Hedemünden, an der Werra im Kreis Göttingen gelegen, war in germanischer Zeit ein Verkehrsknotenpunkt am Flussübergang des Fernwegs, der aus dem hessischen Bergland in das Leinetal führte. Als die Römer zur Zeit des Kaisers Augustus versuchten, Germanien ihrem Reich einzuverleiben, legten sie hier einen Stützpunkt an, der sowohl strategisch wie auch für den Nachschub auf dem Fluss von Bedeutung war. Der Komplex bestand aus einem dauernd besetzten Standlager, einem kleinen und wahrscheinlich einem großen Marschlager genau über der Furt. Der Nachweis, dass es sich um eine römische Anlage handelt, ist erst in den letzten Jahren gelungen.
In diesem Buch beschreibt der Göttinger Kreisarchäologen Klaus Grote die Lage und die erhaltenen oberirdischen Spuren mit aussagekräftigen Farbfotos und Karten. Das Römerlager mit seinen Teilbereichen wird dargestellt und die Diskussion über die Nutzung referiert. Man bekommt also nicht nur die Meinung eines Wissenschaftler zu lesen, sondern auch die Begründung dafür. Den Funden ist viel Platz gewidmet, sie sind ebenfalls durch Fotos und Zeichnungen sorgfältig dokumentiert und erläutert. Es handelt sich um Münzen, Werkzeuge und metallene Überreste von Waffen, militärischem Gerät, Wagen und Pferdegeschirren. Auch von den großen Zelten des Standlagers sind Heringe und andere Teile gefunden worden.
Das Buch ist wissenschaftlich zuverlässig, aber für den interessierten Laien gut lesbar. Es ist hervorragend in Farbe bebildert und hat acht Seiten Literaturverzeichnis. Die hier mitgeteilten Ergebnisse mehrjähriger archäologischer Arbeit haben überregionale Bedeutung. Es wäre schade, wenn das Buch nur im Landkreis Göttingen gelesen würde.