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Produktinformation
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Ein Problem scheint Harry Angstrom tatsächlich immer noch zu sein: für seine wenig aufgeräumte Witwe Janice und ihren neuen Mann und ehemaligen Rabbit-Rivalen Ronnie besonders. Deshalb sind beide wenig begeistert, als die verlorene Tochter Annabelle plötzlich vor ihrer Türe steht. Nur Nelson ist sehr angetan von der 39-jährigen Krankenschwester, mit der er sich nach einem ersten, verschüchterten Date in einem Schnellrestaurant blendend über seine Arbeit als Therapeut -- und über seinen Vater -- unterhalten kann. Denn Rabbit ist allgegenwärtig in den Gesprächen der Figuren, und irgendwie, als Auslöser eines Streits zum Thanksgiving-Diner, schafft er es dann sogar, dass Nelson sich von seinen allzu eng gewordenen Familienbanden etwas emanzipieren kann.
Fans der grandiosen Rabbit-Romane Hasenherz, Unter dem Astronautenmond, Bessere Verhältnisse oder Rabbit in Ruhe werden sich über das unverhoffte, indirekte Wiedersehen mit dem am Ende der Tetralogie arg verfetteten Familientyrannen Harry Angstrom freuen. Für alle anderen hat Updike wieder einmal einen fulminanten Kurzroman vorgelegt, der tief hineinleuchtet in die US-amerikanische, von Doppelmoral geprägte Familienseele. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Rabbit ist zurück - doch wie ist das möglich? Harry Angstrom, der stets den Sinn oder irgendetwas Vergleichbares Suchende, der, wenn er den Sinn dann meist in Gestalt eines nackten Frauenkörpers gefunden hatte, doch bald wieder vom Überdruß gepackt wurde und flüchtete. Dieser Rabbit, der von späten 50ern bis zum Ende der 80er Jahre so beispielhaft durch das Amerika der Mondlandung, des Vietnamkriegs, der Hippies, der Ölkrise geirrt war, der war doch gestorben - zuletzt ein Opfer seiner Naschsucht, dahingerafft vom Cholesterin, das ihm die Adern verstopfte und ihm einen finalen Herzinfarkt bescherte.
Doch wer ihn kannte, wußte, dass bei Harry Angstrom nichts endgültig war. Jede Flucht endete mit einer Rückkehr, und dass das auch bei der letzten Reise ins Jenseits nicht anders sein würde, das hätte man zumindest ahnen können. Hatte er sich doch ins Nirwana verabschiedet mit den verdächtigen drei letzten Worten:
„Genug. Vielleicht. Genug."
Und noch kurz davor hatte Rabbit auf dem Sterbebett eindringlich versucht, seinem ebenso mißratenen wie unglücklichen Sohn Nelson wenigstens einmal zu helfen: dadurch, daß er ihm von der Existenz einer irgendwo da draußen lebenden Halbschwester zu erzählen versuchte. Doch die Kraft hatte nicht mehr ausgereicht, um die Gedanken in Worte zu fassen - und wie das manchmal so ist, wenn Menschen etwas nicht zu Ende gebracht haben, kehren sie eben zurück.
Natürlich nicht höchstpersönlich, sondern in Gestalt ebendieser nie gesehenen Tochter. Sie ist mittlerweile 39 Jahre alt, heißt Anabelle, und steht eines Tages vor der Tür von Rabbits Witwe Janice, die inzwischen seinen Ex-Konkurrenten Ronnie geheiratet hat. Anabelle ist auf der Suche nach ihren Wurzeln und wirbelt fast ohne ihr Zutun auf den folgenden 250 Seiten das Leben derjenigen durcheinander, die es sich nach Rabbits Tod mehr oder weniger stabil eingerichtet haben in ihrer Mischung aus Glück und Unglück.
Sohn Nelson jedenfalls versteht die Ankunft seiner Halbschwester als Chance, sich an fremden Haaren aus seinem Sumpf zu ziehen. Er wohnt nach Bewältigung seiner Drogensucht mit über Vierzig wieder zu Hause bei seiner Mutter und dem ungeliebten Stiefvater, seine Frau hat ihn gerade verlassen und die Kinder mitgenommen, und seine Arbeit als Hilfspsychologe in einer psychiatrischen Ambulanz ist so aufreibend wie deprimierend. Da kommt die scheinbar desorientierte Halbschwester gerade recht als Objekt hilflosen Helfens, postumer Vatersuche und unbewußter Selbstrettung. Am Sylvesterabend 1999 kommt es in einer irrwitzigen Autofahrt zum großen Showdown: die Jahrtausendwende wird zur Schicksalswende für alle Beteiligten. Am Ende ist Nelsons Frau zurückgekehrt, die Schwester auf dem Weg zum Traualtar - doch Skepsis ist angebracht: wer die Updikesche Ironie der früheren Rabbit-Romane kennt, weiß es: Nach der Krise ist vor der Krise - und keine Rückkehr schließt spätere Fluchten aus.
Dies ist in erster Linie ein Roman für die Leser der ersten vier Rabbit-Bände - eine Leserückkehr zu vertrauten Orten und Personen. Zu Menschen, von denen man zehn Jahre nichts gehört hat. Selbst wenn sie einem inzwischen fremd geworden sind, möchte man doch gern wissen, was aus ihnen und ihren Kindern geworden ist. Und allen anderen Lesern, für die dieser Roman die erste Begegnung mit der Rabbit-Sippe darstellt, ihnen sei eine lange, aber lohnende Reise zurück in die 50er Jahre empfohlen, zurück zum Anfang, zum ersten Band der Geschichte von Harry Angstrom, er heißt „Hasenherz".
Peter Tomuscheit, infoRADIO
Janice, Rabbits Witwe, ist inzwischen mit Ronnie verheiratet, einem alten Golfpartner und Rivalen ihres verstorbenen Mannes. Mit den beiden wohnt der von Ehefrau und Kindern verlassene Nelson (Rabbits und Janices Sohn), der in seinem Job als Sozialarbeiter aufgeht und zum eigentlichen Hauptcharakter dieses Buches wird. Mein Gefühl sagte mir beim Lesen, dass Updike einen Versuch der Wiedergutmachung mit seinem „literarischen Sohn" anstrebt. Er zeichnet aus dem ewigen Verlierer Nelson eine Figur mit Prinzipien, der schlussendlich so etwas wie ein Happyend erfahren darf. Das schlechte Gewissen scheint Updike dazu gebracht zu haben, Nelson aus dem Schatten seines verstorbenen Vaters heraus zu holen und an seiner Halbschwester, der aus dem Nichts aufgetauchten Annabelle (ein Ergebnis aus einer Affäre von Rabbit vor 40 Jahren), reifen zu lassen.
Für begeisterte Rabbit-Leser ist das Buch keine verlorene Zeit. Wer die ersten vier Romane nicht kennt, dürfte erstens Probleme haben, die Zusammenhänge und vor allem die Reminiszenzen an Szenen längst vergangener Tage zu verstehen, andererseits sich deutlich weniger amüsieren wie der erfahrene Rabbit-Kenner.
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