Innerhalb kurzer Zeit hat sich Ingrid Noll in Deutschland mit einer Reihe von Romanen einen Namen gemacht, die allesamt von einer gewissen unterhaltenden Skurrilität der Geschehnisse und Personen sowie der Spannung kriminalistischer Elemente geprägt sind. Mit "Röslein rot", dem jüngsten Roman, konnte I.Noll jedoch nicht an vorangegangene Erfolge anknüpfen. Der für Nolls Geschichten so charakteristische und essentielle Todesfall bleibt zwar auch hier nicht aus, allerdings laesst er ueber zwei Drittel des Buches auf sich warten. Dem voraus gehen 200 Seiten lähmender Beschreibung einer zerrütteten Ehe, eines brachliegenden Familienlebens und unbefriedigender Freundschaftsbeziehungen der Hauptperson, genannt Röslein. Die Figuren erscheinen dabei derart überzeichnet, daß sie einer gesamtgesellschaftlichen Neurose deutlich näher kommen als der Realität. Beim Leser entwickelt sich ein bedrückendes Gefühl, das noch verstärkt wird durch Nebenhandlungen, verwirrend und unglaubwürdig, die der Story nicht zum Fortgang verhelfen. Unterbrochen wird die Handlung zudem regelmäßig durch die Beschreibung von Gemälden, mit denen sich das "Röslein", wenn es seinem Hobby, der Glasmalerei, die immer mehr zur Daseinsbewältigung wird, frönt. Mag dieses Stilelelment an anderer Stelle analytisch bedeutsam sein, so wirkt es doch hier auf den Leser, der von anderen als kunsttheoretischen Erwartungen getrieben ist, nur hemmend und fehlplaziert. Der entscheidende Mord hat mit dem Schicksal des Rösleins wenig zu tun, kommt weder überraschend noch löst er Betroffenheit oder gar Spannung aus. Am Ende verwundert es nicht einmal mehr, dass auch dieser Mord ohne größere Folgen auf Handlung und Handelnde bleibt. So fügt sich ein unbefriedigendes Ende an einen insgesamt unbefriedigenden Roman. Wer I.Noll und ihre Bücher positiv im Gedächtnis behalten möchte, sollte im Falle von "Röslein rot" guten Gewissens eine Lücke im Bücherregal akzeptieren. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)