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In seinen Bücher geht es, meist aus autobiographischer Sicht, um die Aufarbeitung der jüngsten Geschichte seines Heimatlandes: Das faschistische Grauen der Salazar-Diktatur. In "Die Rückkehr der Karavellen" nun, geht es um die Zeit danach... als die Revolution in Portugal gesiegt hatte, die Kolonien selbstständig wurden und viele Kolonisten aus Angst vor den Folgen dieser Verselbständigung in ihr Heimatland zurück wollen; das manche noch nie gesehen hatten.
Aber hier las ich kein Befindlichkeits-Buch, welches das soziale Drama, die Schicksale und Kämpfe lediglich aufzeichnet - hier las ich ein Kunstwerk. Sozusagen das Gerüst des Werk bilden die Namen historischer Persönlichkeiten, die eng mit der Kolonialgeschichte Portugals verknüpft sind: Die Entdecker, die mit ihren Karavellen Kontinente und Seewege entdeckten und bis heute sozusagen unumstrittene Grösse in portugiesischem Geschichtsbewusstsein haben. Es treten auf: König Sebastian, an dessen alles zum Guten kehrendeWiederkunft viele Portugiesen auch heute noch fest glauben; Pedro Alves Cabral, der vor über 500 Jahren Brasilien entdeckte; Vasco da Gama, welcher den Seeweg nach Indien fand, als er als erster da Kap der Guten Hoffnung umsegelte (Den Portugiesen so wichtig, dass sie vor drei Jahren ihr imposantestes Bauwerk, die neue Tejo-Brücke, nach ihm benannten); und schliesslich auch noch Luis de Camões, der Schöpfer des portugiesischen Nationalepos; und andere.
Alle diese berühmten Gestalten werden literarisch in unsere Zeit versetzt und begegnen den Menschen unserer Tage - setzen sich mit ihnen über die Geschichte auseinander. Die Berühmtheiten werden dabei von ihren hohen Sockeln geholt und wieder menschlich... sehr menschlich... manchmal allzu menschlich beschrieben. Dabei geht auch deftig und witzig zu, z.B. wenn es den grossen Kapitän und Brasilienentdecker ins Rotlicht-Viertel verschlägt, wenn Vasco da Gama sich mit Gaunereien "über Wasser" hält oder der National-Dichter mit geliehenem Kugelschreiber seine Verse auf einen Rechnungsblock notiert und niemand von ihm Notiz nimmt.
Dabei benutzt Antonio Lobo Antunes oft wechselnde unterschiedlich Sprachstile - was es ihm auch ermöglicht allein sprachlich unterschiedliche erzählerische Strukturen hervorzuheben. Mal schreibt er lakonisch aber auch sarkastisch über den modernen Alltag in Lissabon, um dann sehr verwickelt über die Afrikanischen Zeiten der Kolonien zu sprechen, oder er demontiert voller Ironie die Denkmäler des portugiesischen Weltreichs.
Für mich war es ein wahrer Lesegenuss - welcher allerdings nach meiner Auffassung nur deshalb so vollständig sein konnte, weil ich mich seit vielen Jahren mit portugiesischer Geschichte befasse und über Hintergrundwissen verfüge. Aber "Die Rückkehr der Karavellen" begeistert auch - da bin ich mir sicher - Leserinnen und Leser, die mit der Geschichte Portugals weniger vertraut sind.
Wilfried John
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