Bisher hatte ich noch nie ein Netbook in den Händen. Ich war der Meinung, dass so ein kleiner Taschencomputer niemals mit einem Laptop mithalten kann. Nachdem ich den ASUS EEE PC kräftig geknechtet habe, muss ich meine Meinung revidieren.
1. Erster Eindruck:
Schon vor dem Einschalten fallen drei Dinge positiv auf.
+ Das Gewicht: 1079 g, also weniger also so manches Buch wiegt, das ich mit mir herumtrage.
+ Größe: 26cm x17cm x 2cm => passt in meine Handtasche (die zugegebenermaßen eine typische große Sacktasche ist, wie Frauen sie eben mit sich herumtragen).
+ Das Gehäuse ist in Carbonoptik: Kratzer fallen nicht sonderlich auf (habe es mit einem Kuli auspobiert).
+ Der Bildschirm ist matt: Mir sehr, sehr wichtig. Ich hasse es mich im Bildschirm zu spiegeln und hatte eine zeitlang richtiggehend Probleme passende Laptops zu finden, die keinen spiegelnden Bildschirm haben.
+ schön langes und leichtes Ladekabel (136 g), welches beim Laden leider ziemlich fiese hohe Töne von sich gibt (hört man nur in stillen Räumen)
2. Inbetriebnahme:
System: Windows 7 Starter (leider konnte ich nirgends finden ob es eine 32 oder 64 bit Version ist), also eine abgespeckte Windows 7 Version, die vor allem bei den optischen Effekten spart. Wo genau kann ich nicht sagen, da ich diese Effekte bei meinem Hauptrechner gleich nach der Installation abgestellt habe. Hier also kein Unterschied zu meinem Hauptrechner, da ich in Sachen optische Effekte Minimalist bin.
Schritt für Schritt Anleitung für Systemrecovery im Falle einer Neuinstallation liegt dem Rechner bei.
Die Systemaktivierung dauerte ziemlich lange. Ich habe zwischen drinnen einfach gekocht und den Rechner sich selber überlassen. Er versucht zwar schon bei der Inbetriebnahme mit den vorhandenen W-LAN in Verbindung zu treten, schafft es jedoch nicht den 16-stelligen Code anzunehmen. Diesen Schritt habe ich also erst einmal übersprungen und das System sich erst einmal komplett aktivieren lassen. Nach der erfolgreichen Systeminitialisierung ging die Verbindung mit dem Heim W-LAN sofort und problemlos. Der Rechner schlägt eine Registrierung bei ASUS vor, die ich aus Garantiegründen allen Onlinekäufern empfehlen würde. Das Netbook trägt dabei seine Serienummer selbstständig ein, man muss sie also nicht suchen.
3. Zweiter Eindruck:
Festplatte:
Die Platte ist von Anfang an 50:50 in C und D partitioniert. C für das System und D kann für Daten verwendet werden. Mit 250 GB ausreichend groß (genauso groß wie bei meinem Hauptrechner) und wenn es mal mehr wird, dafür gibt es schließlich externe Festplatten.
Anschlüsse:
Es gibt 2 USB Anschlüsse, einen rechts und einen links, aber leider keinen USB 3. USB Maus wird sofort erkannt und installiert. Auch 2 verschiedene Festplatten werden problemlos erkannt und können auch gleichzeitig Daten auf den EEE PC transferieren, ohne dass dieser muckt.
Es kann ein externer Bildschirm oder Beamer angeschlossen werden (Anschluss links). Ein SD Card Reader ist vorne links vorhanden.
Ethernetanschluss ist vorhanden (rechts).
Kopfhöreranschluss rechts vorne vorhanden.
Touchpad reagiert tadellos. Irritierend nur, dass es keine zwei Tasten gibt, sondern nur eine, die aber rechts und links klicken unterscheiden kann. Ein Mausknubbel in der Mitte der Tastatur fehlt.
4. Installation von Software:
Office 2010 ist vorhanden und muss nur aktiviert werden. Wer also eine gültige Lizenz besitzt, kann diese sofort aktivieren.
Normale Textverarbeitung und Tabellenkalkulation klappt aber auch problemlos mit Libreoffice 3.3 (+ Java)
Installation von Software, die man auf CD besitzt ist umständlich, da diese zunächst auf eine externe Festplatte transferiert werden muss, oder über ein Netzwerk installiert werden muss, da der EEE PC kein CD-Laufwerk besitzt. Alternativ kann man auch ein CD Laufwerk über USB anschließen.
Erste Schritte:
+ Installation von Firefox und Thunderbird + Übernahme meiner Profile vom Hauptrechner mittels Mozbackup: Problemlos. Alle Add ons laufen. Kein Unterschied in der Geschwindigkeit zu meinem Hauptlaptop (DELL Latitude E6500, OK, ja der ist schon 3 Jahre alt) zu erkennen. Selbst Zotero, das auf meinem Hauptrechner öfter mal zickt, macht keinerlei Probleme
+ Installation der Sicherheitsprogramme zonelabs und avira: Problemlos. Laufen sofort wie gewohnt. Kein Performanceverlust erkennbar.
+ Installation der üblichen Mediensoftware wie winamp, Nokia Ovi: Problemlos. Da die Nokia Ovi Suite unter Vista auf meinem großen Rechner erhebliche Probleme machte, war ich überrascht, dass sie hier sofort problemlos funktionierte.
