Es sind jetzt ziemlich genau 35 Jahre vergangen, seit dieses Buch, kurz nach seinem Erscheinen, unter meinen damaligen Weihnachtsgeschenken lag. Selten hat jemand römische Geschichte, das Phänomen des Aufstiegs eines ursprünglich kleinen unbedeutenden Stadtstaates in Mittelitalien zur imperialen, alles beherrschenden Großmacht so spannend, lebensvoll erzählt und das "Erfolgssystem" des senatus populusque romanorum so schlüssig dargestellt. Es ist in manchen Passagen, als fiele der jahrhundertealte Staub der Geschichte einfach ab und man fühlt sich in einer Art aktueller journalistischer Berichterstattung unmittelbar in die Vergangenheit katapultiert, wie "live" dabei. Die Sprache dabei immer direkt und verständlich. Atmosphärisch, farbig, dicht. Sicher, das ist keine detaillierte, spröde wissenschaftliche Abhandlung für Stubengelehrte, da tauchen keine neuen Erkenntnisse für die Wissenschaft auf, aber Stöver ist stets auf der (damaligen) Höhe der Forschung - jedenfalls soweit ich das zu beurteilen vermag. Mir hat das Buch, abseits des öden und langweilig präsentierten schulischen Geschichts- und Lateinunterrichts, eine ganz neue lWelt und aktuelle Sicht eröffnet: Geschichte aus historischem Abstand und kluger Reflexion heraus als lebendig erzählte, spannende Zeitgeschichte, hautnah erlebte Politik. Als Einstieg zu einem ersten näheren Verständnis römischer Geschichte m. E. nach wie vor unübertroffen. Speziell für Heranwachsende und Jugendliche, die sich für solche Themen interessieren, gut geeignet. Und allen jenen, die sich mit Übersetzungsversuchen und den grammatikalischen Feinheiten des bello gallico Caesars oder der Catillinarischen Reden Ciceros weiter plagen müssen, als unterhaltsame backgroundstory ans Herz gelegt. Habe das Buch bei amazon zum Glück wiedergefunden und werde es meinem Sohn in Kürze schenken, der nach Urlaubsaufenthalten in Pompeii, Paestum, Rom und Ostia antiqua vom Geschichtsvirus ebenfalls befallen worden ist.