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Die Rückkehr der Karavellen: Roman
 
 

Die Rückkehr der Karavellen: Roman [Kindle Edition]

António Lobo Antunes , Ilse Pollack , Maralde Meyer-Minnemann
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Daß Antonio Lobo Antunes ein Meister ist, der wenig Konkurrenz zu fürchten hat, beweisen die Hymnen, die seit einigen Jahren seine Bücher begleiten. Seine Romane sind Verführungen, Besitz, ergreifende Totalvereinnahmungen ... Vielleicht kann niemandso melodisch die schäbigen und zeitlosen Gefühle der Menschen beschreiben wie er. Das ist das Zeichen großer verfallsdatumsfreier Literatur." (Verena Auffermann, Süddeutsche Zeitung)

Kurzbeschreibung

In Lissabon rasen Pferdekarren und Autos aneinander vorbei, vor Anker liegen Öltanker und Karavellen. Die großen Seefahrer der Frühen Neuzeit drängen sich mit Touristen neugierig durch die engen Gassen der Altstadt. Mit diesem karnevalesken Roman, in dem er den portugiesischen Nationalmythos gegen den Strich bürstet, hatte António Lobo Antunes 1988 nach sechs autobiographischen Büchern ein großes historisches Thema gefunden und sich endgültig international etabliert.
So wie die deutsche Sage will, daß eines Tages der im Kyffhäuser schlafende Kaiser Friedrich alles zum Guten wendet, so haben die Portugiesen niemals an den Tod von König Sebastian geglaubt. Er ward zwar nicht mehr gesehen, seit er 1578 in Afrika vergebens versuchte, die Moslems zum rechten Glauben zu bringen, aber noch heute harrt das fromme lusitanische Volk seiner Wiederkehr.
António Lobo Antunes greift diese Legende auf, und vor dem König läßt er zunächst die bedeutendsten Entdeckungsreisenden auf ihren Karavellen den Atlantik noch einmal überqueren, um zwischen Öltankern und Flugzeugträgern auf Lissabon zuzusteuern. Pedro Alves Cabral ist unter ihnen, den es genau 500 Jahre, nachdem er Brasilien entdeckt hat, ins Rotlichtviertel verschlägt. Vasco da Gama, der als erster das Kap der Guten Hoffnung umsegelte, muß seinen Unterhalt mit kleinen Gaunereien verdienen. Und Luís de Camões, dem wir das portugiesische Nationalepos verdanken, beginnt seine Lusiaden auf dem Rechnungsblock eines Kellners.
Alle diese Männer, die Angola, Brasilien und Moçambique für Portugal entdeckt haben, unterhalten sich mit den Menschen unserer Tage darüber, was aus den Neuen Welten geworden ist. Um diese Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen herzustellen, läßt Lobo Antunes mal die
Sätze tropisch und barock wuchern, mal sich knäueln wie die Lianen des afrikanischen Urwalds oder die Ornamente des manuelinischen Baustils, mal schildert er lapidar und sarkastisch den heutigen Alltag, dazwischen läßt er ironische und komische Blitze leuchten.



