Mit R.U.S.E wagt Ubisoft nach Tom Clancy's Endwar bereits den zweiten Versuch einer innovativen Neuausrichtung im Strategie-Genre. Und im Gegensatz zum ersten Anlauf, der aus meiner Sicht völlig daneben ging, geht das Konzept von R.U.S.E auf - und zwar auf der ganzen Linie.
Ein nicht nur optisch gut in Szene gesetztes Szenario mit einer ansprechenden Storyline, eine Grafik, die sich mehr als sehen lassen kann, und dazu anspruchsvolle Missionen, die einen taktisch fordern - zumindest solange man nicht den einfachsten Spielmodus wählt.
In der Einzelspielerkampagne rückt man in 23 Missionen gegen die feindlichen Stellungen vor, mal geht es um die Eroberung einer gegnerischen Basis, mal muss die eigene für ein vorgegebenes Zeitfenster verteidigt werden, dann sind bestimmte Personen zu fangen, einzelne Objekte auszuschalten oder zu beschützen.
Man agiert in vielen Missionen mit Unterstützung alliierter Truppen, die man zwar nicht steuern kann, die aber meist dabei behilflich sind die Missionsziele zu erreichen. Nicht selten sind diese Einheiten in die Erfüllung von Missionszielen integriert. Die eigene Einheiten-Auswahl kann sich sehen lassen, wer sich dem Feind erfolgreich entgegen stellen will, muss stets eine ausgewogene Wahl treffen, die Rohstoffbeschaffung für den Einheitenbau erfolgt klassisch über Nachschublager, die man errichten oder erobern muss. So gesehen bietet R.U.S.E viele Standardelemente des Genres, wer sich mit diesen auskennt, findet sich bei diesem Spiel überaus schnell zurecht. Die Steuerung ist simpel und einprägsam, der Blick auf die stufenlos dreh- und zoom-bare Karte nicht weniger als optimal.
Der wahre Clou von R.U.S.E sind jedoch die Spezial-Funktionen, mit denen man den Gegner im wahrsten Sinne des Wortes hinters Licht führen kann. In den einzelnen Sektoren des Kampfgebiets lassen sich diese Funktionen / Fähigkeiten einsetzen, stets für ein begrenztes Zeitfenster, aber in diesem äußerst effektiv. Die eigenen Einheiten zur Funkstille anhalten, ihr Tempo zu beschleunigen, mit Spionen gegnerische Stellungen auskundschaften oder den Funkverkehr des Gegners stören gehört hierbei noch zu den einfacheren Möglichkeiten. Viel effektiver ist die Entsendung einer Tarnarmee, die den Gegner glauben macht er würde angegriffen oder die Tarnung der eigenen Gebäude gegen feindliche Luftangriffe. Mit Hilfe von Propaganda gegnerische Einheiten zum Rückzug zu zwingen und mit ähnlichen Mitteln angeschlagene Truppen der eigenen Reihen am Rückzug zu hindern sind in einigen Situationen ebenso unersetzbare Helfer. Hier gewinnt R.U.S.E ungemein, ganz abgesehen davon, dass es einfach ein überaus gelungenes Echtzeitstrategiespiel im klassischen Gewand, aber in überaus schicker Aufmachung darstellt. Und wer nicht nur gegen die KI antreten möchte, der wird sicher auch mit dem umfangreichen Multiplayer-Modus glücklich.
Für mich ist R.U.S.E eine klare Kaufempfehlung an alle, die dem Genre und bekannten Franchises wie Command & Conquer, Star Craft oder auch Age of Empires was abgewinnen können.