Es gibt nur wenige Dinge in meiner Ansammlung von Musikelektronik, die ich so sehr liebe wie den Micro Cube. Der kleine Klotz (23 x 23 x 17 cm) ist natürlich kein Wattwunder, sondern ein Mini-Übungsverstärker für zu Hause. Dank Batteriefach für 6 AA-Zellen und Gurtknöpfen zum Anbringen eines Trageriemen ist er auch eine prima Unterstützung für Straßenmusiker.
Zunächst mal zu den Anschlüssen:
Auf der Rückseite
- der Anschluss fürs Netzteil mit Schutz des Kabel gegen versehentliches Rausziehen
- Loch für eine Diebstahlsicherung (wie man sie auch von Laptops kennt)
- eine 6,3 mm Klinkenbuchse für den Anschluss eines Kopfhörers oder eines Aufnahmegeräts
- eine 3,5 und eine 6,3 mm Klinkenbuchse, der als Aux-Eingang dient (Einspeisen eines Line-Signals als Playback).
Auf der Oberseite
- eine 6,3 mm Klinkenbuchse zum Anschluss von Gitarre, Keyboard oder dynamischem Mikro.
Regler und Knöpfe:
- ein Auswahldrehknopf für die Simulation verschiedener Verstärkersounds (Acoustic, Jazz Chorus, Black Panel (Fender Combo), British (Vox Combo), Classic (Marshall), Rectifier (Metal) und die Position "Mic" für den Anschluss eines dynamischen Mikros statt eines Instruments.
- Gain-Regler zum Übersteuern
- Volume-Regler
- Tone-Regler (leider keine getrennten Treble/Bass)
- Auswahlknopf für Effekte (zur Auswahl stehen, Chorus, Flanger, Phaser, Tremolo), wobei die Effektstärke in engen Grenzen eingestellt werden kann
- Echo/Reverb-Regler
Mit an Board ist außerdem noch eine elektronische Stimmgabel, mit der man sich ein A, Ab oder G geben kann. Der Taster für den Stimmton reagiert berührungsempfindlich = leicht drücken, leiser Stimmton; fest drücken, lauterer Stimmton.
Lautstärke ist genau richtig für den Heimbedarf und die Signalqualität über den Kopfhörerausgang ist sehr gut ohne übermäßiges Rauschen. Ich habe auch noch einen großen Cube mit 60 Watt, benutze aber zum Üben über Kopfhörer und direkt aufnehmen immer den MicroCube, weil er einfach viel weniger rauscht. Für den Proberaum würde der Mini natürlich nicht reichen. Bei zu großer Lautstärke neigt der kleine Lautsprecher nämlich schon mal zum Flattern bei tiefen Tönen. Was aber zu meinem Erstaunen noch gut ging, war der Betrieb mit einem akustischen Bass. Akustische Bässe sind ziemlich leise und brauchen schon beim Zusammenspielen mit einer unverstärkten akustischen Gitarre etwas elektrische Unterstützung, um nicht unterzugehen. Dafür reicht es, ohne dass der Lautsprecher kracht.
Die Verstärkersimulationen sind immer Geschmackssache. Da ich zur traditionell orientierten Jazz-Abteilung unter den Gitarristen zähle, sind mir die "cleanen" Einstellungen am liebsten und ich brauche keinen Marshall oder Metal-Sound. Ich benutze meist die Einstellungen für den klassischen großen Fender-Combo und habe damit sehr gute Ergebnisse. Mit einer Archtop Jazz-Gitarre kriege ich dann zu Hause einen netten Misch-Sound hin, halb verstärkt aus dem Roland und halb hört man noch den akustischen Klang der Gitarre. Macht sich sehr gut für Mikrofon-aufnahmen.
Die Effekte (auch über Kopfhörer alle Mono) sind ehrlich gesagt bescheiden, nur den Chorus benutze ich gelegentlich. Der Hall klingt noch ganz in Ordnung, das finde ich wichtig beim Benutzen mit Kopfhörer, sonst geht es doch arg auf die Ohren. Beim Echo sind mir die Einstellmöglichkeiten zu gering, um etwas Sinnvolles damit machen zu können. Man kriegt immerhin noch so etwas wie einen Rockabilly-Sound damit hin.
Von Vox gibt es einen ähnlich kleinen Übungsverstärker mit Verstärkersimulationen, den ich auch mal ausprobiert habe und der sehr gut klingt. Was den Roland aber vor allen anderen ähnlichen Verstärkern auszeichnet, ist die Robustheit. Die ganze Konstruktion ist unheimlich stabil und stimmig. Ich würde den Knirps jederzeit wieder kaufen. Gibt es übrigens auch in weiß und rot.