... ist auch dieser Band nicht, denn es kann ihn wahrscheinlich nicht geben. Ernsthaft, gefühlvoll und doch mit Witz gibt dieses Werk das Befinden und die Geschehnisse jener Zeit wieder, und zwar aus der Perspektive eines unmittelbar Beteiligten. Es ist eine kleine Geschichte von jungen Leipzigern, die nach ihren Vorstellungen leben und lieben, arbeiten und studieren wollen, die in dem Grau ihres Landes für sich ein Leben in Farbe gestalten wollen. Als sie sich der politischen Dimension dieses Anspruches bewußt werden, sind sie auch schon in die große Politik verwickelt. Die mutigen Auftritte von normalen kleinen Bürgern nehmen plötzlich weltpolitische Bedeutung an. Sie werden im Wirbel der atemberaubenden Veränderungen mitgerissen und finden sich plötzlich in einem anderen Land wieder. Das Ende der Geschichte, mit der Maueröffnung, ist weder optimistisch noch melancholisch, sondern sonderbar neutral-die Stille nach der Schlacht. Im Prolog und Epilog wird deutlich, daß dieser außergewöhnliche Moment letztendlich nur ein Abschnitt im Leben jedes einzelnen war. Und doch...es bleibt, wenn auch nur mit einem Hauch von Nostalgie, die Erinnerung an eine Zeit der Klarheit und der Utopien.
In einem Glossar erklärt Martin Jankowski DDR-typische Begriffe (zum Teil in Staatschef Honeckers nachempfundener phonetisierender Schreibung) und andere Realia auf treffsichere und unterhaltsame Weise. Rabet oder Das Verschwinden einer Himmelsrichtung ist ein liebevoller, einfühlsamer und komischer Abgesang auf die DDR, einer der seine Darsteller und ihr Land, das nun mal ihr Land war, nicht bloßstellt sondern ihnen eine Stimme gibt. Das Buch weist kleine herausgeberische Mängel auf, die ihm jedoch kaum Abbruch tun. Zu empfehlen!