Wer Urlaub auf Rügen machen möchte, hat zunächst einmal eines: eine lange Anfahrt. Je tiefer man im Süden Deutschlands wohnt, desto weiter wird die Reise.
Und dann die Ernüchterung: Staus auf den Anfahrtsstraßen, eine vierspurige Brücke "hinüber", die sich aber schnell wieder verengt, und dann sind nur ein paar Hügel zu sehen, von Uferromantik und steil abfallenden Klippen ist zunächst keine Spur. Da muss man sich erst an Parkplatzanweisern und Hinweisschildern vorbeimogeln, irgendwie nach dem Weg fragen, sich durch Massentourismus in ausgewiesenen Kurzonen kämpfen und Postkartenständern ausweichen, die wie moderne Piraten nur eines wollen: das Geld aus der Brieftasche des Urlaubers. So hatte man sich Rügen gewiss nicht vorgestellt.
Irgendwann wird es besser. Und man entdeckt Rügen. Und nach einer Überfahrt mit dem Schiff auch die Insel Hiddensee.
Sind Sie schon einmal bei strömendem Regen durch belaubte Buchenwälder gewandert? Haben Sie das Rauschen der Blätter über sich gehört, das beinahe an ein Orchester erinnert? Oder wie wäre es mit einem stundenlangen Aufenthalt am Strand, auf der Suche nach Hühnergöttern (kleine Steine mich Kreideeinschlüssen, die aufweichen und zu einem Loch im Stein werden)?
Das ist Rügen. Und manchmal findet man ein Stück davon auch auf den Sehnsuchtskalender. Natürlich fehlen die Postkartenständer und Parkplatzgebühreneintreiber, die es überall gibt. Staus sind auch nicht abgebildet.
Wenn Sie dann immer noch nach Rügen und Hiddensee wollen, weil sie der Kalender mit seinen schönen Bildern erst auf die Idee gebracht hat - na, dann fahren sie doch einfach. Sollte ich auch einmal wieder tun. Vielleicht im Herbst oder Winter, wenn es draußen stürmt und ich von einer Reetgedeckten Kate und mit einer Tasse heißen Grog in der Hand auf einsame, endlose Strände gucke. Oder hinausgehe und mir die Ostseeluft um die Nase wehen lasse, sofern mit der Sturm nicht davonweht.
Bei schönem Wetter und zur Hochsaison kann schließlich jeder in Urlaub fahren.