Von Action hab ich genug
Ich gehöre ja zu der Sorte Spieler, die gerne mal über die gute alte Zeit schwadronieren. Damals als alle Spiele sowieso und überhaupt viel besser waren als heute. Ein Grund dafür ist, dass man immer und immer wieder die gleichen Spiele spielt. Man spielt immer wieder Ego-Shooter, man spielt immer wieder Action-Adventures, reine Adventures und Echtzeit-Strategiespiele. Kein Wunder also das irgendwann eine Gewisse Spielemüdigkeit einsetzt. Man sitzt da und denkt sich: 'So dieses Spiel könnte ich ja jetzt eigentlich spielen'. Doch dann denkt man: 'Och nee, dass läuft mir ja nicht weg, ich mach erst mal etwas anderes.' Ein neues Spiel gibt einem nicht mehr den selben Kick wie früher, als alles neu und frisch gewesen ist. Nun habe ich mir also World of Goo besorgt. Ein winziges kleines, dafür liebevolles Progrämmchen. Es ist schnell installiert, da es nicht mal 100 MB groß ist. Einen Kopierschutz gibt es nicht. Internetaktivierung ist auch nicht nötig und es läuft 100 % flüssig auf meinem 7 Jahre alten Laptop.
Das kickt wie früher
Dann starte ich mit einem doppelklick das Programm und bekomme sofort ein kribbeln, wie ich es noch von früher kenne. Ein kribbeln weil ich mal wieder etwas Neues ausprobiere. Nicht das tausendste C&C habe ich gerade gestartet, auch nicht den neusten Need for Slow Teil. Nein das ist ein Knobelspiel. Früher hab ich solche Spiele gerne gespielt. Mit dem ersten Crazy Machines habe ich Jahre verbracht und bei Sokobahn habe ich hunderte eigener Level kreiert. Nun war es also wieder da, dieses kribbeln beim ersten Start eines neuen Spiels.
Baue einen Turm
Das Spielprinzip ist simpel und bedarf keines Handbuchs. Man hat eine bestimmte Menge an Goos. Kleine schwarze Kugeln mit süßen Glubschaugen. Diese Kugeln lassen sich immer an jeweils zwei Enden miteinander verbinden. So kann man nach und nach die Goos zu einem Turm zusammenbauen. Ziel in jedem Level ist es ein Absaugrohr mit seiner Konstruktion zu erreichen. Der erste Level ist noch ganz einfach. Schnell setzt man eine Handvoll Goos zu einem Turm zusammen und hat das über ihnen liegende Rohr erreicht. Die nicht verbauten Goos werden nun abgesaugt. Jeder Level schreibt dabei eine Mindestanzahl an Goos vor, die abgesaugt werden müssen. Die restlichen geretteten Goos kommen dann auf ein Extra-Konto. Aus denen kann man dann später einen möglichst hohen Turm bauen und sich mit den anderen Spielern in der Welt vergleichen kann. Später kommen weitere Goo Arten dazu. Die grünen Goos z.B. können sich an drei Endpunkten festhalten und lassen sich auch wieder lösen wenn man sie verbaut hat. Die schwarzen kann man immer nur einmal verbauen, dann bleiben sie dort. Dann gibt es noch weiße Goos in Tropfenform, rote Goos die in Verbindung mit Feuer explodieren und auch stachelige die sich an Oberflächen krallen können.
Leveldesign at his best
Aus diesen ganzen Möglichkeiten, die sich aus den verschiedenen Goo Arten ergeben, haben die Entwickler schlicht fantastische Levels gebaut. Es kommt fast keine Aufgabenstellung mehrfach vor. In nahezu jedem Level erwartet einen etwas neues, dadurch bleibt die Neugier stets erhalten. Wodurch man immer denkt: 'So den einen Level noch. Nur noch mal schnell gucken was im nächsten Abschnitt auf mich wartet.' Ein simpler Kniff, den sich z.B. die Assasins Creed Macher merken sollten. Mal heißt es eine lange Explosionkette in gang zu setzen damit eine vorher gebaute Brücke im richtigen Winkel umkippt. Dann wieder muss man mit Hilfe von Ballons einen Turm mit Hilfe des Windes über mehrere Abgründe kippen. Dann wieder muss man eine Brücke an sich drehenden Zahnrädern vorbei bauen und und und. Jeder Level ist anders und jeder Level eine Herausforderung. So und nicht anders muss ein Spiel aufgebaut sein.
Einfach schön
Die Technik des Spiels ist zwar simpel, aber unheimlich schön. Ein grafisch reduzierter aber dafür sehr stilsicherer Look. Alles in der Welt der Goos wirkt stimmig und vermittelt einem den Eindruck, so muss es sein und nicht anders. Dieses Spiel ist einfach schön, unabhängig von Polygonzahlen oder Shader-Effekten. Auch der Sound fügt sich in dieses stimmige homogene Bild mit ein. Mal treibende Klänge, dann wieder ruhige meditative Stücke. Wenn man auf der Arbeit die Melodie eines Spiels summt, ist das immer ein Gütesiegel wie ich finde. Um diese ganze schöne und knifflige Knobelei, erzählt das Spiel auch noch eine kleine Geschichte. Eigentlich sogar mehrere. Diese ist sehr nett über in den Levels aufgestellte Schilder erzählt. Alle aufgestellt von einem unbekannten Schildermacher. Egal ob die Erweckung einer schlafenden Schönheit, der Wiederaufbau der Datenautobahn oder die Suche nach einer Energiequelle für eine alte Fabrik. Die leicht verschwurbelte künstlerische Art des Erzählens, passt wie schon der Rest einfach zusammen.
Fazit
Eigentlich wollte ich nur einen knappen Kurztest schreiben. Spielmechanisch gibt das Spiel ja auch nicht allzu viel her. Dennoch bin ich jetzt schon eine gute dreiviertel Stunde am schreiben. Dieses Spiel hat mich nun einmal offenkundig begeistert. Womit sich eine uneingeschränkte Empfehlung von selber ergibt. Egal welches Genre jemand bevorzugt, egal was er schon gespielt hat. Spielt alle World of Goo und holt euch das kribbeln wieder, welches ihr noch von früher kennt. Damals als alle Spiele noch toll waren.