Produktinformation

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 428 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag (14. November 2013)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00GJO9L74
  • X-Ray:
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nationalstolz - gegen den Strich gebürstet 2. Februar 2001
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Spätestens seit dem Nobelpreis für José Saramago ist die portugiesische Literatur nicht mehr das Mauerblümchen der europäischen Leserschaft. Saramagos Kollege Antonio Lobo Antunes, welcher selbst schon seit einigen Jahren immer wieder als möglicher Träger des Nobelpreises genannt wird, ist in seiner Heimat sozusagen der legitime Nachfolger Saramagos... und mindestens ebenso populär - wenngleich er den, was ihre Geschichte betrifft, ebenso empfindlichen wie stolzen Portugiesen gegen den Strich bürstet.
In seinen Bücher geht es, meist aus autobiographischer Sicht, um die Aufarbeitung der jüngsten Geschichte seines Heimatlandes: Das faschistische Grauen der Salazar-Diktatur. In "Die Rückkehr der Karavellen" nun, geht es um die Zeit danach... als die Revolution in Portugal gesiegt hatte, die Kolonien selbstständig wurden und viele Kolonisten aus Angst vor den Folgen dieser Verselbständigung in ihr Heimatland zurück wollen; das manche noch nie gesehen hatten.
Aber hier las ich kein Befindlichkeits-Buch, welches das soziale Drama, die Schicksale und Kämpfe lediglich aufzeichnet - hier las ich ein Kunstwerk. Sozusagen das Gerüst des Werk bilden die Namen historischer Persönlichkeiten, die eng mit der Kolonialgeschichte Portugals verknüpft sind: Die Entdecker, die mit ihren Karavellen Kontinente und Seewege entdeckten und bis heute sozusagen unumstrittene Grösse in portugiesischem Geschichtsbewusstsein haben.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Portugal bizarr 19. April 2001
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Zur Lektüre des Buches ist es hilfreich -aber nicht unbedingt notwendig einige Grunddaten portugiesischer Geschicht zu kennen.Ich kenne nur das allerwesentlichste und habe das Vorwort zur (gebundenen) Ausgabe -in dem wichtige Hintergrundinformationen gegeben werden -erst zum Schluss gelesen. Gemindert hat dies den Lesegenuss keineswegs. Dieser stellt sich mit entsprechender Muse und Konzentration auch ungeachtet (realer)Hintergründe ein. Nein, es ist beileibe keine leicht konsumierbare Prosa. Vielmehr werden komplexe Strukturen entwickelt, deren Hintersinn sich erst im Laufe der Erzählung langsam lichtet.Personen,Gegenstände und Begebenheiten unterschiedlicher Zeitepochen entfalten sich gleichzeitig und werden ins Jetzt versetzt. Die personale Ebene wechselt oftmals mitten im Satz von "ich" zu "er", so dass man zunächst stutzt, bis man die Methode erkennt, die es letztlich ermöglicht jene ..."halluzinatorische Atmosphäre..." zu erzeugen von der im Vorwort auch die Rede ist.. durch derlei Verfremdung gelingt es dem Autor zu bezaubern und gleichzeitig die gewollte Entmythologisierung seines Gegenstandes (portugiesische Geschicht und Gegenwart)zu erreichen. Nicht zuletzt ist es aber der tiefgründige Humor, welcher aus allen Ecken und Winkeln dieser Prosa hervorsticht, der einem auch bei den oft ausufernd langen Sätzen bei der Stange hält- und die tiefe Empathie mit der Antunes seine tragischen Helden zeichnet. Hier erkennt man den erfahrenen Arzt( Psychiater!), als der er ja lange Jahre tätig war. Bemerkenswet natürlich auch die Leistung der Übersetzung. Fazit:Weltliteratur, sehr empfehlenswert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Abschied vom Traum der Größe 14. Juni 2011
Format:Gebundene Ausgabe
"Die Rückkehr der Karavellen" ist dasjenige Buch von António Lobo Antunes, das ich Interessenten als Einstieg in das Werk zuerst empfehle - noch vor dem noch etwas holprigen "Elefantengedächtnis".

Die Abschnitte in der typisch gebrochenen Erzählweise sind - noch - verhältnismäßig lang, man kann die Zuordnung zu den einzelnen Erzählsträngen - noch - leicht nachvollziehen. Auch der Umfang ist noch überschaubar. In einigen späteren Romanen ändert sich dies recht drastisch.

Der Grundgedanke in diesem Roman ist eine Variante der Abrechnungen des Autors mit der glorifizierten Geschichte eines kleinen und sich selbst maßlos überschätzenden Landes am Rande Europas, das seine Möglichkeiten durch das Engagement in Übersee weit überspannt hatte. Die Helden der Geschichtsschreibung, Könige, Eroberer, Entdecker, kommen in diesem Roman auf ihren Karavellen, auf denen sie vor Jahrhunderten in die Welt hinaussegelten, nach Hause, als zu Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts das portugiesische Kolonialreich zerfällt, und sie finden sich in der Gegenwart des heutigen Portugal wieder. Gemessen an der Realität der Gegenwart zeigen sie sich als Hanswurste, mit denen ein Staat nicht zu machen ist, bestenfalls geeignet zur Führung eines zweifelhaften Rotlichtschuppens.

Es gibt in diesem Roman viele bizarre Bilder und Metaphern voll grimmigen Humors, von denen eine besonders sinnfällige sich wie ein running gag durch den Roman zieht: einer der Rückkehrer hat auf seiner Schiffspassage einen dicht gekalvatterten Sarg mit der Leiche seines Vaters mitgebracht.
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