Als Walter Röhrl seine Erfolge einfuhr, war ich kaum auf der Welt.
Über Freunde und Kollegen bin ich erst vor wenigen Jahren zum Autocross- und Rallyesport gekommen, wo der Mythos Walter Röhrl in den Fahrerlagern allgegenwärtig zu sein scheint. Sicher vergeht in Deutschland kein Rennwochenende, ohne dass jemand sagt: "Dass Du Autofahren kannst, merkst Du daran, dass die Fliegen an der Seitenscheibe kleben!".
Ich habe irgendwann spontan die DVD "Walter Röhrl - Drei Jahrzehnte Motorsport" gekauft, und war begeistert von den Bildern der Gruppe-B-Zeit und ihrem charismatischen, freundlichen, bodenständigen Aushängeschild, das Herr Röhrl - zumindest in Deutschland - nun einmal ist.
Als ich aus der Presse erfuhr, dass Helmut Deimel ein weiteres Filmdokument zu dem Thema geschaffen hat, musste ich nicht lange überlegen, um zuzugreifen.
Dieser Film gefällt mir eigentlich noch besser, als der erstgenannte. Zwischen großartigen Originalbildern und aufwändig nachgedrehten Action-Szenen erzählt Walter Röhrl, wie er die Dinge damals erlebt hat. Es kommt einem dabei so vor, als wäre man bei ihm zu Hause, oder hätte ihn irgendwo in der Kneipe kennengelernt und wäre mit ihm ins Gespräch gekommen. Kein bißchen gestellt oder unnatürlich! Jeder, der den Rennsport-Funken in sich trägt, kommt nicht umhin, bei vielen seiner Ausführungen wenigstens breit zu grinsen.
Es kommen aber auch mehr Weggefährten zu Wort, darunter Beifahrer, Teamkollegen, Techniker, und natürlich der für den Erfolg ebenso wichtige Christian Geistdörfer, die durch Ihre Beschreibung den Menschen Walter Röhrl noch besser umreißen, und den guten Eindruck bestätigen.
Erwähnenswert finde ich, die sehr gute Bild- und Tonqualität der Originalaufnahmen, die aber eigentlich noch in den Hintergrund treten, gegenüber der gezeigten Fahrzeugbeherrschung aller Protagonisten. Besonders die Helikopter- und Innenaufnahmen beeindrucken mich immer wieder, und machen Lust, sich selbst ans Steuer zu setzen.
Was soll ich groß erzählen: Wer sich -wie ich- in eine Zeit zurückwünscht, in der Konstrukteure freie Hand hatten, Autos noch Feuer spucken und laut durchatmen durften, und in der richtige Männer am Lenkrad saßen, und (in der Anfangszeit) in der H-Kulisse gerührt haben, der wird mit diesem Film viel Freude haben, und auch beim 10ten Mal ansehen noch etwas Neues entdecken.
Vielleicht ist der Film auch ein Signal, umzudenken: Vielleicht will der Zuschauer gar nicht beim immer extremeren Downsizing-Wettbewerb und dem Taktieren der Teams um die perfekte Startposition und geschickteste Stallorder zusehen...? Vielleicht bewirken absolut gleichwertiger, umweltfreundlicher, weichgeföhnter Hightech auf allen Seiten, und identische Motoren unter verschieden geformten Tupper-Dosen beim Zuschauer einfach nicht die Emotionen, die er sich wünscht? Ich schätze, dass "wild zusammengeworfene Klapperkisten" beim Autocross in Mölln oder Uelzen 2011 mehr Zuschauer zusammengebracht haben, als die DRM-Läufe Wikinger-Rallye oder Ostsee-Rallye; Von den Starterzahlen ganz zu schweigen! Der Zuschauer will einfach nur Rennsport, und der Fahrer will bezahlbar seinen Spaß haben. Ohne H.A.N.S., ohne Transponderzeitnahme und ohne VIP-Zelt.
Dies kann natürlich jeder sehen, wie er will. Ich sehe den Film als einen Beleg für diese These.