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Die Rückkehr der Karavellen. Roman
 
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Die Rückkehr der Karavellen. Roman [Taschenbuch]

António Lobo Antunes , Maralde Meyer-Minnemann
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 285 Seiten
  • Verlag: Fischer (Dezember 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 359614843X
  • ISBN-13: 978-3596148431
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 12,6 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 441.912 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

António Lobo Antunes
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Daß Antonio Lobo Antunes ein Meister ist, der wenig Konkurrenz zu fürchten hat, beweisen die Hymnen, die seit einigen Jahren seine Bücher begleiten. Seine Romane sind Verführungen, Besitz, ergreifende Totalvereinnahmungen ... Vielleicht kann niemand so melodisch die schäbigen und zeitlosen Gefühle der Menschen beschreiben wie er. Das ist das Zeichen großer verfallsdatumsfreier Literatur." (Verena Auffermann, Süddeutsche Zeitung)

Kurzbeschreibung



Wenn Entdeckungsreisende in der Alten Welt vor Anker gehen


In Lissabon rasen Pferdekarren und Autos aneinander vorbei, vor Anker liegen Öltanker und Karavellen. Die großen Seefahrer der Frühen Neuzeit drängen sich mit Touristen neugierig durch die engen Gassen der Altstadt. Mit diesem karnevalesken Roman, in dem er den portugiesischen Nationalmythos gegen den Strich bürstet, hatte Antonio Lobo Antunes 1988 nach sechs autobiographischen Büchern ein großes historisches Thema gefunden und sich endgültig international etabliert.
So wie die deutsche Sage will, dass eines Tages der im Kyffhäuser schlafende Kaiser Friedrich alles zum Guten wendet, so haben die Portugiesen niemals an den Tod von König Sebastian geglaubt. Er ward zwar nicht mehr gesehen, seit er 1578 in Afrika vergebens versuchte, die Moslems zum rechten Glauben zu bringen, aber noch heute harrt das fromme lusitanische Volk seiner Wiederkehr. Antonio Lobo Antunes greift diese Legende auf, und vor dem König lässt er zunächst die bedeutendsten Entdeckungsreisenden auf ihren Karavellen den Atlantik noch einmal überqueren, um zwischen Öltankern und Flugzeugträgern auf Lissabon zuzusteuern. Pedro Alves Cabral ist unter ihnen, den es genau 500 Jahre, nachdem er Brasilien entdeckt hat, ins Rotlichtviertel verschlägt. Vasco da Gama, der als erster das Kap der Guten Hoffnung umsegelte, muss seinen Unterhalt mit kleinen Gaunereien verdienen. Und Luis de C., dem wir das portugiesische Nationalepos verdanken, beginnt seine Lusiaden auf dem Rechnungsb lock eines Kellners. Alle diese Männer, die Angola, Brasilien und Mo ambique für Portugal entdeckt haben, unterhalten sich mit den Menschen unserer Tage darüber, was aus den Neuen Welten geworden ist. Um diese Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen herzustellen, lässt Lobo Antunes mal die Sätze tropisch und barock wuchern, mal sich knäueln wie die Lianen des afrikanischen Urwalds oder die Ornamente des manuelinischen Baustils, mal schildert er lapidar und sarkastisch den heutigen Alltag, dazwischen lässt er ironische und komische Blitze leuchten.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Spätestens seit dem Nobelpreis für José Saramago ist die portugiesische Literatur nicht mehr das Mauerblümchen der europäischen Leserschaft. Saramagos Kollege Antonio Lobo Antunes, welcher selbst schon seit einigen Jahren immer wieder als möglicher Träger des Nobelpreises genannt wird, ist in seiner Heimat sozusagen der legitime Nachfolger Saramagos... und mindestens ebenso populär - wenngleich er den, was ihre Geschichte betrifft, ebenso empfindlichen wie stolzen Portugiesen gegen den Strich bürstet.

In seinen Bücher geht es, meist aus autobiographischer Sicht, um die Aufarbeitung der jüngsten Geschichte seines Heimatlandes: Das faschistische Grauen der Salazar-Diktatur. In "Die Rückkehr der Karavellen" nun, geht es um die Zeit danach... als die Revolution in Portugal gesiegt hatte, die Kolonien selbstständig wurden und viele Kolonisten aus Angst vor den Folgen dieser Verselbständigung in ihr Heimatland zurück wollen; das manche noch nie gesehen hatten.

Aber hier las ich kein Befindlichkeits-Buch, welches das soziale Drama, die Schicksale und Kämpfe lediglich aufzeichnet - hier las ich ein Kunstwerk. Sozusagen das Gerüst des Werk bilden die Namen historischer Persönlichkeiten, die eng mit der Kolonialgeschichte Portugals verknüpft sind: Die Entdecker, die mit ihren Karavellen Kontinente und Seewege entdeckten und bis heute sozusagen unumstrittene Grösse in portugiesischem Geschichtsbewusstsein haben. Es treten auf: König Sebastian, an dessen alles zum Guten kehrendeWiederkunft viele Portugiesen auch heute noch fest glauben; Pedro Alves Cabral, der vor über 500 Jahren Brasilien entdeckte; Vasco da Gama, welcher den Seeweg nach Indien fand, als er als erster da Kap der Guten Hoffnung umsegelte (Den Portugiesen so wichtig, dass sie vor drei Jahren ihr imposantestes Bauwerk, die neue Tejo-Brücke, nach ihm benannten); und schliesslich auch noch Luis de Camões, der Schöpfer des portugiesischen Nationalepos; und andere.

