Nur ein Konzertflügel sei übriggeblieben in Kabul, schreibt Gerd Ruge am Ende des Buches "Rückkehr nach Kabul". Zwar fehlen dem Instrument die Beine, aber, so ein Afghane, er bekommt wieder welche.
Diesen vereinzelt wieder aufkeimenden Optimismus zu unterstreichen scheint Ruge ein fundamentales Anliegen zu sein. Als Ruge im letzten Jahr Afghanistan besuchte, erkannte er die Stadt kaum wieder. War sie doch bei seinem Besuch dreizehn Jahre zuvor noch gänzlich unzerstört. Im Vergleich mit seinen damaligen Eindrücken sind die jüngsten Zerstörungen in Kabul zwar von schockierendem Ausmaß, aber vielerorts finden sich auch Anzeichen einer Wiederbelebung der Stadt.
In gewohnter Manier beleuchtet der vielfach ausgezeichnete Auslandskorrespondent Ruge schlaglichtartig einzelne Menschenschicksale, aber auch Eindrücke von Häusern, Straßen, Parks oder Schulen. Begleitet wird sein Text von anschaulichen, oft ausgezeichneten Fotos. Alte Aufnahmen aus den 1960ern werden dabei aktuellen Bildern gegenübergestellt. Letztere stammen von dem Architekten Philipp Meuser, der im Sommer diesen Jahres in Kabul war. Teils klagen die Bilder an, da sie auf eindringliche Weise die Kriegsschäden und die Armut im Land schildern, teils unterstreichen sie den von Ruge beobachteten Optimismus.
"Rückkehr nach Kabul" ist meiner Meinung nach ein Buch, das authentisch, aber nicht gefühlsduselig, engagiert, aber nicht belehrend ist.