+ Auch die T-Online Software funktioniert tadellos.
+ Braucht für den Start nicht länger als mein 3 Jahre alter DELL Latitude.
Medienwiedergabe:
+ mp3: Problemlos. Der Klang ist nicht schlechter als bei meinem DELL Latitude 6500 (der zugegebenermaßen da seine Schwächen hat)
+ avi: Film, 895 MB groß, gibt der Mediaplayer auch im Vollbildmodus ruckelfrei wieder.
+ Flashplayer und Co funktionieren auch problemlos
5. Akku:
Hier gibt es zwei Betriebsarten
1. den ausbalancierten Modus: Dieser ist nicht energiesparend und das Akku hält wie bei einem normalen Laptop etwas über 2 Stunden, das steigert sich jedoch langsam über einen längeren Gebrauchszeitraum, aber nicht wesentlich.
2. den energiesparenden Modus: den kann man selber definieren. Aber wie auch immer ich ihn einstelle, derzeitig komme ich nicht einmal in die Nähe von 5 Stunden, eher 2,5-3 Stunden, mehr scheint nicht drinnen zu sein, selbst mit Abdunklung des Bildschirms und frühem Abschalten des Bildschirms. Wie man die 5 Stunden Laufzeit mit denen geworben wird erreichen soll, ist mir bisher noch ein Rätsel. Da das Akku aber sehr schnell lädt, ist das kein wirkliches Problem in meinen Augen. Irgendwo findet sich immer eine Steckdose, wo man den Rechner 30-40 min einstecken kann. Der energiesparende Modus ist für mich keine wirkliche Alternative, weil das Netbook in diesem auch langsamer zu sein scheint. Was bringt mir eine lange Laufzeit, wenn ich die schon brauche, weil alles langsamer funktioniert?
Der Rechner verbraucht im nicht heruntergefahrenen Schlummermodus erstaunlich viel Energie: in 24 Stunden verschwinden so 10-15% Leistung (18°C Raumtemperatur).
6. Benchmarkergebnisse:
3DMark03 - 684 3DMarks
PCMark05 - 1246 PCMarks
7. Tastatur und Tippverhalten:
Die Tastatur ist wie eine normale Laptoptastatur belegt. In Blau sind über fn zuschaltbare Funktionen hinterlegt, wie Nummernblock, oder spingen nach Position 1 oder Springen nach Ende...
Von den Maßen her ist die Tastatur natürlich kleiner als bei einem Laptop, so dass ich schon mal die falsche Taste treffe, wenn ich blind tippe.
Beim online schreiben unter Firefox ist der Rechner teils ein wenig langsam. Ich tippe und er kommt nicht hinterher und ich muss ab und an warten, dass alle Zeichen nach und nach erscheinen. Ob das an Firefox liegt oder an der Langsamen W-Lan Verbindung kann ich nicht genau sagen, ich tippe auf die Verbindung, da ich das Problem auch schon bei meinem Laptop ab und an hatte.
Laut Beschreibung kann der EEE PC angeblich sehr warm werden und soll daher nicht auf dem Schoss benutzt werden. Ich hatte darauf gehofft endlich mal warme Hände zu haben, bzw. mir diese am Rechner wärmen zu können. Leider wurde ich enttäuscht. Auch nachdem ich das Netbook durch massiven Datentransfer größeren Dateimengen von zwei Festplatten gleichzeitig geknechtet hatte, war er immer noch eher lauwarm, nichts mit Hände wärmen, hier sind weiter Stulpen angesagt.
Fazit: Ich bin extrem positiv überrascht. Ich hatte erwartet, dass so ein kleines Netbook ein halber PC ist. Stattdessen kann ich alles machen, was ich auf meinem normalen Rechner sonst auch tue (brauche beim Öffnen der Programme aber ein bischen mehr Geduld). Ich bin kein Gamer, sondern normaler Nutzer, der mal Filme schaut, Musik hört, im Internet surft und Textverarbeitung und Tabellenkalkulation betreibt, und das schafft der Kleine allemal, nur wiegt er auf Geschäftsreisen nur 1 kg und nicht 2,5 kg und passt in die Handtasche. Die komplette Inbetriebnahme incl. Softwareinstallationen dauerte keine 2 Stunden und ging erstaunlich reibungslos vonstatten.
Wie sich das Akku verhält wird die Zeit zeigen, aber schon nach dem ersten Mal laden hat es problemlos die 2 Stunden Installation mit Energie versorgt.
Definitiv nicht als Haupt- und Arbeitsrechner geeignet, aber als mobiles kleines Zweitgerät für Dienstreisen und unterwegs (wofür diese Rechner auch konzipiert sind) sehr gut.
Nachtrag: Kaum einer wird diesen für Mobilität ausgerüsteten Rechner über ein Ethernetkabel (komplett mit IP, Subnetz, DNS, Domain und Workgroup) anschließen, aber ich habe es dennoch versucht. Ja, man kann das Netbook mittels Kabel im Firmennetzwerk einbinden, aber die Einrichtung ist die Pest. Die Eintragungen müssen an vielen verschiedenen Stellen vorgenommen werden, werden teils nicht sauber übernommen und das Netzwerk muss in den Netzwerkeinstellungen ab und an deaktiviert und wieder aktiviert werden. Hier merkt man deutlich, dass Win Starter eine abgespeckte Windows Version ist, die auf Mobilität und W-Lan setzt.