... Bücher von Ingrid Noll als ihr neuestes Werk. Obwohl ich mich darauf gestürzt habe, aber vielleicht hat sie uns mit ihren Vorgängern auch zu sehr verwöhnt. Ihre absoluten Pluspunkte aus meiner Sicht sind die dichte Story, die sofort Spannung aufkommen lässt und die mit den ersten Zeilen aufflammende Neugier, die erst auf der letzten Seite im Keim erstickt wird. Davon kann bei Rabenbrüder keine Rede sein. Es ist mal wieder eine typische Familie mit ihren Absonderlichkeiten, die wir auch so gerne bei unseren Nachbarn entdecken, in der eigenen Familie aber weit von uns weisen. Zwei unterschiedliche Brüder, bei denen die Schwägerin in "tiefe Wasser" eintauchen will. Damit weckt sie Neugier beim Leser, aber dann verpufft diese Wirkung. Ja, von der ganzen Anlage des Buches ist es ein Krimi und man kann das Buch flüssig durchlesen. Der Umfang mit 280 Seiten macht es leicht. Aber die Spannung fehlt und vor allen Dingen der schwarze Humor, für den alle Noll-Fans die Autorin verehren. Es findet kein Eintauchen in die Abgründe der menschlichen Seele statt, da man vorher ausgebremst wird. Ein wenig zusammenhangslos das Ganze und die holde Gattin hat mir bei der Spurensuche zeitweise ein wenig Leid getan. Ein Gefühl, dass ich im Zusammenhang mit Noll bisher nicht hatte. Da habe ich mitgefiebert und meine schwarze Seele konnte ungehemmt jubilieren, da eine fremde Feder das zu Papier gebracht hatte, was in vielen Köpfen als Bilderkino abläuft. Dieses verschämte Grinsen das hat mir gefehlt. Schade.