Ein Sachbuch kommt bei mir etwa einmal im halben Jahr vor. Und warum? Weil ich es meist als Pflicht empfinde, ansonsten gerne nach dem Bürotag auf einen leicht zu lesenden Roman zurückgreife, davon dann auch zahlreiche. Das geht vermutlich nicht nur mir so. Denn es bestehen Vorurteile gegen Sachbücher. Z.B. dass sie häufig von Experten geschrieben sind, die sich zwar mit der Materie gut auskennen aber Schreiben nicht gelernt haben - schlicht, dass sie zäh sind. Dieses Vorurteil mag auf manches Sachbuch zutreffen, nicht auf dieses.
In einem brillanten Erzählstil beschreibt Beah die Welt in seinem afrikanischen Heimatland, wie sie vor dem Bürgerkrieg war und wie sie durch ihn verändert wurde. Faszinierend für mich war schon der Anfang, in dem der junge Beah mit seinen Brüdern für einen Talentwettbewerb Rapsongs probte, die sie im Radio gehört hatten. Ist doch wie bei uns, oder nicht? So völlig normal! Und plötzlich steht die Welt auf dem Kopf und Menschen rennen mit Waffen durch das Land und erschießen und verstümmeln wahllos ihre Mitbürger.
Beah beschreibt seine Erlebnisse ohne die Beanspruchung von Mitleid und ohne Heldentum zu suggerieren. Es ist eine Darstellung, mit der er versucht, die Ereignisse möglichst ungefiltert wiederzugeben. Und es gelingt ihm, soweit man das als Europäer überhaupt beurteilen kann, sehr gut. Anders als in einem anderen bekannt gewordenen Fall werden hier keine Behauptungen aus zweiter Hand aufgestellt, sondern wird die Authentizität der Erzählungen auch durch das Siegel "in Zusammenarbeit mit unicef" gestützt.
Übrigens: Es ist kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu bekommen, weil man das Buch spannend wie einen Roman findet. Es ist spannend, auch wenn es die Realität beschreibt. Ob man es trotzdem oder vielleicht gerade deswegen liest, ist gleichgültig. Wichtig ist, Notiz von solchen Geschehnissen zu nehmen und zu wissen oder erfahren, dass solche Dinge immer noch passieren.