Wer erwartet von Mark S. Choate ein Bündel Kochrezepte über die Programmierung von RealBasic-Projekten zu erhalten, wird sicherlich von dem Buch enttäuscht sein. Auch die Konzepte einer Plattform übergreifenden Programmiersprache erschliessen sich dem Leser nicht unmittelbar, obwohl dies der Titel des Buches ist.
Wer jedoch bereit ist, dem Autor in seiner trocken-humorigen Art bei der Entwicklung von elementaren Aspekten der Programmierung wie Datentypen, Operatoren, Prozeduren bis hin zu Methoden zu folgen, der erfährt Grundlegendes über Programmentwicklung im Allgemeinen und REALBasic im Besonderen. Ein Genuss ist das Studium von Objekten und Klassen. Obwohl entsprechende Programmiertechniken nicht gerade eine aktuelle Erfindung sind, breitet Choate dieses schwierige Thema im Stile eines D. E. Knuth ungemein verständlich und gut nachvollziehbar auf, und an mancher Stelle mögen Leserin und Leser erstaunt sein, was sie bisher in ihrem Dialekt der Dot.Notation eigentlich getan haben.
Erst bei der Beschreibung der REALBasic-Konzepte in Form einer sehr ausführlichen Referenz treten die Aspekte der Plattform übergreifende Programmierung in den Vordergrund. Hier ist das Buch desillusionierend ehrlich. Wer glaubt, umfangreiche Projekte gleichermassen für Windos, Linux und MacOs entwickeln zu können, muss seine Projekte sehr genau planen, um zu vermeiden, dass die jeweiligen Objekte unterschiedliche Wirkungen entfalten. Manchmal stellt sich sogar der Eindruck ein, Choate rät eher zu einer Parallelentwicklung. Trotz des Public Imaging der REALBasic-Macher, kann es sich lohnen, dem Autor in diesem seinem Ansatz zu folgen.
Man findet viele generische Code-Schnipsel in dem umfangreichen Buch. Diese sind jedoch eher als Ersatz für Grafiken zu sehen, denn als Rezepturen. Lediglich am Beispiel eines RSS-Readers werden Programmierstrategien detaillierter umgesetzt, ohne dass Choate den Zusatznutzen dieses Programm durch eine beigelegte CD adelt. Einige REALbasic-Konzepte wünscht man sich ausführlicher beschrieben. Beispielsweise wird die Datenbankimplemetierung sehr kurz behandelt. An anderer Stelle wundert man sich jedoch über Möglichkeiten von REALbasic, die man bislang noch gar nicht erfasst hat, wie Shells und Scripting.
Trotz sachlich-spröden Layouts, für ältere Menschen nahezu diskreminierender Schriftgröße ist das Werk in klassischem Sinne bibliophil. Die über 600 Seiten sind klar gegliedert, der Leser wird durch die Kapitel geführt und man kann über einen sehr ausführlichen Index referenzieren. Wer bereits seine ersten eigenen Primzahlberechnungen programmatisch hinter sich hat und der Meinung ist, die Programmentwicklung mit REALbasic sei das geeignete Werkzeug für andere Projekte (was ja auch stimmt), dem sei Choate und dieses sein Buch wärmstens empfohlen. Zum Lesen, nicht zum Abschreiben!
Noch ein Letztes: Das Buch erscheint in englischer Sprache. Vielleicht findet sich ja ein Idealist, der es ins Französische überträgt. Dann könnte es leichter ins Italienische, Spanische und schließlich Deutsche übersetzt werden.