Im kleinen Dorf Dunkelbach schmieden zwei Schwarzmagier ihre finsteren Pläne. Auch eine Gruppe Orks hat ein Auge auf das Dorf geworfen. Können der neue Geweihte des Dorfes -ein Golgarit- und ein Zwergenkrieger die Dorfbewohner vor einem Schicksal bewahren, das schlimmer als der Tod wäre?
Im Buch läuft einiges schief, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Fangen wir mit den Fehlern beim Stil an, wo zwei Punkte besonders negativ auffallen: Zum einen benutzt der Autor -vor allem zu Beginn der Geschichte- zu viele Adjektive. Die sollen wohl die Situation detailliert beschreiben, wirken aber nur überflüssig. Zum anderen ist die Geschichte zu dialoglastig, was dazu führt, dass viel unnötig geredet wird und wenig passiert. Besonders der dauerquatschende Zwerg, neben dem ein Schelm auf Quasselwurz wirkt wie ein stummer Borongeweihter, nervt nach kürzester Zeit. Das wäre halb so schlimm, wenn die Dialoge pointiert oder unterhaltsam wären, leider wirken die Gespräche der Charaktere platt und konstruiert.
"Stummer Borongeweihter" ist eine gute Überleitung zu den inhaltlichen Schwächen. Die Charaktere sind unglaubwürdig: Der Golgarit redet für einen Borongeweihten zu viel; Velin führt sich auf, als ob die KL-Voraussetzung für Magier abgeschafft worden wäre und der Zwerg hat nichts zwergisches an sich und ist im Prinzip ein Mensch mit kurzen Beinen. Dazu kommt noch eine seltsame Rückblende mit einem Rondra-Geweihten, der sich nicht um die Gebote seiner Kirche schert (und auf eine anatomisch unmögliche Weise getötet wird). Zudem mangelt es der Geschichte an Originalität - die Pläne eines bösen Schwarzmagiers zu durchkreuzen ist bei DSA ein häufiges und daher recht ausgelutschtes Thema.
Ein Glossar fehlt, das Buch richtet sich also an erfahrene DSA-Kenner. In diesem Fall sollte mal das Lektorat jemanden überlassen, der Ahnung vom Schwarzen Auge hat. Ansonsten kommt es zu inhaltlichen Fehlern wie einem Freibauern mit Lehnsherrn, einer Unschuldsvermutung, die in Aventurien gilt (ohne die der Plot aber nicht richtig funktionieren würde), oder Orks, die Menschen als Blasshäute bezeichnen, was keinen Sinn ergibt (Glatthäute wäre richtig gewesen - Blasshäute ist die Waldmenschen-Bezeichnung für Weiße). Außerdem verwendet der Autor durchgehend die DSA 3-Bezeichnungen für Zaubersprüche. Auch die Möglichkeiten der Charaktere -besonders die ASP- entsprechen eher DSA 3 als der aktuellen Version. Das ist, wenn man es weiß, zwar nicht schlimm, stört aber einen runden Gesamteindruck.
Das Buch ist aber nicht völlig misslungen; der Schluss -ca. die letzten 70 Seiten- ist richtig gut. Hier findet man alles, was man von einer guten Geschichte erwartet: Spannung, Action und überraschende Wendungen. Es gibt zwar ein paar Zufälle zuviel, so dass das Ende ein bisschen konstruiert wirkt, aber da der Schluss ansonsten wesentlich besser ist als der Rest des Buches, kann man hier ein Auge zudrücken. Auch das offene Ende wirkt nicht aufgesetzt, sondern passt zur Geschichte und lässt auf eine Fortsetzung hoffen. Potential ist beim Autor durchaus vorhanden, nur beim Stil muss er sich noch verbessern, dann steht einem guten DSA-Roman aus seiner Feder nichts mehr im Weg.