Alle diese berühmten Gestalten werden literarisch in unsere Zeit versetzt und begegnen den Menschen unserer Tage - setzen sich mit ihnen über die Geschichte auseinander. Die Berühmtheiten werden dabei von ihren hohen Sockeln geholt und wieder menschlich... sehr menschlich... manchmal allzu menschlich beschrieben. Dabei geht auch deftig und witzig zu, z.B. wenn es den grossen Kapitän und Brasilienentdecker ins Rotlicht-Viertel verschlägt, wenn Vasco da Gama sich mit Gaunereien "über Wasser" hält oder der National-Dichter mit geliehenem Kugelschreiber seine Verse auf einen Rechnungsblock notiert und niemand von ihm Notiz nimmt.

Dabei benutzt Antonio Lobo Antunes oft wechselnde unterschiedlich Sprachstile - was es ihm auch ermöglicht allein sprachlich unterschiedliche erzählerische Strukturen hervorzuheben. Mal schreibt er lakonisch aber auch sarkastisch über den modernen Alltag in Lissabon, um dann sehr verwickelt über die Afrikanischen Zeiten der Kolonien zu sprechen, oder er demontiert voller Ironie die Denkmäler des portugiesischen Weltreichs.

Für mich war es ein wahrer Lesegenuss - welcher allerdings nach meiner Auffassung nur deshalb so vollständig sein konnte, weil ich mich seit vielen Jahren mit portugiesischer Geschichte befasse und über Hintergrundwissen verfüge. Aber "Die Rückkehr der Karavellen" begeistert auch - da bin ich mir sicher - Leserinnen und Leser, die mit der Geschichte Portugals weniger vertraut sind.

Wilfried John

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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Portugal bizarr 19. April 2001
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Zur Lektüre des Buches ist es hilfreich -aber nicht unbedingt notwendig einige Grunddaten portugiesischer Geschicht zu kennen.Ich kenne nur das allerwesentlichste und habe das Vorwort zur (gebundenen) Ausgabe -in dem wichtige Hintergrundinformationen gegeben werden -erst zum Schluss gelesen. Gemindert hat dies den Lesegenuss keineswegs. Dieser stellt sich mit entsprechender Muse und Konzentration auch ungeachtet (realer)Hintergründe ein. Nein, es ist beileibe keine leicht konsumierbare Prosa. Vielmehr werden komplexe Strukturen entwickelt, deren Hintersinn sich erst im Laufe der Erzählung langsam lichtet.Personen,Gegenstände und Begebenheiten unterschiedlicher Zeitepochen entfalten sich gleichzeitig und werden ins Jetzt versetzt. Die personale Ebene wechselt oftmals mitten im Satz von "ich" zu "er", so dass man zunächst stutzt, bis man die Methode erkennt, die es letztlich ermöglicht jene ..."halluzinatorische Atmosphäre..." zu erzeugen von der im Vorwort auch die Rede ist.. durch derlei Verfremdung gelingt es dem Autor zu bezaubern und gleichzeitig die gewollte Entmythologisierung seines Gegenstandes (portugiesische Geschicht und Gegenwart)zu erreichen. Nicht zuletzt ist es aber der tiefgründige Humor, welcher aus allen Ecken und Winkeln dieser Prosa hervorsticht, der einem auch bei den oft ausufernd langen Sätzen bei der Stange hält- und die tiefe Empathie mit der Antunes seine tragischen Helden zeichnet. Hier erkennt man den erfahrenen Arzt( Psychiater!), als der er ja lange Jahre tätig war. Bemerkenswet natürlich auch die Leistung der Übersetzung. Fazit:Weltliteratur, sehr empfehlenswert.
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Format:Gebundene Ausgabe
"Die Rückkehr der Karavellen" ist dasjenige Buch von António Lobo Antunes, das ich Interessenten als Einstieg in das Werk zuerst empfehle - noch vor dem noch etwas holprigen "Elefantengedächtnis".

Die Abschnitte in der typisch gebrochenen Erzählweise sind - noch - verhältnismäßig lang, man kann die Zuordnung zu den einzelnen Erzählsträngen - noch - leicht nachvollziehen. Auch der Umfang ist noch überschaubar. In einigen späteren Romanen ändert sich dies recht drastisch.

Der Grundgedanke in diesem Roman ist eine Variante der Abrechnungen des Autors mit der glorifizierten Geschichte eines kleinen und sich selbst maßlos überschätzenden Landes am Rande Europas, das seine Möglichkeiten durch das Engagement in Übersee weit überspannt hatte. Die Helden der Geschichtsschreibung, Könige, Eroberer, Entdecker, kommen in diesem Roman auf ihren Karavellen, auf denen sie vor Jahrhunderten in die Welt hinaussegelten, nach Hause, als zu Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts das portugiesische Kolonialreich zerfällt, und sie finden sich in der Gegenwart des heutigen Portugal wieder. Gemessen an der Realität der Gegenwart zeigen sie sich als Hanswurste, mit denen ein Staat nicht zu machen ist, bestenfalls geeignet zur Führung eines zweifelhaften Rotlichtschuppens.

Es gibt in diesem Roman viele bizarre Bilder und Metaphern voll grimmigen Humors, von denen eine besonders sinnfällige sich wie ein running gag durch den Roman zieht: einer der Rückkehrer hat auf seiner Schiffspassage einen dicht gekalvatterten Sarg mit der Leiche seines Vaters mitgebracht. Im Verlauf des Romans wechseln mit fortschreitender Verwesung die Behältnisse, und am Ende passt der verflüssigte Rest in eine Milchflasche - die dann kurzerhand in einen Papierkorb entsorgt wird. Sic transit gloria mundi! Und diese Episodenfolge zeigt, worauf der Roman hinauswill: es geht um die Befreiung von den stinkenden Resten vergangener Herrlichkeit.
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