Das Wissen über die "deutsche" Geschichte des Frühmittelalters hört bei vielen geschichtlich interessierten Menschen mit dem Einbruch der Franken in Gallien auf und setzt erst mit der Kaiserkrönung Karls des Großen wieder ein. Dazwischen - Finsternis, höchstens ein paar Schlagworte wie Chlodwig, Nibelungenlied oder Awaren. Eins vorweg - wer eine vollständige Zusammenfassung dieser Epoche haben will, ist mit Fischers Weltgeschichte Bd. 9 & 10 besser bedient. Dieses Buch hingegen stellt in keinster Weise Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll ganz einfach Lust aufs Weiterlesen machen. Zwei junge Historiker fassen in ihrem Buch über das "deutsche" Frühmittelalter Ausschnitte aus den Werken der führenden Mediävisten (u.a. Horst Fuhrmann, Patrick Geary) zu einem interessanten Lesebuch zusammen.
Die Beiträge werden nach thematischen Gebieten zusammengefasst: Von den Beziehungen der Germanen zu den Römern über die politischen Kräfteverhältnisse bis zum Kapitel "Wirtschaft und Gesellschaft". Ein großer Teil ist auch der Mission Germaniens und dem Christentum generell gewidmet, das zu einer einigenden Klammer des entstehenden Abendlandes wurde. Abschließend wird der Aufstieg der Karolinger behandelt. Ein umfangreiches Literatur- und Personenverzeichnis rundet das Buch ab.
Natürlich, die Beiträge wurden von Professoren geschrieben und die Spanne reicht von Artikeln, die man mehrmals lesen muss um die verschachtelten Sätze zu verstehen bis zu köstlich interessanten Fragestellungen, die beantwortet werden. Warum weigerten sich die Franken, ihrem eigenen Reich Steuern zu zahlen? Und hat es einen tieferen Grund, warum im deutschsprachigen Raum mehr Fleisch und Schwarzbrot gegessen wird, während die mediterrane Küche Weißbrot und Gemüse bevorzugt?
Das Buch ist kein Muss. Aber bei diesem Preis sei es jedem Geschichtestudenten und allen Menschen, die sich abseits von Ritterromanen wissenschaftlich mit dem Mittelalter beschäftigen wollen, wärmstens empfohlen. 5 Punkte!!