tatsächlich vor? Was waren das überhaupt für seltsame Spektakel, die nachträglich hochstilisiert zu historischen Großtaten verklärt wurden oder als linkische Gesten der Hilflosigkeit belächelt (und nun aktuell in der Neuauflage als Proteste gegen Hartz 4 geradezu parodiert werden)? Martin Jankowski hat es erlebt. Er steckte damals mitten drin - und steht inzwischen weit genug darüber, um davon schreiben zu können. Sein Buch hat eine Authentizität, die nicht damit prahlt und nicht darin versumpft und obendrein eine frische Jugendlichkeit, die dynamisch, aber nicht naiv ist. Es schmeckt, es riecht und klingt noch so richtig nach DDR - und zugleich nach mehr. Martin Jankowski macht es gut so: Er jammert nicht. Er macht uns auch nichts vor: Es gab tatsächlich schmerzhafte Unzulänglichkeiten. Und dennoch! Es gab stets ein Gefühl, dass es um ein großes Ganzes ging, dass es auch eigene Werte des Ostens zu erhalten und zu entwickeln galt.
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