Lange hat mich dieses Buch begleitet. Nicht weil es so schön war oder weil ich es gerne gestreckt habe; nein, ich habe mich schwer damit getan.
Lessing - als Novellistin sehr empfehlenswert - ist als Journalistin resp. Berichterstatterin anstrengend. Über 100 und wieder 100 und wieder 100 Seiten hatte ich das Gefühl, von einer zeternden, jammernden, nörgelnden alten Frau zu lesen. Sie macht genau das, was sie ihren ehemaligen Landsleuten vorwirft: Sie hätte sie gerne anders, als sie sind, so kann sie nur vorwerfen und anklagen. Doch leider nicht im Sinne eines J'accuse.
Es sind stets die gleichen Dinge in wechselnden Verpackungen, die Lessing beschäftigen. Menschen, die sich nicht ändern; Verhältnisse, die sich nicht ändern; Hierarchien, die sich nicht ändern. Was sich ändert ist die Straße (nicht figurativ, sondern materiell).
Erst ab der dritten Reise (und fast auf Seite 400) entspannt sich Lessing; weil sie eine Veränderung feststellt. Der Stil wird lockerer, pointierter, nicht mehr so verbissen.
Bei all dem, was mich gestört hat (deswegen die homöopathischen Dosen beim Lesen), bin ich für den anderen Blick auf das südliche Afrika dankbar. Den Blick, der nicht getrübt ist durch fade Romantik und Buschgeheimnisse, durch die "Schwarze sind die besseren Menschen"-Einstellung, durch Ferne und Distanz. Denn Lessing liebt bei allen Schwierigkeiten "ihr" Land Rhodesien/Simbabwe und ist Insideri