Ich habe mir das Asus Netbook zu Weihnachten gegönnt. Netbooks sind ja fast eine aussterbende Gattung, aber ich will nicht auf eine echte Tastatur verzichten und Office-Anwendungen ernsthaft verwenden können. Bei mir ist sogar noch der Ur-EEEPC (7-Zoll-Bildschirm)von vor 5 Jahren in Betrieb, nicht kaputtzukriegen, sogar noch mit dem ersten Akku, daher dachte ich, dass ich beim Nachfolger nicht viel falsch machen kann.
Die Optik des ASUS R11CX mit der strukturierten Oberfläche ist chic (rot) und das Display ist matt, beides ein Segen gegenüber den üblich gewordenen Spiegeldisplays und Klavierlackgehäusen. Mit der Tastatur (im "Apple-Stil" flach und mit Distanz zwischen den (Hartplastik)-Tasten) muss ich mich erst noch ein bisschen anfreunden. Das Teil ist sehr(!)leise, denn nur die Festplatte gibt ja Laut. Die Akkulaufzeit konnte ich noch nicht ausprobieren, aber so wie er bis jetzt läuft, sind echte 4 Stunden wohl realistisch. Kleiner Schönheitsfehler bei meinem Gerät: es liegt nicht ganz plan auf der Tischplatte. Ansonsten macht die Verarbeitung einen guten Eindruck. Das Gerät wird auch nicht gar so arg warm, wie der Hersteller glaubt, wenn er warnt, es einfach so auf den Schoß zu nehmen (vielleicht im Sommer auf die nackten Oberschenkel tatsächlich ein Problem?)
Auf der Festplatte liegt fertig installiert ein Ubuntu Linux 12.04 mit dem neuen Unity-Desktop. Das läuft mit dem 1 GB Hauptspeicher absolut flüssig, auch mit einem halben Dutzend offenen Anwendungsprogrammen. Über eine Hauptspeichererweiterung, die sich fast alle Windows-User in den anderen Rezensionen herbeisehnen, die aber mangels Steckplatz nicht möglich ist, braucht man unter Linux daher nicht nachzudenken. Hinzu kommen die bekannten Vorteile des freien Betriebssystems: kostenfrei, quelloffen, und man hat quasi einen kostenlosen App-Store gleich mit dabei, im "Ubuntu Software Center". Von dort habe ich mir meine häufig benutzten Anwendungen gleich unterm Weihnachtsbaum nachinstalliert. OpenOffice ist schon drauf, dazu Bildbearbeitung (GIMP), Vektorzeichnungen (INKSCAPE) und Desktop Publishing (SCRIBUS), Audio-Editing (AUDACITY), dazu dutzende andere kleinere Helferlein. Das Ubuntu Software Center macht auch von sich aus Vorschläge für Programminstallationen, interessante Neuerscheinungen, Standardprogramme. Na ja, und Virenschutz benötigt man mit einem Linux-System ja bekanntlich nicht, der frisst deswegen weder Kleingeld noch Hauptspeicher weg.
Auf dem Gehäuse des Asus R11CX prangt ein Aufkleber "Ubuntu Certified". Damit übernimmt der Anbieter die Verantwortung dafür, dass alle Sondertasten und alle Hardware-Komponenten (Sound, WLAN, Kamera)mit dem Betriebssystem funktionieren. Das tun sie auch, und zwar perfekt. Wer Linux schon mal auf Laptops installiert hat, weiß, dass immer mal eine Komponente herumzicken kann oder eine Funktionstasten-Kombination nicht funktioniert. Diese Sorge ist man hier los.
Fazit: Die preisgünstigere Variante des Geräts ist zugleich die bessere. Meine Wünsche werden von dem Gerät zu 100% erfüllt. Das Konzept sehr kleiner Preis, handliche Größe, eher schwache Hardware mit effektivem Linux OS, lange Akkulaufzeit, flexible echte PC-Peripherieanschlüsse (VGA, HDMI, LAN, SDHC), echte Tastatur bewährt sich meines Erachtens immer noch, auch wenn in der Käufergunst Tablets die Netbooks fast ganz verdrängt haben.
Ach, noch was: Beim Ur-EEEPC (siehe oben) hatte ASUS eine angepasste Linux-Version erstellt. Als der Kundenanklang nachließ, ließ der Hersteller auch die Weiterentwicklung dieses Spezial-EEEPC-Linux fallen. Die Verwendung einer Mainstream-Distribution (Ubuntu) auf dem R11CX sorgt nun dafür, dass man auch ohne das Wohlwollen des Herstellers nicht von der Weiterentwicklung abgeschnitten wird.