"Sie werden sagen, er war ein Held. Sie werden sagen, er war eine Legende. Aber als Bestes von allen, mein Junge, werden sie sagen, er war ein Rigant!"
Acht Jahrhunderte nachdem die Könige der Riganten Connovar und Bane die eroberungslüstigen Armeen von Stone in die Knie gezwungen haben, ist die Insel der Riganten vom nicht weniger mächtigen Imperium der Varlish eingenommen worden. Aus den Riganten sind Menschen zweiter Klasse geworden und drohen, grausam unterdrückt vom herrschenden Moidart, ihre traditionelle Kultur zu verlieren. Während sich die wildesten Clans im unwegsamen Norden ihre Freiheit bewahren konnten, regt sich im unterworfenen Süden der Widerstand mit dem jungen Ravenheart als Sohn des ermordeten Rebellenführers und dem mächtigen Jaim Grymauch an der Spitze. Es geht um den höchsten Preis: die Freiheit.
Da die Entwicklung des "Helden" Ravenheart vom Jungspund zum Clansmann primär vor Augen steht, könnte man fast übersehen, dass sein Erzieher und Onkel Jaim Grymauch der wahre Held ist: Riesig und ungestüm, laut und verwegen, ein häßlicher Trinker und einäugiger Viehdieb, mächtiger Kämpfer und treuer Freund und mit einem so großem Herz gesegnet, dass er ironischerweise das Edelste an den Riganten verkörpert. Er ist das Herz des Buches und stets erscheint ein sonniges Lächeln auf den Lippen, wenn dieses von Freund und Feind hochgeachtete Ungetüm erscheint und zeigt, dass mehr in einem stecken mag, als das ungehobelte Äußere vielleicht vermuten liesse. Aber ein Held kann nur so strahlend sein, wie sein Gegenspieler der Düsternis verfallen ist - und der Gegner in Form des Moidart ist ein Oberschurke de luxe: Grausam und berüchtigt, ein Hasser und Mörder, ein Ungeheuer und Künstler und doch Vater und Mann einer zwiespältigen Herkunft, der seine eigene verborgene Geschichte hat.
David Gemmel hat in gewohnter Brillianz vom schwertlastigen Eisenzeitalter zum musketendominierten Schießpulverzeitalter einen weiten Bogen durch die Jahrhunderte geschlagen, ohne dass seine charismatischen Recken vom Stamm der Riganten ihre urwüchsige unverschämt sympathische Ausstrahlung verloren haben. Galt es in Connovars Zeiten noch dem Abwehr eines Feindes an den Grenzen des eigenen Landes, so müssen sich vorliegend die Riganten wider dem Unterdrücken und Vergessen ihrer Kultur stemmen und zeigen, dass sie den Schneid vergangener Zeiten nicht verloren haben. Vom Ebginn an steigt der Spannungsbogen durch scheinbar kleine Scharmützel, innere Kämpfe, Schlachten, Treue und Verrat in ungeahnte Höhen und mündet in ein derart trauriges wie auch strahlendes Ende, wie ich es selten erlebt habe. Die Handlung ist von zahllosen Handlungsfäden durchsetzt, die sich nie aus den Augen verlieren und am Ende zielsicher ineinander münden und zahlreiche komplex angelegte Charaktere auf beiden Seiten vorstellen, die vielschichtig und ehrlich in all ihren Stärken und Schwächen gezeichnet sind. Insbesondere die Beziehungen zwischen den verfeindeten Völkern werfen einen großen zivilisationskritischen Schatten, wenn die gegenseitige Verachtung und der gegenseitige Hass im Angesicht großherziger Taten einzelner Repräsentanten beider Völker in ihrer ganzen Sinnlosigkeit fast schon widerwillig auf die Waage gestellt werden.
Fazit:
Eine bewegende Saga mit großartig angelegten Charakteren um ein faszinierendes Volk und dessen schweren Kampf für die Freiheit!
"Sturmreiter" ist der zeitlich direkt anschließende Nachfolgeband, an dem man nach dem Genuss dieses Werkes nicht mehr vorbeikommt.