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Die Vergangenheit hatte den einst so kämpferischen Alt-68er, der heute als Beerdigungsredner seinen Lebensunterhalt bestreitet, wieder eingeholt, als er vom Tode des früheren Freundes und Mitstreiters Aschenberger erfuhr. Dessen letzter Wille, eine Grabrede von Linde, bekannt für seine gefühlvollen, rhetorisch meisterhaften Abgesänge, versetzt diesen in inneren Aufruhr. Auf Spurensuche in der Wohnung des Verstorbenen stieß Linde nämlich auf detaillierte Pläne des Ex-Kommilitonen zu einem politischen Fanal, der Sprengung der Berliner Siegessäule! Linde findet das Paket mit dem Sprengstoff!
In etwas konstruierter Figurenkonstellation stellt Uwe Timm dem Grabredner als hedonistisches Gegenmodell die abgehobene Lichtdesignerin Iris ("ich verkaufe Licht!" -- spätestens nach einem solchen Satz flieht jeder halbwegs vernünftige Mann), als junge Geliebte zur Seite. Generationen übergreifend ergehen sich beide nun in Reflexionen über Tod, Prosecco und Klassenkampf, über äußere wie innere Verfallsprozesse und die traurigen Reste einer Gesellschaftsutopie, die heute entweder im Alkoholismus aufgeweicht ist, oder gut betucht in raunenden Esoterikzirkeln ihre neue Innerlichkeit feiert.
Eines beherrscht Uwe Timm wie auch sein Protagonist perfekt: das Referieren. Mit großem, weltmüdem Gestus wird der Weg vom Agit-Prop zum satten Bildungsbürgertum durchmessen, Handlungsstränge, kaum aufgenommen, gehen wieder verloren -- und so, liebe Trauergemeinde (wie der Leser oft angesprochen wird), werden wir allmählich von grenzenloser Trauer erfüllt über etwas, was, stringenter erzählt, ein Generationen-Thriller mit brisanter hochexplosiver Altlast hätte werden können. Stattdessen werden wir in ein philosophierendes Agit-Quasselseminar gesetzt, der weinerlichen Nabelschau eines luxuriös lebensüberdrüssigen Mittfünfzigers mit Vaterproblemen, der in larmoyanter Süffisanz über seltene Rotweine schwadroniert, die Farbe Rot esoterisch ausleuchtet und Montaigne-Zitate zum Besten gibt, bis er am Ende sein Sprengstoffpaket doch noch loswird. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Timm ist ein wortmächtiger Erzähler, dessen Sprache rasch vereinnahmt, die von brillierender Schönheit ist. Sie geht einher mit origineller Dramaturgie, die die eigentlich eher tröpfelnde Geschichte mit einer Art Druck ausstattet, der sich auf den Leser überträgt. Auch viele Wiederholungen und deklamierend vorgetragene linke Allgemeinplätze langweilen deshalb nie, während sich das schillernde Mosaik nach und nach zusammenfügt, um schließlich in der titelgebenden Farbe zu leuchten. Großartige Literatur.
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